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Ein herber Schlag für die französische Wirtschaft: Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat am Freitag, dem 31. Mai, erstmals seit 2013 das Kreditrating von Frankreich von AA auf AA- herabgestuft. Diese Entscheidung erfolgte aufgrund der „Verschlechterung der Haushaltslage“ des Landes.

Gründe für die Herabstufung

Die Herabstufung spiegelt laut S&P die Prognose wider, dass die öffentliche Verschuldung Frankreichs im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) entgegen den früheren Erwartungen zunehmen wird. „Der Haushaltssaldo für 2023 war deutlich höher als erwartet“, so die amerikanische Gesellschaft in einer Analyse zur Herabstufung. Ursprünglich hatte die Regierung einen Defizitabbau vorgesehen, doch S&P glaubt nicht daran, dass das Defizit bis 2027 auf 3 % des BIP reduziert werden kann – vielmehr wird ein Wert von 3,5 % prognostiziert.



Ohne zusätzliche Maßnahmen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits hält S&P die aktuellen Reformen für unzureichend, um die angestrebten fiskalischen Ziele zu erreichen. Ein herber Rückschlag, wenn man bedenkt, dass die Agentur ihre Einschätzung für Frankreich bisher nur zweimal, im Januar 2012 und im November 2013, nach unten korrigierte.

Auswirkungen und Reaktionen

Mit dem neuen Rating von AA- fällt Frankreich aus der Gruppe von Ländern wie Belgien und Großbritannien heraus, bleibt jedoch besser bewertet als Spanien oder Italien. Die Herabstufung könnte das Vertrauen der Investoren erschüttern und die Schuldenlast des Landes erhöhen.

Wirtschaftsminister Bruno Le Maire betonte am Freitag erneut das Ziel, das öffentliche Defizit bis 2027 unter die Marke von 3 % zu senken. „Unsere Strategie bleibt dieselbe: Reindustrialisierung, Vollbeschäftigung und die Einhaltung unseres Kurses, um bis 2027 ein Defizit von unter 3 % zu erreichen“, sagte er gegenüber Le Parisien. Die Hauptursache für die Herabstufung sieht er in den Maßnahmen zur Rettung der französischen Wirtschaft.

Unvermeidliche Herabstufung?

Trotz des AA- bleibt die Fähigkeit Frankreichs, seine Schulden zu bedienen, nach den Kriterien der Ratingagentur weiterhin „sehr stark“. Bereits seit mehreren Quartalen schwebte die Gefahr einer Herabstufung über Frankreich, da das vorherige AA seit Dezember 2022 mit einem „negativen Ausblick“ versehen war.

Im Dezember hatte S&P Frankreich gewarnt, dass eine Herabstufung drohen könnte, falls die Defizite nicht schnell genug reduziert würden, um die Schulden zu verringern, oder wenn die Zinsen über 5 % der Staatseinnahmen steigen würden. Der überraschende Anstieg des Haushaltsdefizits für 2023 auf 5,5 % des BIP, statt der erwarteten 4,9 %, spielte ebenfalls eine Rolle.

Historischer Kontext und Zukunftsaussichten

S&P bewertet Frankreich seit 1975 und war die erste Agentur, die dem Land 2012 das begehrte AAA-Rating entzog – ein Symbol für exzellentes Management, das nur wenige Länder wie Deutschland und Australien genießen. Im April haben die beiden anderen großen internationalen Agenturen, Moody’s und Fitch, das französische Rating nicht herabgestuft. Moody’s bewertet Frankreich mit Aa2, was einem AA von S&P entspricht, während Fitch seit April 2023 ein AA- vergibt.

Wird Frankreich es schaffen, die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen? Mit dem festen Ziel, das Defizit bis 2027 zu senken, und dem Bekenntnis zur Reindustrialisierung bleibt die Herausforderung groß, aber nicht unüberwindbar. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die französische Wirtschaft in den kommenden Jahren entwickeln wird – schließlich stehen wichtige Entscheidungen und Reformen an, die den weiteren Weg maßgeblich beeinflussen könnten.


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