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Alle Artikel · 30.07.2025 05:29

Diebische Krachmacher: Warum Le Touquet jetzt hart gegen Möwen durchgreift

Sie schreien, sie kreisen, sie klauen – und manchmal treffen sie zielsicher genau in dem Moment, in dem man gerade in sein Croissant beißen will. Die Rede ist von Möwen, genauer: dem goéland argenté,...

Sie schreien, sie kreisen, sie klauen – und manchmal treffen sie zielsicher genau in dem Moment, in dem man gerade in sein Croissant beißen will. Die Rede ist von Möwen, genauer: dem goéland argenté, der Silbermöwe, die sich an der französischen Kanalküste seit Jahren immer mehr zur Plage entwickelt. In dem eleganten Badeort Le Touquet-Paris-Plage ist nun Schluss mit lustig. Die Stadt hat ihre Maßnahmen gegen die gefiederten Störenfriede spürbar verschärft – und das mit gutem Grund.

450 Euro für ein Stück Baguette

Seit dem 19. Dezember 2019 gilt ein striktes Fütterungsverbot für Möwen und andere Wildtiere im gesamten Stadtgebiet. Und wer sich nicht daran hält, zahlt bis zu 450 Euro. Die Botschaft ist klar: Wer Möwen füttert, füttert ein Problem. Denn jedes Croissant, das in die Luft geworfen wird, zieht weitere Vögel an, die sich längst nicht mehr mit Fisch zufriedengeben. Stattdessen bedienen sie sich an Pommesresten, Sandwiches und Müll – direkt vor den Terrassen der Cafés.

Wenn Möwen Städte erobern

Die Silbermöwe ist in Frankreich geschützt – ein paradoxes Detail in einer Debatte, in der sie zunehmend als Störenfried wahrgenommen wird. Ursprünglich Küstenvogel, hat sie sich geschickt dem urbanen Leben angepasst. Sie nistet auf Dächern, plündert Mülleimer und zeigt dabei eine bemerkenswerte Dreistigkeit. Manche Passanten berichten sogar von Angriffen, wenn sie Essbares in der Hand halten. Der Vogel wird so zum Symbol einer Natur, die sich dem Menschen nicht unterordnet, sondern ihn herausfordert – mitten im Urlaubsort.

Die Stadt zieht alle Register

Doch Le Touquet beschränkt sich nicht auf Verbote. Die Stadt verfolgt einen umfassenden Plan zur Kontrolle der Möwenpopulation. Ein zentraler Baustein: die Stérilisation. Seit 2017 dürfen Eier unter bestimmten Auflagen unfruchtbar gemacht werden – ein Eingriff, der drastisch klingt, aber auf sanfte Regulierung setzt statt auf Radikalität. Damit das gelingt, kommen sogar Drohnen zum Einsatz. Sie helfen dabei, schwer zugängliche Nester auf Dächern aufzuspüren, ohne die Tiere direkt zu stören. Eine Hightech-Lösung im Dienst des friedlichen Miteinanders.

Keine Möwe ohne Müll

Doch die beste Maßnahme nützt wenig, wenn nicht alle mitziehen. Darum setzt die Stadt auf Aufklärung – mit Plakaten, Infoflyern und direkter Ansprache. Urlauber und Anwohner sollen verstehen: Das Problem beginnt nicht beim Vogel, sondern beim Verhalten der Menschen. Wer seinen Müll nicht ordentlich entsorgt oder Reste offen liegen lässt, rollt der nächsten Möwenplage den roten Teppich aus. Die Stadt hat deshalb spezielle Müllbehälter installiert, die sich automatisch schließen – ein intelligenter Schritt gegen die Essensreste auf dem Bordstein.

Ein gemeinsamer Kraftakt

„Die Möwenbekämpfung ist eine Aufgabe für alle“, sagt die Stadtverwaltung – und meint das ernst. Hinweise auf Nester werden dankbar entgegengenommen, Kontrollgänge intensiviert, und wer sich nicht an die Spielregeln hält, riskiert hohe Bußgelder. Der Ton ist bestimmt, aber nicht feindselig. Denn trotz allem bleibt der Respekt vor der Natur ein Leitmotiv. Die Möwen sollen nicht vertrieben, sondern integriert werden – allerdings zu Bedingungen, die auch dem Menschen Raum lassen.

Zwischen Wildtier und Wegelagerer

Was also tun, wenn der Möwenblick wieder auf das Picknick zielt? Weglaufen? Sich behaupten? Oder schlicht nichts Essbares offen zeigen? Die Antwort ist: ein bisschen von allem. Möwen sind klug, anpassungsfähig und opportunistisch – Eigenschaften, die sie für den städtischen Raum prädestinieren. Doch genau darin liegt das Dilemma: Die Nähe, die fasziniert, wird zur Belastung, wenn sie zur Regel wird.

Und jetzt mal ehrlich: Wer hat sich nicht schon dabei ertappt, wie er einer Möwe verstohlen ein Stück vom Croissant hingeworfen hat – nur dieses eine Mal?

Im Le Touquet ist dafür künftig kein Platz mehr.

Autor: Andreas M. Brucker

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