Tag & Nacht

Die französischen TV- und Radiosender stehen still. Ein massiver Streik erschüttert die öffentlich-rechtlichen Medien, da die Regierung plant, mehrere öffentlich finanzierte Medienorganisationen zu fusionieren. Was steckt hinter diesen Plänen und warum sorgt das für so viel Aufruhr?

Die geplante Fusion

Die französische Regierung unter Kulturministerin Rachida Dati möchte die öffentlich-rechtlichen Medien in eine große Organisation namens „France Médias“ zusammenführen. Dies würde die bestehenden öffentlichen Einrichtungen France Télévisions, Radio France, das Institut National de l’Audiovisuel (INA) und möglicherweise auch France Médias Monde (RFI und France 24) zusammenführen – und das ab 2025-2026. Ziel ist es, den öffentlichen Rundfunk gegen die Konkurrenz der privaten Medienunternehmen zu schützen.

Die Reaktion der Gewerkschaften

Die Gewerkschaften sehen die Fusion jedoch kritisch. Sie befürchten eine langwierige, komplexe und für die Mitarbeiter*innen problematische Umstrukturierung ohne klare redaktionelle Ziele. In einem gemeinsamen Beitrag in der Zeitung „Le Monde“ bezeichneten sie den Plan als „ineffektiv, demagogisch und gefährlich“. Ihrer Meinung nach würde die Fusion den unabhängigen Journalismus gefährden und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Medien untergraben.

Auswirkungen des Streiks

Am Streik beteiligen sich mindestens 16.000 Beschäftigte. Laut der Gewerkschaft SNJ haben drei von vier Journalist*innen bei Radio France ihre Arbeit niedergelegt. Auch bei TV-Sendern wie France 2, France 3, France 4, France 5 und dem Nachrichtensender Franceinfo kommt es zu erheblichen Programmänderungen und Ausfällen. Auf der Website von Franceinfo wird ein Banner angezeigt, das die Störungen durch den Streik erklärt und um Verständnis bittet.

Öffentliche und politische Reaktionen

Der Streik hat zu einer breiten öffentlichen Debatte geführt. Während einige den Schutz und die Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks unterstützen, kritisieren andere die geplante Zentralisierung und die damit verbundenen Risiken. Der politische Diskurs bleibt hitzig – so konnte die Debatte zwischen Premierminister Gabriel Attal und dem Vorsitzenden der rechtsextremen RN-Partei Jordan Bardella trotz des Streiks wie geplant ausgestrahlt werden.

Vorherige Änderungen im öffentlichen Rundfunk

Bereits in den letzten Jahren gab es signifikante Veränderungen im französischen Mediensektor. 2022 schaffte die französische Regierung die jährliche TV-Lizenzgebühr ab, was den Haushalten zwar rund 138 Euro jährlich ersparte, jedoch auch die Finanzierung der öffentlichen Sender einschränkte. Diese Maßnahme führte zu einem Einnahmeverlust von etwa 3,7 Milliarden Euro jährlich, wovon ein Großteil an France Télévisions und Radio France ging.

Blick in die Zukunft

Die Zukunft des französischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks steht auf dem Spiel. Die Mitarbeiterinnen und Gewerkschaften planen bereits weitere Mobilisierungen, darunter eine große Kundgebung vor dem Kulturministerium in Paris und eine erneute Protestaktion am 28. Mai, dem ersten Tag der Abstimmung über das Fusionsgesetz. Werden ihre Stimmen gehört? Kann ein Kompromiss gefunden werden, der sowohl die Bedenken der Mitarbeiterinnen als auch die Ziele der Regierung berücksichtigt?

Die Antwort bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Der Kampf um die Zukunft des französischen Journalismus hat gerade erst begonnen.


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