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Emmanuel Macron hat in Neukaledonien eine klare Botschaft gesendet: Die geplante Reform des Wahlrechts wird nicht „mit Gewalt“ durchgesetzt. Stattdessen setzt der Präsident auf Dialog und Zusammenarbeit, um eine nachhaltige Lösung für die politische Krise auf der Inselgruppe zu finden.

Eine Roadmap für den Frieden

Nach einem kurzen, aber intensiven Besuch in Neukaledonien hat Macron einen Fahrplan zur Lösung der Krise vorgestellt. Am 23. Mai, während einer Pressekonferenz, versprach der Präsident, die Reform des Wahlrechts nicht zu erzwingen. Diese Reform ist ein heißes Eisen, das in der jüngsten Vergangenheit zu erheblichen Unruhen geführt hat. Macron räumte den Parteien Zeit ein, um ein umfassendes politisches Abkommen auszuhandeln, das dann den Bürgern Neukaledoniens zur Abstimmung vorgelegt werden soll.

Die Wiederaufnahme des Dialogs

„Wir müssen uns einige Wochen geben, um zur Ruhe zu kommen und den Dialog wieder aufzunehmen, mit dem Ziel eines umfassenden Abkommens“, erklärte Macron. Dabei soll das Abkommen über die Frage des Wahlrechts hinausgehen und das institutionelle Schicksal des französischen Archipels insgesamt behandeln. Der Präsident versprach zudem, innerhalb eines Monats einen Zwischenbericht zu liefern. Ursprünglich hatte er angekündigt, den Nationalkongress bis Ende Juni einzuberufen, um die umstrittene Reform zu verabschieden, falls vorher keine Einigung erzielt wird. Doch nun zeigt er sich flexibler und setzt auf eine konsensuale Lösung.

Referendum als Ausweg

Macrons Wunsch ist klar: Ein Abkommen, das durch ein Referendum von den Calédoniens selbst bestätigt wird. Damit stellt er sicher, dass jede Entscheidung von den Menschen vor Ort mitgetragen wird – ein Schritt hin zu mehr Selbstbestimmung und weniger Fremdbestimmung.

Strenge Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung

Doch trotz seiner versöhnlichen Töne bleibt Macron bei einem Punkt unerbittlich: der Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung. Er forderte eine sofortige Aufhebung der Straßensperren, um den Ausnahmezustand beenden zu können. Die jüngsten Unruhen haben die Inselgruppe heftig erschüttert und sind laut Macron beispiellos. „Niemand hatte mit diesem Grad an Organisation und Gewalt gerechnet“, sagte er während eines Besuchs in einer Polizeistation in Nouméa.

Soforthilfe für die Betroffenen

Um die durch die Unruhen verursachten Schäden zu beheben, kündigte Macron eine „Notfallhilfe“ an. Die Schäden seien „kolossal“ und erfordern schnelle und umfassende Maßnahmen.

Ein behutsamer Balanceakt

Macrons Ansatz in Neukaledonien ist ein Balanceakt zwischen Durchsetzungskraft und Dialogbereitschaft. Er strebt eine Lösung an, die nicht nur die aktuelle Krise entschärft, sondern auch langfristig für Stabilität und Zufriedenheit sorgt. Dabei spielt das geplante Referendum eine zentrale Rolle – die Bevölkerung selbst soll über die Zukunft ihrer Heimat entscheiden.

Wird dieser behutsame Weg aus der Krise führen? Das bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass Macron bereit ist, neue Wege zu gehen, um eine Eskalation zu vermeiden und den Menschen in Neukaledonien eine Stimme zu geben. Ein Beispiel dafür, wie Politik im 21. Jahrhundert funktionieren kann – durch Zuhören, Verhandeln und gemeinsames Handeln.


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