Alle Artikel · 28.08.2022 12:23
Dürre: Katastrophale Honigernte - ganze Bienenkolonien verschwinden
Die Bienensaison 2022 fällt extrem schlecht aus. Die Hitzewelle im Sommer hat das Leben in den Bienenstöcken völlig durcheinander gebracht. Es gibt nicht genug Blumen, wenig Nektar und die Imker müssen bereits die Bienen...
Die Bienensaison 2022 fällt extrem schlecht aus. Die Hitzewelle im Sommer hat das Leben in den Bienenstöcken völlig durcheinander gebracht. Es gibt nicht genug Blumen, wenig Nektar und die Imker müssen bereits die Bienen füttern, weil es ihnen an ausreichender natürlicher Nahrung fehlt, um gut durch den Winter zu kommen.
"Die Bienen haben nicht viele Reserven, wir müssen sie schon jetzt füttern", sagt Michel Baguet, der Vorsitzende des Bienenzüchtervereins von Kingersheim (Haut-Rhin) gegenüber France 3, als er die zehn Bienenstöcke des Bienenzüchtervereins inspiziert.
Bienen zu dieser Jahreszeit, mitten im August, füttern zu müssen, ist ein Novum. "Normalerweise beginnen wir ab Ende September, Anfang Oktober damit, sie zu füttern, damit sie Vorräte für den Winter anlegen können. Wir geben ihnen entweder Honig vom Jahresanfang, der mit Wasser verdünnt wird, oder Sirup auf der Basis von modifiziertem Zucker", erklärt Michel Baguet.
Inzwischen gibt es seit zwei Monaten aufgrund der Trockenheit nicht mehr genügend Nektar, der den Nahrungsbedarf der Bienen decken könnte. Die Natur ist völlig ausgetrocknet. Die Kettenreaktion ist erbarmungslos: kein Nektar, keine Nahrung für die Bienen, keine Honigproduktion und vor allem der Tod der Kolonie. "Wenn wir nicht füttern, verhungern sie. Wir haben ganze Kolonien, die aus diesem Grund verschwinden".

Abgesehen von einigen feuchten Tälern, die mehr oder weniger vor der Trockenheit und den heißen Temperaturen geschützt sind, ist die Lage im gesamten Elsass die gleich schlecht. Die Honigernte für die Saison 2022 kündigt sich bereits jetzt katastrophal an. Laut dem Vorsitzenden des Regionalverbands der elsässischen Imker, Daniel Bembenek, dürfte die Menge des in diesem Jahr produzierten Honigs im Vergleich zu einem normalen Jahr um die Hälfte (!) zurückgehen, wenn man überhaupt noch von normalen Jahren sprechen kann, da inzwischen ein atypisches Jahr das andere jagt.
Dabei war der Beginn der Saison ermutigend, ja sogar vielversprechend. Dieses Jahr hat mit einem guten Frühling und günstigem Wetter sehr gut begonnen. Die elsässischen Imker konnten guten Blütenhonig in großen Mengen herstellen. Im Mai/Juni begann die Situation sich zu verschlechtern, insbesondere beim Akazienhonig. Zu diesem Zeitpunkt begannen die Bienen die Trockenheit zu spüren. Als dann ab Anfang Juli mehrere Hitzeperioden folgten, fanden die Bienen irgendwann nichts mehr zum Sammeln.
Honig, der normalerweise im Sommer produziert wird, Kastanienhonig, Wald- und Tannenhonig, ist praktisch nirgendwo zu bekommen.
Für die rund 3.000 elsässischen Imker, von denen etwa 30 hauptberuflich tätig sind, wird die Situation von Jahr zu Jahr schwieriger. Die letzte gute Saison war laut dem Präsidenten des Verbands im Jahr 2020. In Frankreich werden jährlich etwa 45.000 Tonnen Honig verbraucht, in guten Jahren werden 20.000 Tonnen von heimischen Imkern produziert. "1980 waren wir noch Selbstversorger", erinnert Daniel Bembenek.

Schlechte Zeiten für Bienen
Ein Bienenstock muss immer genügend Bienen beherbergen. Dazu muss die Königin ohne Pause Eier legen. Im Durchschnitt bis zu 2.000 Eier pro Tag. Nur so kann sich das Bienenvolk erneuern, um den Winter gut zu überstehen, müssen die Bienen jedoch auch über genügend Reserven verfügen. Die Rolle des Imkers ist hier von entscheidender Bedeutung: Er muss dafür sorgen, dass alles reibungslos verläuft, indem er vor allem die richtigen Honigplätze findet. Allerdings verschwinden solche Honigplätze immer wieder, was mit künstlicher Bodenbearbeitung und moderner Landwirtschaft zusammenhängt.
Nach zwei schwierigen Jahren sind die Imker Frankreichs nicht sehr optimistisch. Für 2023 hoffen sie auf einen ordentlichen Frühling, mit Regen, aber nicht zu viel, mit Temperaturen, die 25 Grad nicht überschreiten. Und wenn möglich einen nicht zu heißen Sommer, der unter 30 Grad bleibt, um den Bienen ausreichend Nektar zu sichern.