Alle Artikel · 30.10.2023 12:20
Ein Friedhofsbesuch: Cimetière du Père-Lachaise in Paris
Der Cimetière du Père-Lachaise ist mit 44 ha der größte Friedhof in Paris. Er ist gleichzeitig auch weltweit der erste, der als Parkfriedhof angelegt wurde. Benannt ist er nach dem Jesuitenpater François d’Aix, Seigneur...
Der Cimetière du Père-Lachaise ist mit 44 ha der größte Friedhof in Paris. Er ist gleichzeitig auch weltweit der erste, der als Parkfriedhof angelegt wurde. Benannt ist er nach dem Jesuitenpater François d’Aix, Seigneur de la Chaise, kurz Père Lachaise. Dieser war Beichtvater des Sonnenkönigs, Louis XIV. Der König hatte dem Pater ein weitläufiges Grundstück in Paris für repräsentative Begegnungen und Feste überlassen. Ungefähr 100 Jahre nach dem Tod von Père Lachaise (1709) kaufte der Präfekt von Paris das Areal und ließ darauf einen Friedhof errichten. Der Name des Paters wurde zum Namen des Areals und blieb somit bis heute im Gedächtnis. 1804 fand die erste Beerdigung auf dem Friedhof Père Lachaise statt.
Heute ist dieser Friedhof eine der meistbesuchten Stätten in Paris. Nicht zuletzt trug dazu die Tatsache bei, dass Jim Morrison, Sänger der Rockband „The Doors“ und Poet, dort seine letzte Ruhestätte fand. Er starb mit 27 Jahren in Paris unter nicht ganz geklärten Umständen nach einem in jeder Hinsicht exzessiven Leben. Sein Grab wurde zu einer Pilgerstätte für Fans aus aller Welt. Es ist das am häufigsten besuchte Grab des Friedhofs.
Viele weitere berühmte Namen sind unter den Bekannten und Unbekannten zu finden, die auf dem Friedhof Père Lachaise begraben sind. Auf Wikipedia kannst du unter dem Stichwort „Père Lachaise“ eine lange Liste von Namen mit Lebensdaten, Bedeutung und Stelle des Grabs auf dem weitläufigen Friedhofsareal finden.
Ich möchte hier ein paar Menschen erwähnen, von denen du bestimmt schon gehört hast und zu deren Grabstätte auf dem Friedhof Père Lachaise es eine kleine Geschichte gibt.
Auf dem Foto oben siehst du das Grabmal von Frédéric Chopin, dem Komponisten und Pianisten, der 1810 in Polen geboren wurde. Sein Vater war Franzose, die Mutter Polin. Er galt als musikalisches Wunderkind. Ab 1830 lebte er in Frankreich. Sein Gesundheitszustand war sehr labil, er verstarb 1849 mit nur 39 Jahren. Sein Arzt entnahm bei einer Autopsie Chopins Herz, um Chopins letzten Wunsch zu erfüllen: Sein Herz sollte in die polnische Heimat zurückkehren. So wurde Frédéric Chopin auf dem Friedhof Père Lachaise ohne sein Herz begraben.
Eine weitere Persönlichkeit, die mit Musik, aber einer ganz anderen Art, zu tun hat, ist Edith Piaf (1915-1963). Die Sängerin interpretierte Chansons, die ihr Leben mit seinen vielen Tragödien widerzuspiegeln schienen. Zu ihren bekanntesten Liedern zählen „Non, je ne regrette rien“ („Nein, ich bereue nichts“), „La vie en rose“ – deutsche Version „Schau mich bitte nicht so an“, und „Mylord“. Von ihrem „Entdecker“ bekam die nur 1,47 m große Edith den Beinamen „la môme piaf“ („der kleine Spatz“), was sie zu ihrem Künstlernamen inspirierte. Nach dem Unfalltod ihres langjährigen Lebensgefährten 1949 ging sie zahlreiche Liebesverhältnisse ein, meist mit jüngeren Männern. Es ist nicht verwunderlich, dass sie auch im Tod von einigen ihrer Verehrer und Geliebten umgeben ist. Mindestens drei ihrer Liebhaber ruhen in der Nähe ihres Grabes.

Ein Grabmal von Jacob Epstein (amerikanischer Bildhauer) ziert das Grab des irischen Schriftstellers Oscar Wilde (1854-1900). Bekannt ist sein Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“, das seinerzeit als anrüchig galt. Wilde war verheiratet und hatte 2 Söhne, war aber als Dandy verschrien und kam 1895 sogar für zwei Jahre ins Zuchthaus wegen homosexueller „Unzucht“. Diese zwei Jahre ruinierten seine Gesundheit. Er lebte danach drei Jahre bis zu seinem Tod isoliert und verarmt in Paris. – Auf dem Foto ist zu erkennen, wie oft das Grabmal mit Küssen von Verehrer*innen bedeckt und mit Graffiti überzogen wurde. Aber das Kussritual – der Lippenstift? – hatte den Stein beschädigt. Zum 111. Todestag des Schriftstellers wurde das Grab im November 2011 renoviert und durch Plexiglas vor weiteren Kussattacken geschützt. Neben dem Vorwurf von Vandalismus wurden zwar auch andere Stimmen laut: „Graffiti und Küsse waren ein Ausdruck von Liebe.“ Trotzdem gilt seither ein Kussverbot an Wildes Grab ... Die „Knutschpilger*innen“ scheinen gleich ein neues Objekt gefunden zu haben: Man hat an einem nahen Baum Kussabdrücke entdeckt.
Zum Abschluss noch eine sehr alte, sehr traurige Liebesgeschichte und ein seltenes Beispiel von Treue: die Geschichte von Pierre und Héloïse Abélard, die im 12. Jahrhundert lebten. Der Gelehrte Pierre Abélard und seine Schülerin Héloïse hatten sich unsterblich ineinander verliebt und gedachten zu heiraten. Héloïses Onkel wollte diese „verbotene Liebe“ mit allen Mitteln unterbinden. Die Leidenschaft des Paares war aber so groß, dass es heimlich heiratete. Als Héloïses Onkel erfuhr, dass sie schwanger war, ließ er Abélard überfallen und bei vollem Bewusstsein entmannen. Héloïse wurde gezwungen, in ein Kloster einzutreten. – Trotz der äußeren Trennung des Paares hielten die beiden weiterhin Kontakt, ihr ganzes Leben lang tauschten sie in Briefen ihre tiefsten und intimsten Gedanken aus. Nach Abélards Tod 1142 wird sein Leichnam in Héloïses Kloster überführt und dort beigesetzt. Als sie 1164, 22 Jahre nach seinem Tod, stirbt, wird ihr Wunsch respektiert, neben ihrem Ehemann in dessen Grab beerdigt zu werden. Der Legende zufolge soll Abélard seine Arme weit geöffnet haben, um seine Héloïse zu empfangen und an sich zu ziehen, und so liegen sie seither eng umschlungen zusammen. 1917 ließ der Bürgermeister von Paris die sterblichen Überreste des tragischen Liebespaars nach Paris überführen. Seither sind sie auf dem Friedhof Père Lachaise im Tod vereint.
Ich wünsche dir mehr Glück in der Liebe, hier und jetzt, nicht erst "im Tod vereint"
Deine Elisa