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Am Mittwoch, dem 20. September, ist der Staatsbesuch des englischen Königs Charles III. in Frankreich überall in den Schlagzeilen. Es handelt sich um seinen ersten Besuch in Frankreich seit seiner Krönung.

Der Staatsbesuch des englischen Königs Charles III. in Frankreich ist überall in den Schlagzeilen. Es ist sein erster Besuch in Frankreich seit seiner Krönung. Taschenkrebs und blauer Hummer, in Champagner mariniertes Bresse-Geflügel und Rosenmakronen stehen am Mittwochabend in Versailles auf der Speisekarte: Für den Besuch des britischen Herrschers hat die französische Republik alle Register gezogen, in einem Dekor wie aus der amerikanischen Serie „Emily in Paris“ – daher titelt die französische Zeitung Libération, „Charly in Paris“, mit König Charles und Emmanuel Macron in einem bonbonrosa Montmartre. Der britische Herrscher wird von der Zeitung  Le Figaro geehrt, die erklärt, dass es bei dem Staatsbesuch nicht um Prunk geht, sondern vor allem darum, „die Post-Brexit-Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vereinigten Königreich wieder zu festigen, die durch die Verrücktheiten eines Boris Johnson, die Streitigkeiten über die Fischerei und die Kontrolle illegaler Einwanderer im Ärmelkanal auf die Probe gestellt wurden“. Le Figaro scheint aber ganz im Bann des neuen britischen Königs zu stehen und lobt dessen Anfänge „ohne Fehl und Tadel“. Eine Einschätzung, die laut einer Umfrage von 60% der britischen Untertanen geteilt wird, die der Meinung sind, dass ihr Monarch seit einem Jahr „gute Arbeit“ leistet. Le Figaro schwelgt in Nostalgie und spricht von der „sehr herzlichen Verständigung“ zwischen der britischen Krone und Frankreich, das Elizabeth II. 1972 unter der Präsidentschaft von Georges Pompidou ebenfalls mit großem Pomp in Versailles empfangen hatte.


Emmanuel Macron hingegen findet sich auf der anderen Seite des Ärmelkanals auf den Titelseiten der Presse wieder, zusammen mit dem Chef der britischen Labour-Partei. Keir Starmer traf den französischen Präsidenten am Dienstag, was eher selten vorkommt, da die Vorsitzenden der Oppositionsparteien normalerweise nicht von Regierungschefs empfangen werden. Laut der Zeitung The Independent waren auch Mitglieder von Keir Starmers „Schattenkabinett“ angereist, um, wie es hieß, „das Eis zu brechen“. Es wurden sogar Geschenke ausgetauscht – ein Arsenal-T-Shirt von Keir Starmer für Emmanuel Macron, Manschettenknöpfe von Macron für Starmer. Das Treffen fand laut The Independent zu einem Zeitpunkt statt, an dem Frankreich und Deutschland eine neue Beziehung zu Großbritannien nach dem Brexit aufbauen und es zu einem „assoziierten Mitglied“ der Europäischen Union machen wollen. Starmer kündigte allerdings an, dass er „ein viel besseres Abkommen“ anstreben werde, sollte er im nächsten Jahr gewählt werden. In der Zwischenzeit wird der Brexit die Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich noch einige Zeit lang belasten…


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