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Die Organisation Europäische Krebsgesellschaft (European Cancer Organization, ECO) hat kürzlich besorgniserregende Daten bezüglich der Krebssterblichkeit in Frankreich veröffentlicht, die im europäischen Vergleich erschreckend hoch ausfällt. Doch woran liegt das?

Die verheerende Rolle des Tabakkonsums


Mit einer Raucherquote von 25 % der Bevölkerung steht Frankreich an der Spitze Europas – der europäische Durchschnitt liegt bei nur 18 %. Die ECO weist darauf hin, dass dieser übermäßige Tabakkonsum jährlich mehr als 48.000 Franzosen das Leben kostet – bis zu 60 % mehr als in anderen europäischen Ländern. Aber warum scheint gerade in Frankreich der Griff zur Zigarette so verbreitet? Liegt es an einer entsprechenden Historie des Tabakkonsums, oder fehlen effektive Präventionskampagnen?

Medizinische Versorgungswüsten verschärfen das Problem

Ein weiterer kritischer Punkt ist der Zugang zur medizinischen Versorgung. Ein Drittel der französischen Bevölkerung lebt in sogenannten medizinischen Versorgungswüsten, dies gilt besonders in ländlichen Gebieten und dort besonders für ältere Menschen. Frankreich verfügt über nur 1,52 Onkologen pro 100.000 Einwohner, weniger als die Hälfte des europäischen Durchschnitts von 3,24. Wie kann es sein, dass ein so entwickeltes Land wie Frankreich eine derartige Unterversorgung erlebt?

Schwachstellen im Screening-Verfahren

Auch die Screening-Raten für Krebs liegen in Frankreich unter dem europäischen Durchschnitt. Während 54 % der Europäer regelmäßig auf Brustkrebs untersucht werden, sind es in Frankreich nur 46,9 %. Beim Darmkrebs-Screening sieht es ähnlich aus: 36 % im europäischen Durchschnitt gegenüber 34,6 % in Frankreich. Woran könnte das liegen? Sind die Franzosen weniger informiert über die Vorteile von Früherkennungsuntersuchungen, oder gibt es strukturelle Barrieren, die sie daran hindern?

Maßnahmen zur Verbesserung der Situation

Angesichts dieser beunruhigenden Statistiken hat die ECO das Europäische Manifest gegen Krebs ins Leben gerufen. Dieses umfasst mehrere wichtige Maßnahmen: das Mindestalter für den Tabakkauf soll auf 21 Jahre angehoben werden, neue Tabak- und Nikotinprodukte sollen ebenso besteuert werden wie Zigaretten, und es soll ein europäischer Aktionsplan für Gesundheitspersonal entwickelt werden, um dem Fachkräftemangel in der Onkologie entgegenzuwirken.

Ein Silberstreifen am Horizont

Trotz der vielen Herausforderungen gibt es auch positive Nachrichten: Frankreich hat im europäischen Vergleich hohe Überlebensraten bei mehreren wichtigen Krebsarten. Die Fünfjahresüberlebensrate für Brustkrebs beträgt 87 % (europäischer Durchschnitt: 83 %), für Darmkrebs 64 % (60 %) und für Prostatakrebs beeindruckende 93 % (87 %).

Die Diskrepanz zwischen der hohen Überlebensrate bei bestimmten Krebsarten und der erhöhten Todesrate durch Krebs in Frankreich wirft wichtige Fragen auf. Ist es möglich, dass die französischen Bürger zwar länger leben, aber aufgrund mangelnder präventiver Maßnahmen und unzureichender medizinischer Infrastruktur in höherem Maße an Krebs erkranken? Was denken Sie – ist die Situation in Frankreich ein Weckruf für ganz Europa, die Krebsbekämpfung ernster zu nehmen und mehr in präventive sowie therapeutische Maßnahmen zu investieren?


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