À la une · 24.11.2024 10:29
Gérald Darmanin fordert Fortschritte bei Autonomie für Korsika
Der ehemalige französische Innenminister Gérald Darmanin drängt Premierminister Michel Barnier, das seit 2022 geplante Autonomieprojekt für Korsika im Parlament einzubringen. Dieses Vorhaben, das im Zuge der Gewalt nach dem Tod des korsischen Aktivisten Yvan...
Der ehemalige französische Innenminister Gérald Darmanin drängt Premierminister Michel Barnier, das seit 2022 geplante Autonomieprojekt für Korsika im Parlament einzubringen. Dieses Vorhaben, das im Zuge der Gewalt nach dem Tod des korsischen Aktivisten Yvan Colonna entstand, wurde durch die Auflösung der Nationalversammlung unterbrochen. Darmanin betont, dass nun die Zeit gekommen sei, den Prozess fortzusetzen.
Ein "historischer Prozess" unterbrochen
Im Jahr 2022 hatte Darmanin auf Anweisung von Präsident Emmanuel Macron Gespräche mit korsischen Vertretern aufgenommen, um die Spannungen auf der Insel zu entschärfen. Die Verhandlungen führten zu einem historischen Abkommen, das erstmals die Möglichkeit eines Autonomiestatus für Korsika innerhalb der Republik Frankreich vorsah. Doch die politische Instabilität und die anschließende Parlamentsauflösung stoppten die Initiative.
In einem Interview mit Corse Matin erklärte Darmanin: „Das Schwierigste haben wir geschafft. Wir haben die zivile Ruhe in Korsika wiederhergestellt und erstmals offiziell über Autonomie verhandelt.“
Breite parlamentarische Unterstützung
Laut Darmanin ist die politische Grundlage für den nächsten Schritt vorhanden. Er verweist auf eine breite Mehrheit im Parlament: „Die Republikaner, die Sozialisten, die Zentristen von Liot und sogar der Senat – alle signalisieren Unterstützung. Es gibt keinen Grund, diesen Text nicht vorzulegen.“
Er fordert Premierminister Barnier auf, das Thema dringend auf die Tagesordnung des Parlaments zu setzen: „Es darf keine Angst davor geben.“
Ein sensibles Thema mit historischen Wurzeln
Der sogenannte Beauvau-Prozess war eine Reaktion auf die Unruhen nach dem Tod von Yvan Colonna, der 2022 im Gefängnis von einem Mithäftling tödlich verletzt wurde. Colonna galt als Symbol der korsischen Unabhängigkeitsbewegung, und sein Tod löste gewaltsame Proteste aus. Um die Lage zu beruhigen, vereinbarte die Regierung einen Dialog, der zur Anerkennung eines Autonomiestatus führen sollte.
Korsika: Autonomie innerhalb der Republik?
Das vorgeschlagene Modell sieht vor, Korsika mehr Eigenverantwortung in Bereichen wie Bildung, Kultur und Verwaltung zu geben, ohne die Einheit der französischen Republik zu gefährden. Es handelt sich um einen sensiblen Balanceakt, da Korsikas Autonomiebestrebungen historisch tief mit Forderungen nach Unabhängigkeit verknüpft sind.
Der nächste Schritt?
Für Darmanin und die korsischen Vertreter ist klar, dass die Verzögerung des Projekts das Vertrauen in die Regierung beeinträchtigen könnte. Gilles Simeoni, Präsident des Exekutivrates von Korsika, wurde kürzlich von Präsident Macron empfangen, was die Dringlichkeit unterstreicht. Ob Premierminister Barnier den Vorschlag wie gefordert vorantreibt, wird sich zeigen.
Das Thema bleibt ein politisches Pulverfass – doch es bietet auch die Chance, eine jahrzehntelange Spannung zwischen Korsika und Paris auf friedlichem Wege zu lösen.