Franzosen reagieren auf den neuen Lockdown: “Wenn ich schließen muß, ist es für mich vorbei”.

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Angesichts der am Mittwoch, dem 28. Oktober von Emmanuel Macron angekündigten neuen Restriktionen sind die Franzosen gespalten. Einige stimmen zu, andere prangern sie an. La Depeche hat Aussagen gesammelt.

Von der Ausgangssperre bis zum Lockdown. Während Emmanuel Macron an diesem Mittwochabend neue Restriktionen ankündigte, herrscht bei vielen Franzosen Unverständnis. “Ich habe den Eindruck, dass sie nicht wissen, wohin sie gehen, dass es keine Logik in dem Ganzen gibt”, sagte Jean, ein pensionierter Toulouser. “Man weiß nie, wie lange die neuen Maßnahmen in Kraft bleiben, das ändert sich ständig”, sagt Eric, 48, Besitzer eines Handwerksladens, der in Peyrignanc (Lot) Spiele und Dekorationen aus Holz verkauft. Der Familienvater befürchtet das Schlimmste: “Wenn ich schließe, verdiene ich nichts, während die Mieten und Kredite weiter laufen. Für mich ist es vorbei”.

Dieselbe Angst bei Gaétan, 30 Jahre alt, freiberuflicher Grafikdesigner mit Sitz in Toulouse. Im März-April kamen die Aufträge seiner Hauptkunden zum erliegen. “Was mir Angst macht, ist, ob ich genug arbeiten kann, um zu leben. Als ich das erste Mal im Lockdown war, war das eine Katastrophe”, sagt er.

Camille, Schullehrerin in Asnieres-sur-Seine (Hauts-de-Saine), befürchtet eine “sehr schwierige” Zeit. “Mein Mann ist ein selbständiger Geschäftsmann. Wir haben keine Rücklagen mehr. Wenn er sein Geschäft schließen muss, wird das für uns sehr kompliziert. Und selbst wenn es offen bleibt, ist er mutlos”, sagt die 32-Jährige. “Und in meinem Job ändern wir ständig die Regeln, wir haben totale Inkonsistenzen mit den Regeln, mit denen wir die Schüler konfrontieren müssen.”

“Es ist wichtig, einander zu sehen, um den Teamgeist zu erhalten.”
Laurent, 49 Jahre alt, an der Spitze der Firma Mimbus, die sich auf die Entwicklung von Ausbildungslösungen für manuelle Berufe auf der Grundlage von Virtual-Reality-Technologien spezialisiert hat, vertritt einen völlig anderen Standpunkt. “In diesem Jahr haben wir ein Wachstum von fast 50% verzeichnet, zum Teil dank des ersten Lockdowns”, sagt er. Der Direktor des Unternehmens aus Montrabéen (Haute-Garonne) bedauert jedoch, dass seine Mitarbeiter immer noch zu 100 % Telearbeit leisten. “Wir verlieren die soziale Verbindung. Kurz vor den von Emmanuel Macron angekündigten neuen Maßnahmen war ich dabei, Veränderungen vorzunehmen, damit meine Mitarbeiter öfter kommen würden, zwei bis drei Tage pro Woche. Was das Timing betrifft, können wir sagen, dass es ein Fehlschlag ist… ”

Auch Sandrine, eine 50-jährige Verkäuferin, überstand den ersten Lockdown ohne Probleme. Sie findet die von der Regierung angekündigten neuen Beschränkungen völlig verständlich. “Ich kann von zu Hause aus arbeiten. Natürlich hat fer Lockdown auf mich nicht die gleichen Auswirkungen wie auf einen Ladenbesitzer. Aber aus gesundheitlicher Sicht gibt es vielleicht keine andere Lösung. Ich sage mir, dass es besser ist, mich eine Zeitlang zu beschränken, ein paar Wochen lang drastische Maßnahmen zu erdulden, um die Feierlichkeiten zum Jahresende gelassener angehen zu können”, sagt die Einwohnerin von Roques (Haute-Garonne), und versichert, diese neue Periode “gelassen” anzugehen.

“Es isoliert mich noch mehr.”
“Ich bin im Ruhestand, das isoliert mich noch mehr”. Gaétan macht sich darüber Sorgen. “Ich weiß nicht so recht, wo das hinführt”, seufzt Thérèse, die in Frouzins (Haute-Garonne) in Rente ging. Es macht mir nichts aus, eingesperrt zu sein, auch wenn ich allein bin. Mir ist nicht langweilig, ich finde immer etwas zu tun”, sagt die Achtzigjährige. Mit Stock und Maske bewaffnet, hat sie nicht die Absicht, ihren täglichen Spaziergang aufzugeben, “um sich zu beschäftigen”.

“Es ist eher die gesundheitliche Situation, die mir Sorgen bereitet. Es scheint ernst zu sein. Wir wissen nicht, wohin wir gehen”.


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