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À la une · 20.10.2024 07:29

„Da ist man auf sich allein gestellt“ – Erschöpfung und Bitterkeit der Bewohner von Rive-de-Gier

Am 18. Oktober 2024 trafen heftige Regenfälle weite Teile Südfrankreichs und führten zu schweren Überschwemmungen in mehreren Gemeinden des Départements Loire, darunter Rive-de-Gier, unweit von Saint-Étienne. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten. Doch die Geschichten der...

Am 18. Oktober 2024 trafen heftige Regenfälle weite Teile Südfrankreichs und führten zu schweren Überschwemmungen in mehreren Gemeinden des Départements Loire, darunter Rive-de-Gier, unweit von Saint-Étienne. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten. Doch die Geschichten der Bewohner zeichnen ein Bild von Frust und Resignation.

Dylan, ein junger Bewohner von Rive-de-Gier, steht mit einem Besen in der Hand vor seinem Haus. Seine Erdgeschoss-Garage ist überflutet. Das Wasser des Gier-Flusses stieg stellenweise bis auf fünf Meter – eine Rekordhöhe im Vergleich zur letzten großen Flut von 2008. „Überall ist nur Schlamm“, beschreibt Dylan die Szene. „Es standen etwa 1,80 Meter Wasser in meiner Garage. Wir haben es alleine geschafft, das Wasser rauszubekommen und alles zu reinigen.“ Was ihn besonders frustriert: Schon 2008 gab es massive Überschwemmungen, und es wurde versprochen, dass Maßnahmen ergriffen würden. „Aber es wurde nichts getan. Es ist immer das Gleiche – wenn es eine Flut gibt, ist man auf sich allein gestellt.“

Kein Ende in Sicht – die Auswirkungen auf den Alltag

Auch seine Nachbarn sind am Aufräumen, doch die Schäden sind immens. Vor den Häusern stapeln sich kaputte Möbel und Elektrogeräte. Eine Anwohnerin erzählt, wie ihr Gefrierschrank durch das Wasser umhergeschleudert wurde und das Geschirr am Boden lag. „Alles war umgestürzt, überall Chaos.“ Viele der betroffenen Bewohner hoffen jetzt auf Unterstützung von den Versicherungen, doch das Vertrauen ist nicht groß.

Muriel, eine andere Anwohnerin, wartet immer noch darauf, dass die Feuerwehr das Wasser aus ihrem unterirdischen Garagenbereich abpumpt. „Wir wohnen im zweiten Stock, also ist unsere Wohnung okay. Aber unser Auto – das ist futsch. Zehn Meter Wasser stehen in unserer Garage.“ Auch sie setzt nun ihre Hoffnungen auf die Versicherung und hilft währenddessen anderen Betroffenen. „Wir haben in den Wohnungen nachgesehen, ob jemand Hilfe braucht. Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit – Brot holen oder Wasser bringen.“

Wenn Solidarität zur letzten Hoffnung wird

Während die Behörden mit den Rettungsmaßnahmen beschäftigt sind, springen Freiwillige ein, um die größten Schäden zu beseitigen. Georges, ein Bürger aus einer Nachbargemeinde, kam sofort her, als er die Nachricht über die Flut erhielt. Er gehört zur örtlichen Reserve und hat sich spontan gemeldet, um zu helfen. „Wir haben ein Apartment ausgeräumt, alles, was auf dem Boden lag – Kartons, unbrauchbare Sachen – weggeräumt.“ Die Möbel wurden jedoch auf Bitten der Bewohner stehen gelassen, damit ein Gutachter den Schaden aufnehmen kann. „Das war nur der Anfang“, sagt er und macht sich mit anderen Freiwilligen auf den Weg zur örtlichen Bibliothek. Dort stapeln sich nasse Bücher, DVDs und Möbel, die im Schlamm versinken. „Es wird Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis diese Bibliothek wieder öffnet.“

Die Stadt steht vor einer Mammutaufgabe: Das Ausmaß der Schäden ist überwältigend, und es wird noch viele Tage dauern, bis alle Straßen, Häuser und öffentlichen Einrichtungen gereinigt sind. Doch der eigentliche Kampf – der gegen das Gefühl, im Stich gelassen zu werden – dürfte noch länger andauern.

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