Tag & Nacht

Nach dem Glanz des Elysée-Palastes folgt nun die Stille der Berggipfel: Am zweiten Tag seines Staatsbesuchs führt Emmanuel Macron Xi Jinping auf eine „persönliche“ Exkursion in die Pyrenäen. „Unsere französischen Berge“, so Macron in poetischen Worten, „sollen weiterhin Inspiration sein“, erklärte er, als er am Montag seinen chinesischen Amtskollegen in Paris begrüßte. Es ist das erste Treffen der beiden Staatsführer seit 2019.

Die Reise führt zum Col du Tourmalet, einer legendären Etappe der Tour de France. Dieser Ort ist stark mit Macrons persönlicher Geschichte verbunden; er verbrachte dort viele Urlaube mit seinen Großeltern zwischen Bagnères-de-Bigorre und La Mongie.



Eine besondere Mittagspause ist geplant: Gemeinsam mit ihren Ehefrauen werden Macron und Xi in einem Höhenrestaurant speisen, das Eric Abadie, ein Freund des Präsidenten und lokaler Viehzüchter, führt. Dies scheint eine Antwort auf die Teezeremonie zu sein, die sie letztes Jahr in Xis ehemaliger Residenz in Kanton abhielten.

Bertrand Badie, ein Experte für internationale Beziehungen, merkt kritisch an, dass Macrons Diplomatie oft „vielleicht übermäßig auf die Kraft der Verführung“ setzt. „Er scheint zu glauben, dass persönliche Beziehungen die großen Strukturen umwerfen können“, fügt er hinzu. Doch sei dies ein Trugschluss, besonders im Umgang mit Xi Jinping, „der bekanntermaßen nicht gerade sentimental ist“.

Die „freundschaftliche Atmosphäre“ dieses offiziellen Besuchs wurde von Raphaël Glucksmann, dem Spitzenkandidaten der Sozialisten für die kommenden Europawahlen, scharf kritisiert. „Der Mann, der Uiguren deportiert, Hongkonger und Tibeter unterdrückt, ist nicht unser Freund“, sagte er.

Am Vortag forderte Macron einen „Rahmen für fairen Wettbewerb“ im Handel zwischen Europa und China, während Brüssel sich Sorgen über den Zustrom chinesischer Elektrofahrzeuge macht. Xi antwortete kühl: „Das so genannte ‚Überkapazitätsproblem Chinas‘ existiert nicht“. In Bezug auf die Ukraine zeigte sich der chinesische Führer versöhnlicher und bekräftigte seinen Wunsch nach einer politischen Lösung.

Aber mal ehrlich, kann eine Fahrt durch die Pyrenäen wirklich die politischen Risse zwischen Europa und China kitten? Oder ist es einfach eine schöne Ausrede, um aus dem politischen Alltag zu fliehen und durch atemberaubende Landschaften zu wandern?


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