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In Frankreich steht eine bedeutende Gesetzesänderung bevor, die von Justizminister Éric Dupond-Moretti vorangetrieben wird. Der Entwurf zielt darauf ab, die Strafen für Eltern zu verschärfen, deren minderjährige Kinder straffällig geworden sind. Doch was beinhaltet dieser Gesetzentwurf genau, und warum hält es der Justizminister für notwendig, solche Maßnahmen zu ergreifen?

Was beinhaltet der Gesetzentwurf?

Der Entwurf sieht vor, die bereits bestehenden Sanktionen zu verschärfen. Derzeit können Eltern, deren Kinder mehrere Verbrechen oder Vergehen begangen haben, zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilt werden. Sollte der Gesetzentwurf wie nun geplant verabschiedet werden, könnte sich die mögliche Gefängnisstrafe auf drei Jahre erhöhen, und die Geldstrafe könnte auf 45.000 Euro steigen. Zudem ist eine zusätzliche Strafe in Form von gemeinnütziger Arbeit für die betreffenden Eltern vorgesehen.



Für Eltern, die nicht an den Erziehungshilfesitzungen für ihre Kinder teilnehmen, plant der Gesetzentwurf neue Strafen, wie etwa einen Kurs zur elterlichen Verantwortung oder Geldbußen. Darüber hinaus ist die Einführung einer „erzieherischen Bürgerbeitragsstrafe“, die an Organisationen für Kinderhilfe gezahlt wird, Teil des neuen Gesetzentwurfs.

Ein weiterer Teil des Gesetzes richtet sich direkt an minderjährige Straftäter selbst. Vorgesehen ist unter anderem eine obligatorische Übernachtung in speziellen Einrichtungen für jugendliche Straftäter. Bei Nichteinhaltung könnten die Jugendlichen in geschlossene Erziehungsanstalten oder sogar in Haft enden.

Warum setzt sich der Justizminister für dieses Gesetz ein?

Der Kontext für diese Gesetzesinitiative ist eine besonders angespannte Lage bezüglich steigender Jugendkriminalität in Frankreich. Nach den Unruhen im letzten Sommer, die nach dem Tod des 17-jährigen Nahel ausgelöst wurden, der von einem Polizisten erschossen wurde, nachdem er sich einer Anweisung widersetzt hatte, und weiteren Gewalttaten von Minderjährigen in den letzten Wochen, sieht sich Dupond-Moretti in der Verantwortung, wirksame Maßnahmen zu ergreifen.

Wann wird der Gesetzentwurf ins Parlament kommen?

Laut ‚L’Opinion‘ könnten die parlamentarischen Debatten zu diesem Gesetz ab Juni beginnen, unmittelbar vor der Sommerpause. Zunächst muss der Entwurf im Ministerrat vorgestellt werden. Die dringende Behandlung des Themas spiegelt die zunehmende Besorgnis über die wachsende Jugendkriminalität in Frankreich wider und markiert einen kritischen Punkt in der laufenden Debatte über die Verantwortung der Eltern.

Ist es wirklich fair, Eltern für die Taten ihrer Kinder zu bestrafen? Welche Auswirkungen könnte dies auf die familiären Strukturen haben? Diese Fragen bilden den Kern der Diskussion um den Gesetzentwurf und zeigen die Komplexität und die Tragweite der vorgeschlagenen Maßnahmen. Man darf gespannt sein, wie der französische Gesetzgeber entscheiden wird.


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