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Alle Artikel · 07.06.2025 09:36

Mitten in Neuilly: Brutaler Angriff auf Rabbiner schockiert Frankreich

Ein sonniger Tag in einem noblen Pariser Vorort, ein Rabbiner bei einem Kaffee – und dann ein Schlag, der wie ein Donnerschlag durch die französische Gesellschaft hallt. Am 6. Juni wurde Rabbiner Elie Lemmel...

Ein sonniger Tag in einem noblen Pariser Vorort, ein Rabbiner bei einem Kaffee – und dann ein Schlag, der wie ein Donnerschlag durch die französische Gesellschaft hallt.

Am 6. Juni wurde Rabbiner Elie Lemmel mitten in Neuilly-sur-Seine Opfer eines brutalen Angriffs. Während er friedlich auf der Terrasse eines Cafés saß, schlug ihm ein Unbekannter mit einem Stuhl ins Gesicht. Die Verletzungen am Kopf führten zu einem Krankenhausaufenthalt – doch die Wunden gehen tiefer. Nicht nur körperlich, sondern auch gesellschaftlich.

https://twitter.com/Bay_Christophe/status/1931277584521728346

Was passiert gerade in Frankreich?

Die Attacke auf den Rabbiner war nicht die erste: Nur eine Woche zuvor wurde derselbe Mann in Deauville tätlich angegangen – eine Faust in den Bauch, ohne jede Vorwarnung. Zwei Angriffe in sieben Tagen, beide scheinbar motiviert durch das sichtbar jüdische Erscheinungsbild von Elie Lemmel: Kippa und Bart. „Es ist so traurig, aber ich habe sofort geahnt, dass mein Aussehen der Grund war“, sagte er. Und wer wollte ihm da widersprechen?

Ein Täter in psychiatrischer Behandlung

Der mutmaßliche Angreifer, ein 28-jähriger Mann aus Rafah im Gazastreifen, war illegal in Frankreich. Noch am Tatort konnte die Polizei ihn stellen. Eine erste psychiatrische Untersuchung führte zu seiner Zwangseinweisung. Kein Haftbefehl, keine Untersuchungshaft – sondern Klinik. Das wirft Fragen auf, nicht nur juristische.

https://twitter.com/runews/status/1931270419283312963

Denn: Wie schützt man Menschen, wenn Täter durch ein medizinisches Gutachten aus dem klassischen Strafprozess „verschwinden“?

Ein Aufschrei der Politik – Einigkeit gegen Hass

Egal ob rechts oder links – die politische Reaktion war laut und eindeutig. Innenminister Bruno Retailleau sprach von einem antisemitischen Angriff und forderte, dass Hass niemals toleriert werden dürfe. Premierminister François Bayrou wurde sogar noch deutlicher: „Keine Schwäche gegenüber dem Hass gegen unsere Mitbürger.“

Und auch der Präsident des CRIF, Yonathan Arfi, erinnerte an eine bittere Wahrheit: Wer in Frankreich offen jüdisch lebt, riskiert zunehmend zur Zielscheibe zu werden. Eine beunruhigende Entwicklung, die sich auch in Zahlen ausdrückt.

Antisemitismus in Zahlen – und die Statistik lügt nicht

2024 zählte man in Frankreich 1.570 antisemitische Vorfälle – ein Anstieg von 11 Prozent. In der Region Île-de-France, zu der auch Neuilly gehört, betrug die Zunahme sogar schockierende 340 Prozent.

Das ist keine symbolische Zahl. Das ist Realität – für jüdische Familien, Schüler, Lehrer, Rentner. Auf dem Schulweg. Im Supermarkt. Oder eben beim Nachmittagskaffee.

Die Worte des Rabbiners – und was sie bedeuten

Elie Lemmel ist kein Mann, der laut auftritt. Und doch trafen seine Worte ins Mark: „Ich habe das Gefühl, dass man mir ins Gesicht geschrieben sieht, was ich glaube – und dass genau das genügt, um geschlagen zu werden.“ Ein Satz, der mehr über das Klima im Land verrät als jede Statistik.

Antisemitismus ist kein Randphänomen mehr. Er klopft nicht mehr leise an, er tritt Türen ein – am helllichten Tag, mitten in einer wohlhabenden Gegend.

https://twitter.com/SudRadio/status/1931240972685377851

Und jetzt? Die Frage, die niemand mehr ignorieren darf

Was braucht es noch, damit die französische Gesellschaft begreift: Das ist kein „Einzelfall“. Das ist ein Muster.

Die jüdische Gemeinschaft ruft zur Solidarität auf. Aber der Ruf geht an alle: Christen, Muslime, Atheisten – an Bürgerinnen und Bürger, an Politiker, an Medien, an Schulen. Wer jetzt nicht aufsteht, macht sich mitschuldig am Schweigen. Denn genau dieses Schweigen – das war in der Geschichte noch nie ein guter Berater.

Natürlich gibt es keine einfache Lösung. Aber es braucht klare Zeichen. Zivile Courage. Polizei, die hinschaut. Lehrer, die aufklären. Nachbarn, die Haltung zeigen.

Denn: Wer wegsieht, sieht irgendwann nicht nur weg – er verliert das, was eine Gesellschaft zusammenhält.

Von Andreas M. Brucker

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