Tag & Nacht

Vergangenen Montag, dem 10. Juni, bot Frankreich ein beeindruckendes Bild der Einheit und des Widerstands gegen den aufkeimenden Rechtsextremismus. Nach den überraschenden Erfolgen des Rassemblement National (RN) bei den Europawahlen zogen Tausende Menschen durch die Straßen zahlreicher Städte, um ein klares Zeichen zu setzen: Die Linke muss sich vereinen.

Paris: Ein starkes Signal von der Place de la République

In der Hauptstadt begann der Protest um 20 Uhr auf der Place de la République. Die Atmosphäre war aufgeladen – Fahnen der CGT, des Linksbündnisses Nupes und NPA dominierten die Szenerie, auch palästinensische Flaggen wehten neben denen der französischen Gewerkschaften. Die Menge zerstreute sich gegen 22 Uhr, um sich Richtung Sitz der Grünen zu bewegen, wo linke Parteien fieberhaft nach einem Wahlabkommen suchen. Auf ihrem Weg hinterließen sie Spuren des Widerstands: Beschmierte Wahlplakate und Graffitis wie „Ni Macron, ni Bardella“ und „Macron-Bardella, même combat“.

Marseille: Solidarität am Mittelmeer

Auch in Marseille erhoben die Menschen ihre Stimmen. Rund 2.200 Personen versammelten sich vor der Präfektur, angeführt von der Gewerkschaft CGT. Der Demonstrationszug bewegte sich vom Medef-Gebäude bis zum Vieux-Port. Die Stimmung war kämpferisch, aber friedlich.

Bretagne: Welle der Proteste in Brest, Morlaix und Rennes

In der Bretagne gingen in mehreren Städten Menschen auf die Straße. In Rennes, der Hauptstadt der Region, versammelten sich 4.000 Personen unter der Führung von Jugendorganisationen der EELV, LFI, PCF und PS. Ein entschlossener Appell: „Bis zum ersten Wahltag sind wir jeden Abend auf den Straßen!“

Occitanie: Von Montpellier bis Toulouse

Montpellier sah etwa 1.000 Demonstranten, die für soziale, feministische und ökologische Werte eintraten. Der Zug zog von der Préfecture zur Promenade du Peyrou und zur Place de la Comédie. Auch Toulouse schloss sich an – mehrere Tausend zogen durch die Stadt, entschlossen, den Rechtsextremismus in die Schranken zu weisen.

Nouvelle-Aquitaine: Bordeaux, Limoges und Bayonne im Protestmodus

In Bordeaux versammelten sich mehrere hundert Menschen auf der Place de la Victoire. Die Vielfalt der Teilnehmer war beeindruckend – von politisch aktiven Jugendlichen bis hin zu älteren Bürgern ohne Parteizugehörigkeit. In La Rochelle vereinte sich die Menge am Vieux-Port, und in Pau und Bayonne hallten Rufe wie „Le RN c’est la haine“ durch die Straßen.

Nord und Auvergne-Rhône-Alpes: Widerstand in Lille und Lyon

In Lille war die Place de la République schwarz vor Menschen, die gegen die Erfolge des RN protestierten. Ein ähnliches Bild in Lyon, wo sich bis zu 2.800 Menschen versammelten und durch die Stadt zogen. Der Slogan der antifaschistischen Bewegung „Siamo Tutti antifaschisti“ hallte durch die Straßen.

Grand Est: Besançon und Strasbourg

Besançon zeigte mit über 800 Demonstranten ebenfalls klare Kante gegen den Rechtsextremismus. Auch in Strasbourg kamen die Menschen auf der Place Kléber zusammen und stimmten antifaschistische Lieder an.

Ein Land in Bewegung

Diese landesweiten Proteste zeigen, dass Frankreich nicht bereit ist, den Rechtsextremismus kampflos hinzunehmen. Von Paris bis Strasbourg, von Marseille bis Rennes – das Land steht vereint gegen die Bedrohung durch den RN. Doch die größte Herausforderung bleibt: die Linke zu einen und eine starke, vereinte Front zu bilden. Der Ruf nach Einheit und Solidarität war in jeder Stadt laut und deutlich zu hören.

Nun liegt es an den politischen Führern, diesen Appell zu hören und gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Die kommenden Wahlen am 30. Juni und 7. Juli werden zeigen, ob dieser Ruf in die Tat umgesetzt werden kann – oder ob der Rechtsextremismus weiter an Boden gewinnt.


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