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Als Rechtsanwalt, Senator und Justizminister war Robert Badinter eine der wichtigsten Figuren der Mitterrand-Jahre.

Er war eine wichtige Persönlichkeit in der jüngeren Geschichte Frankreichs, „eine Figur des Jahrhunderts“, wie Emmanuel Macron es ausdrückte. Robert Badinter, der ehemalige Justizminister von François Mitterrand, starb in der Nacht von Donnerstag, dem 8. Februar, auf Freitag, den 9. Februar, wie seine Mitarbeiterin Aude Napoli der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. In einem langen Leben voller Kämpfe stand er für die Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich, die Entkriminalisierung der Homosexualität oder die Verbesserung der Lebensbedingungen in französischen Gefängnissen.



Der am 30. März 1928 in Paris in einer aus Bessarabien emigrierten jüdischen Familie geborene schlanke Mann mit dichten schwarzen Augenbrauen, der für ein Frankreich „im Dienste der Freiheiten und Menschenrechte“ eintrat, erklärte seinen Durst nach Gerechtigkeit mit einer vom Zweiten Weltkrieg geprägten schweren Jugendzeit.

Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Paris begann Badinter seine juristische Laufbahn. Er spezialisierte sich auf Strafrecht und wurde schnell als herausragender Jurist anerkannt. In den 1950er und 1960er Jahren arbeitete er als Anwalt und erwarb sich einen Ruf für sein Engagement für Gerechtigkeit.

1965 wurde Badinter als Anwalt in der „Affäre Henriette Dassonville“ bekannt. Diese Gerichtsverhandlung erlangte öffentliche Aufmerksamkeit und trug dazu bei, seinen Ruf als Verteidiger der Menschenrechte zu festigen.

Als wichtige Figur der Mitterrand-Ära stand Robert Badinter hinter dem Gesetz vom 9. Oktober 1981, mit dem die Todesstrafe abgeschafft wurde, in einem Frankreich, dessen Bürger damals mehrheitlich für diese Strafe war. In bis zu seinem Tod setzte er sich für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe ein.

Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung im Jahr 1986 war Badinter neun Jahre lang Präsident des Verfassungsrats. Dort setzte er sich weiterhin für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in Europa ein. Von 1995 bis 2011 war Badinter sozialistischer Senator und maßgeblich daran beteiligt, dass die Abschaffung der Todesstrafe 2007 in der französischen Verfassung verankert wurde. In den 2000er Jahren arbeitete er an einer Reform der Vereinten Nationen und während der fünfjährigen Amtszeit von François Hollande an der Reform des Arbeitsgesetzes.

Nach seiner politischen Karriere wurde Badinter zum Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ernannt.

Badinter hat neben seiner politischen auch eine bedeutende akademische Laufbahn verfolgt. Er lehrte Strafrecht an der Universität Paris X-Nanterre und veröffentlichte mehrere Bücher zu rechtlichen und politischen Themen.

Robert Badinter engagierte sich aktiv im Gedenken an den Holocaust. Er setzte sich für die Erinnerung an die Opfer ein und betonte die Bedeutung der Aufarbeitung der dunklen Kapitel der Geschichte.

Robert Badinter war eine herausragende Persönlichkeit, deren Leben von seinem unermüdlichen Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenrechte geprägt war. Sein Vermächtnis erstreckt sich über seine juristische, politische und akademische Karriere und bleibt eine wichtige Quelle der Inspiration für künftige Generationen.


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