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Etwa 6.000 Migranten kamen allein am Mittwoch, dem 13. September, auf der italienischen Insel Lampedusa an. Das Rote Kreuz spricht von einer „komplexen Situation“. Französischer Innenminister Gérald Darmanin will daraufhin französisch-italienische Grenze besser sichern.

Die vor der Küste Italiens gelegene Insel Lampedusa erlebte am Mittwoch eine beispiellose Migrationswelle. Allein am 13. September kamen rund 6.000 Menschen auf Booten aus Afrika kommend auf der kleinen Insel an, was ihrer üblichen Einwohnerzahl entspricht. 120 Boote landeten auf der Insel, die sich im Laufe der Jahre zu einem der wichtigsten Einfallstore für Migranten aus Nordafrika nach Europa entwickelt hat.



Die Behörden und das Rote Kreuz sind total überfordert.

Einen solchen Zustrom von Migranten kann das Italienische Rote Kreuz nur schwer bewältigen. Die Auffangslager sind für weniger als 400 Personen ausgelegt. Derzeit müssen sie mehr als 6.000 Menschen ein Dach über dem Kopf bieten. Das Italienische Rote Kreuz warnt davor, dass seine Kapazität „eine kritische Schwelle“ erreichen könnte. Die Sprecherin Francesca Basile erklärte, dass man „weiterhin, wenn auch nur unter großen Anstrengungen, die Grundversorgung der Menschen gewährleiste“.

Der Bürgermeister von Lampedusa bittet Italien und Europa um Hilfe. Filippo Mannino erklärt der Tageszeitung Corriere della Sera: „Es besteht ein dringender Bedarf für Hilfe von der Regierung, an der Entsendung von Schiffen und Flugzeugen, um uns in einer Situation, die explosiv zu werden droht, Hilfe zu leisten. Wir haben darum gebeten, zwei Schiffe ständig im Hafen zu haben, damit wir täglich die Migranten auf das Festland transportieren können“.

Der Pfarrer von Lampedusa geht noch weiter. „Wir befinden uns in einer tragischen, dramatischen, apokalyptischen Situation. Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Hier gibt es kein Wasser, es fehlt an allem. Wir haben jetzt auch die Pfarrsäle geöffnet, um die Migranten aufzunehmen, aber es werden immer mehr“, sagt Don Carmelo Rizzo.

Angesichts des enormen Zustroms von Migranten räumt das Italienische Rote Kreuz Familien und Kindern Vorrang ein.

Der Bürgermeister von Lampedusa setzt noch eins drauf: „Europa kann uns nicht unserem Schicksal überlassen“. Er äußert sich kritisch über die Haltung Frankreichs und Deutschlands, die seiner Meinung nach ihre Migrantenquoten nicht akzeptieren. Bei einem Besuch in Menton im Département Alpes-Maritimes kündigte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin Verstärkungen durch zwei neue mobile Polizeieinheiten mit insgesamt 200 Polizisten und Gendarmen, die Entsendung von 120 Soldaten für nächtliche Aufklärungsmissionen in den Bergen und die Verdoppelung der Zahl der Zollbeamten an der französisch-italienischen Grenze an.

Nach Angaben des italienischen Innenministeriums sind seit Jahresbeginn mehr als 120.000 Migranten auf dem Seeweg nach Italien gekommen. Im April erklärte die italienische Regierung unter Giorgia Meloni für sechs Monate den Ausnahmezustand, um diesen Zustrom zu bewältigen. Die EU-Innen- und Justizminister werden sich zu diesem Thema in einigen Tagen in Sizilien treffen.


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