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Das Verbot des sozialen Netzwerks TikTok in Neukaledonien wurde am Mittwoch, dem 29. Mai, offiziell aufgehoben. Diese Entscheidung fiel zwei Wochen nach der Sperre, die am 15. Mai verhängt wurde. Das Hochkommissariat der Republik kündigte die Aufhebung an und begründete dies mit dem Ende der Notstandsmaßnahmen in dem französischen Territorium.

Warum wurde TikTok überhaupt verboten? Die lokale Regierung von Neukaledonien sah in TikTok ein Kommunikationsmittel, das die Koordination bei nächtlichen Gewaltakten zwischen verschiedenen Gruppen förderte. Zudem wurden Ängste vor ausländischer Einflussnahme und Desinformation geäußert – insbesondere durch Länder wie China oder Aserbaidschan.



Doch nicht alle waren mit dieser Entscheidung einverstanden. Die Assoziationen Ligue des droits de l’Homme und Quadrature du Net sowie drei Einwohner Neukaledoniens reichten am 17. Mai einen Eilantrag beim obersten französischen Verwaltungsgericht ein. Sie argumentierten, dass das Verbot die Kommunikations- und Informationsfreiheit erheblich einschränke.

Gerichtliche Auseinandersetzung

Der Conseil d’Etat, das oberste französische Verwaltungsgericht, wies den Antrag jedoch ab. Die Begründung: Es bestehe keine dringende Notwendigkeit für eine Aufhebung, da das Verbot zeitlich begrenzt und die öffentliche Sicherheit vorrangig sei. Andere soziale Netzwerke und Medien blieben weiterhin zugänglich, was den Zugang zu Informationen sicherstellte.

Die aktuelle Lage

Trotz der Aufhebung des TikTok-Verbots bleiben andere strenge Maßnahmen bestehen. Versammlungsverbote, Waffen- und Alkoholverkaufsverbote sowie eine Ausgangssperre von 18 Uhr bis 6 Uhr sind weiterhin in Kraft. Seit Beginn der Unruhen sind sieben Menschen gestorben, darunter zwei Polizisten. Insgesamt wurden 136 Polizisten und Gendarmen verletzt und etwa 535 Personen festgenommen.

Die Sicherheitskräfte konzentrieren sich weiterhin auf die Städte Païta, Dumbéa und Mont-Dore. Täglich sind 80 schwere Fahrzeuge im Einsatz, um Straßen zu räumen, allein in den letzten 24 Stunden wurden 141 Fahrzeugwracks im Bereich des Pont des Erudits entfernt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Hauptstraße, die zum internationalen Flughafen Nouméa-La Tontouta führt.

Ein fragiles Gleichgewicht

Die jüngsten Ereignisse in Neukaledonien verdeutlichen die Fragilität des sozialen Gefüges in der Region. Das TikTok-Verbot war nur eine von vielen Maßnahmen, um die öffentliche Ordnung wiederherzustellen. Allerdings bleiben Fragen: Wie effektiv sind solche temporären Maßnahmen wirklich? Und wie kann eine dauerhafte Lösung für die tiefer liegenden sozialen Spannungen gefunden werden?

Es bleibt abzuwarten, ob die Aufhebung des TikTok-Verbots und die fortgesetzten Sicherheitsmaßnahmen ausreichen, um langfristig Frieden und Stabilität zu gewährleisten. Klar ist jedoch, dass die Kommunikation und der Zugang zu Informationen in der heutigen Zeit entscheidend für die soziale Kohärenz sind. Mit Sicherheit war das Verbot von TikTok nur ein Tropfen auf den heißen Stein – ein kurzfristiger Versuch, ein viel größeres Problem zu lösen.


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