Wie lebt Gott in Frankreich?

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Um es gleich vorweg zu sagen: Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass ein „Leben wie Gott in Frankreich“ offenbar erstrebenswert ist. Wenn man von jemandem sagt, er oder sie lebe so, drückt man damit aus, dass es sich jemand gutgehen lässt und er oder sie ein unbeschwertes Leben ohne Not führt. Oft schimmert ein bisschen Neid mit durch, weil da jemand etwas hat, was man selber auch gern hätte. Manchmal tönt sogar Missbilligung mit, weil man denkt, dass ein leichtes und lockeres Leben nicht seriös sein kann.

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Tipp der Redaktion

Zur Herkunft dieser Redewendung gibt es nur Vermutungen. Sie soll im ausgehenden 18. Jahrhundert, um die Zeit der Französischen Revolution, entstanden sein. Dazu passen die zwei Erklärungen, die ich beide plausibel gefunden habe.

1. Der erste Stand, nämlich der Klerus, hatte vor der Revolution sehr viele Privilegien. Die Kirchenleute mussten zum Beispiel keine Steuern zahlen und konnten sorglos und in Wohlstand leben. Sie waren die Stellvertreter Gottes und lebten als solche „wie Gott in Frankreich“ – jedenfalls bis zur Revolution.  

2. Mit der Revolution wurde neben dem König auch die katholische Kirche ihrer Macht beraubt. Somit hatte Gott in Frankreich keine Aufgabe mehr und konnte sich dem süßen Nichtstun hingeben. Man stellte sich Gottes Leben in Frankreich als ein ausgesprochen angenehmes vor.

Gott in Frankreich ohne Aufgabe? Oder betrifft das eher die Kirche?

Seit der Französischen Revolution waren die Politik und ihre Vertreter in Frankreich antiklerikal eingestellt. Unter dem damaligen Premierminister Emile Combes wurde am 9. Dezember 1905, also heute vor 115 Jahren, das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat erlassen und damit der Laizismus in Frankreich eingeführt.

Diese strikte Trennung hat zur Folge, dass der Staat zwar die freie Ausübung der Religion (jeder, nicht nur der katholischen bzw. christlichen) garantiert, aber keine finanzielle Unterstützung gibt. Und im Alltag sind die Auswirkungen besonders für Eltern mit Schulkindern spürbar. Religiöse Symbole sind in staatlichen Schulen untersagt; wer Kreuz, Kippa, Kopftuch oder andere religiöse Zeichen tragen möchte, muss eine entsprechende private Schule besuchen.

Diskussionen und manchen Streit darüber gibt es nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland, wo Verträge das Verhältnis zwischen Staat und Kirche regeln und die Macht der Kirche(n) dadurch zwar eingegrenzt ist, aber längst nicht so konsequent wie in Frankreich.

Wo immer die Redewendung auch herkommt, der Wunsch nach einem sorgenfreien, bequemen Leben ist zeitlos und universell. Manchmal haben wir Phasen, wo er erfüllt scheint, dann wieder andere, weniger gute. Ich wünsche dir mehr von der ersten Phase!

Deine Elisa


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