À la une · 30.06.2023 06:32
đź”´ 40.000 Polizisten: Dritte Nacht der Gewalt in ganz Frankreich
Nach dem Tod des 17-jährigen Nahel, der am Dienstag in Nanterre von einem Polizisten erschossen worden war, kam es in der Nacht zu Freitag in zahlreichen Städten im Großraum Paris und in der Provinz...
Nach dem Tod des 17-jährigen Nahel, der am Dienstag in Nanterre von einem Polizisten erschossen worden war, kam es in der Nacht zu Freitag in zahlreichen Städten im Großraum Paris und in der Provinz erneut zu Plünderungen, Ausschreitungen und Beschädigungen von öffentlichen Gebäuden. Mehr als 660 Personen wurden festgenommen. Emmanuel Macron wird am Freitagmittag einen weiteren Krisenstab einberufen.
667 Festnahmen in ganz Frankreich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag.
Innenminister Gérald Darmanin gab bekannt, dass in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in Frankreich 667 Personen festgenommen wurden, nachdem es erneut zu Plünderungen, Verwüstungen und Beschädigungen von öffentlichem Eigentum gekommen war. Eine Reaktion auf den Tod des 17-jährigen Nahel am Dienstag in Nanterre, der von einem Polizisten erschossen worden war.
"Diese Nacht haben sich unsere Polizisten, Gendarmen und Feuerwehrleute erneut mit Mut einer unglaublichen Gewalt entgegengestellt. Gemäß meinen Anweisungen, hart durchzugreifen, haben sie 667 Festnahmen vorgenommen", twitterte der Innenminister.
https://twitter.com/GDarmanin/status/1674654855493763072
Emmanuel Macron wird um 13 Uhr erneut einen Krisenstab leiten
Emmanuel Macron wird am Freitag um 13 Uhr in Paris zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen einen interministeriellen Krisenstab leiten, nachdem es in der dritten Nacht in Folge in Frankreich zu Gewalttätigkeiten gekommen ist, wie der Élysée-Palast bekannt gab.
Der Staatschef, der sich seit Donnerstag wegen eines EU-Gipfels in Brüssel aufhält, könnte aus diesem Grund seine Anwesenheit dort verkürzen und vorzeitig zurückkehren, auch wenn die Gespräche mit seinen europäischen Amtskollegen noch nicht abgeschlossen sind. Er wird eine Pressekonferenz abhalten, bevor er den Rat der Europäischen Union verlässt.
Am Donnerstagmorgen hatte der Präsident bereits ein erstes Krisentreffen mit den betroffenen Ministern und Behördenleitern im Innenministerium einberufen, bevor er nach Brüssel aufbrach. Er hatte "nicht zu rechtfertigende" Gewalttätigkeiten bei den Protesten kritisiert.
Bilanz der dritten Nacht der Gewalt
Paris und seine Vororte wurden in der vergangenen Nacht von neuen gewalttätigen Auseinandersetzungen heimgesucht, nachdem der junge Nahel am Dienstag in Nanterre von einem Polizisten erschossen worden war. Der auf einem Amateurvideo festgehaltene Schuss, den der Beamte bei einer Verkehrskontrolle aus nächster Nähe auf den Teenager abfeuerte, entzündete heftige Wut in zahlreichen Arbeitervierteln Frankreichs.
Um der Gewalt bei den Protesten entgegen zu treten, mobilisierten die Behörden 40.000 Polizisten und Gendarmen sowie Elite-Einsatzkräfte der Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen sowie die Groupe d'intervention de la gendarmerie nationale (GIGN), die in mehreren Städten eingesetzt wurden.
Nächtliche Ausgangssperren wurden in Clamart und Meudon (Hauts-de-Seine), Neuilly-sur-Marne (Seine-Saint-Denis) und Compiègne (Oise) verhängt. Im Departement Nord verbot die Präfektur stellenweise jegliche Versammlung und setzte zur Überwachung einen Hubschrauber und Drohnen ein.
Trotz dieses massiven Aufgebots wurden am Donnerstagabend aus zahlreichen Städten Gewalttätigkeiten und Sachbeschädigungen gemeldet. Gegen 3 Uhr waren nach Angaben aus dem Umfeld von Gérald Darmanin landesweit bereits mindestens 421 Personen festgenommen worden, von denen wohl die meisten zwischen 14 und 18 Jahre alt waren.
"Es gibt keine gewalttätigen Zusammenstöße in direktem Kontakt mit den Ordnungskräften, aber es gibt eine Reihe von vandalisierten Geschäften, geplünderten oder sogar angezündeten Geschäften", erklärte ein hochrangiger Beamter der Nationalpolizei.
Brandstiftungen und Vandalismus geb es auch im Herzen von Paris, in Les Halles und auf der Rue de Rivoli, die zum Louvre führt, aber auch in den Pariser Vororten, im Großraum Rouen, in Nantes und in Brest, wo der Unterpräfekt Jean-Philippe Setbon gegenüber der Nachrichtenagentur AFP "viele Zusammenstöße zwischen Polizisten und kleinen, sehr mobilen Gruppen" beschrieb.
Wie am Vortag wurden auch die Ordnungskräfte ins Visier genommen und Mülltonnen, Autos und Busse angezündet, vor allem in Villeurbanne (Rhône) und in Aubervilliers (Seine-Saint-Denis).
Erneut wurden öffentliche Gebäude von Gruppen, die oft vermummt oder unter Kapuzen versteckt waren, ins Visier genommen, wie zum Beispiel das Rathaus des Stadtviertels Argon in Orléans. Das Polizeikommissariat in Pau wurde laut der Präfektur des Departements Pyrénées-Atlantiques mit einem Molotowcocktail angegriffen.
In Seine-Saint-Denis waren "fast alle Gemeinden" betroffen. Oftmals waren es Blitzaktionen, wobei zahlreiche öffentliche Gebäude wie das Rathaus von Clichy-sous-Bois ins Visier genommen und Geschäfte geplündert wurden, wie eine Polizeiquelle berichtete.
In Nanterre, der Hauptstadt des Départements Hauts-de-Seine, die zum Epizentrum der Gewalt geworden war, explodierten zahlreiche Feuerwerkskörper und Granaten in dem Viertel Pablo Picasso, in dem der getötete Jugendliche lebte.