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08.07.2026 06:06

Estland setzt orthodoxer Kirche sechs Monate Frist zur Loslösung vom Moskauer Patriarchat

Tallinn - 08.07.2026: Die estnische Regierung hat der dem Moskauer Patriarchat zugeordneten orthodoxen Kirche in Estland eine Frist von sechs Monaten gesetzt, um alle institutionellen und administrativen Verbindungen nach Russland zu beenden. Andernfalls droht die zwangsweise Auflösung der juristischen Körperschaft. Die Ankündigung konkretisiert eine bereits vom Parlament beschlossene Gesetzesänderung, die dauerhafte Abhängigkeiten von ausländischen religiösen Autoritäten als Sicherheitsrisiko einstuft. Das Innenministerium soll die Umsetzung überwachen und bei Verstößen ein Verbotsverfahren einleiten.Die Rechtsgrundlage geht auf eine Reform zurück, die 2025 verabschiedet wurde. Teile dieser Reform erklärte das Oberste Gericht Estlands als verfassungskonform. Konkret verlangt der Staat die Streichung russischer Autoritäten aus den Statuten, die Bildung einer neuen kirchlichen Leitung ohne Einfluss Moskaus sowie die Unterbrechung finanzieller, organisatorischer und personeller Abhängigkeiten. Gemeinden müssten gegebenenfalls ihre Eintragung anpassen und Vermögensfragen klären, etwa bei Pacht- und Eigentumsrechten an Kirchengebäuden und Klöstern.Regierungsvertreter begründen das Vorgehen mit Sicherheitsbedenken und der Gefahr politischer Einflussnahme durch Kreml-nahe Netzwerke. Estnische Sicherheitsbehörden hatten in den vergangenen Jahren wiederholt Kontakte einzelner Geistlicher zu prorussischen Strukturen dokumentiert. Gleichzeitig warnen Kirchenrechtler und Menschenrechtsorganisationen vor einer möglichen Aushöhlung der Religionsfreiheit. Sie verweisen auf Rechtskonflikte, sollten Anweisungen aus Moskau mit nationalen Vorgaben kollidieren oder Geistliche sich weigern, Loyalitätserklärungen gegenüber einer neuen Leitung abzugeben.Die orthodoxe Landschaft in Estland ist historisch gespalten: Neben den Gemeinden mit Bindung an Moskau existiert seit dem 20. Jahrhundert eine Struktur unter dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Diese Doppelstruktur erschwert eine rein juristische Lösung, weil Fragen des Kirchenrechts mit sicherheitspolitischen Erwägungen verschränkt...

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