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In der Region Paris werden immer mehr Parzellen mit Kastanienbäumen gerodet. Grund dafür ist die unheilbare Tintenkrankheit, die aufgrund des Klimawandels immer mehr Bäume angreift.

Im Herzen des Waldes von Fausses-Reposes, zwischen den Gemeinden Ville-d’Avray (Departement Hauts-de-Seine-) und Versailles ( DepartementYvelines), fällen Forstarbeiter am Dienstag, dem 20. Februar, Kastanienbäume mit der Kettensäge. Es kommt nicht aus heiterem Himmel, dass das Office National des Forêts diese Bäume fällen lässt. Sondern weil sie sterben – wegen der Tintenkrankheit.


„Der Krankheitserreger, Phytophthora cinnamomi, den man Tintenkrankheit nennt, ist seit mehr als zwei Jahrhunderten im Boden vorhanden“, erklärt Pierre-Emmanuel Savatte, Gebietsleiter der ONF Île-de-France West, vor einer Parzelle mit kranken Kastanienbäumen, gegenüber dem Sender France Info. „Dieser Krankheitserreger ist ein Oomycet, ein Organismus, der zwischen einem Pilz und einer Alge angesiedelt wird. Die strengen Winter früherer Jahre schränkten seine Ausbreitung ein. Der Klimawandel führt dazu, dass der Erreger in seiner Entwicklung nicht mehr eingeschränkt ist. Und dann kommt es im Frühjahr zu zu geringen Niederschlagsmengen, die dazu führen, dass die Kastanie nicht genügend Wasser hat, um zu wachsen. Auf lange Sicht ist der Kastanienbaum in der Île-de-France also praktisch dem Untergang geweiht„.

Bisher gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten für kranke Kastanienbäume. Wenn die Wurzeln betroffen sind, verliert die Baumkrone zuerst ihre Blätter. Die Kastanien werden kleiner, wenn der Baum Früchte trägt. Nach und nach stirbt dann der ganze Baum ab.

Im Wald von Malmaison, nur einige Kilometer vom Wald von Fausses Reposes entfernt, ebenfalls im Departement Hauts-de Seine, soll Anfang März 2024 eine Parzelle mit kranken Kastanienbäumen gerodet werden. „Wenn wir sie nicht fällen, bevor sie trocken werden, werden diese Kastanienbäume am Rande eines Weges in einem von der Öffentlichkeit stark frequentierten Wald abgestorben herumstehen“, befürchtet Pierre-Emmanuel Savatte. Ein solcher Zustand könnte zu schweren Unfällen durch umstürzende Bäume oder herabstürzende Äste führen. „Also entnehmen wir sie, bevor sie endgültig tot und trocken sind. Sie werden zu Nutzholz. Damit lässt sich auch ein kleines Einkommen erzielen“.

Denn einmal tot und vertrocknet würden diese Kastanienbäume nur noch in einem Kamin enden können. Rechtzeitig entnommen, können sie vom ONF verkauft werden, um Möbel oder Parkett herzustellen. Diese Kahlschläge, die bei kranken Bäumen auch Sanitärhiebe genannt werden, dienen ebenfalls dazu, „den Wald von morgen vorzubereiten“, so Savatte.

In einer Parzelle des Bois de la Malmaison, die bereits vor drei Jahren kahlgeschlagen wurde, wurden 2022 verschiedene Baumarten gepflanzt. Sie wurden mithilfe der speziell entwickelten Software Climessences ausgewählt. Dieses vom ONF verwendete und für jedermann zugängliche Software-Tool ermöglicht die Auswahl von Baumarten, die an den jeweiligen Boden und das zukünftige Klima besonders gut angepasst sind. Bei diesen künstlichen Aufforstungen werden die Triebe in Reihen gepflanzt. Sie werden durch Zäune vor gierigen Rehen geschützt. Hinter diesen Schutzvorrichtungen wachsen Traubeneichen, Winterlinden, Mehlbeeren, Speierling und auch einige Nadelbäume.

Um zu sehen, wie der Wald von morgen aussieht, muss man sich aber in Geduld üben: in 20 Jahren werden die Bäume, die überlebt haben, etwa zehn Meter hoch sein.


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