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À la une · 18.09.2025 10:02

Frankreich im Protestmodus: Tausende auf der Straße, Polizei im Großeinsatz

Am Donnerstagmorgen erwachte Frankreich zu einem ganz besonders aufgeladenen Klang: Trillerpfeifen, Megafone, marschierende Menschen. Wieder einmal ist Streiktag – und diesmal hat er es in sich. Schon früh zeichnete sich ab: Das Land wird...

Am Donnerstagmorgen erwachte Frankreich zu einem ganz besonders aufgeladenen Klang: Trillerpfeifen, Megafone, marschierende Menschen. Wieder einmal ist Streiktag – und diesmal hat er es in sich.

Schon früh zeichnete sich ab: Das Land wird an diesem 18. September nicht zur Ruhe kommen.

Denn es geht nicht nur um ein paar Lohnerhöhungen oder Arbeitsbedingungen – sondern um ein kollektives Aufbegehren gegen das, was viele als Sparpolitik auf dem Rücken der öffentlichen Dienste empfinden.

230 Aktionen – aber weniger Chaos als befürchtet

„Moins intense que prévu“, heißt es aus dem Innenministerium – weniger intensiv als erwartet. Und doch liest sich die Bilanz alles andere als harmlos.

230 sogenannte „actions sur la voie publique“, also Blockaden, Besetzungen und Protestmärsche, wurden bis zum Mittag registriert. Über das ganze Land verteilt – von Marseille bis Lille, von Brest bis Straßburg – machten am Vormittag mindestens 10.000 Menschen ihrem Ärger Luft.

Die Polizei verzeichnete 95 gezielte Blockadeversuche – etwa an Autobahnausfahrten, Busdepots oder Schulhöfen.

Doch anders als beim vorherigen Aktionstag am 10. September blieb der große Knall aus. Keine flächendeckenden Ausschreitungen, kein Verkehrschaos apokalyptischen Ausmaßes.

Ein Teilerfolg der Sicherheitskräfte? Oder ein Zeichen nachlassender Protestkraft? Beides wird diskutiert.

79 Festnahmen – mit Ansage

Der Ton der Behörden war von Anfang an klar: Null Toleranz bei Gewalt oder Zerstörung.

Innenminister Bruno Retailleau machte schon im Vorfeld klar: Wer randaliert, wird nicht mit Samthandschuhen angefasst.

Und tatsächlich: Bis 11 Uhr zählte die Polizei 79 Festnahmen – darunter 22 in Marseille und 7 in Paris.

26 Personen wurden in Gewahrsam genommen. Die Botschaft ist eindeutig: Demonstrieren ja, aber ohne Randale.

Schulen im Streik – Apotheken auch

Besonders stark traf der Protest das Bildungswesen. Laut dem größten Lehrerverband Snes-FSU beteiligten sich 45 % der Lehrkräfte an Gymnasien und Collèges am Streik.

Ein deutliches Zeichen, wie tief der Unmut über überfüllte Klassen, Lehrkräftemangel und stagnierende Gehälter sitzt.

„Die Schule blutet aus“ – so oder ähnlich stand es auf vielen Transparenten.

Auch in Apotheken blieben vielerorts die Rollläden unten. Hintergrund: Die geplante Neuordnung der Medikamentenversorgung, die viele Apotheker:innen als Angriff auf ihre Existenz werten.

Pariser Sicherheitsapparat unter Hochspannung

Nirgendwo ist die Nervosität so spürbar wie in der Hauptstadt.

Paris bereitet sich auf den größten Protestzug des Tages vor – und mit ihm auf das Risiko gewaltsamer Ausschreitungen.

Der Polizeipräfekt zeigte sich „sehr besorgt“ über mögliche infiltrierende Gruppen von Randalierern.

Entsprechend massiv ist das Sicherheitsaufgebot: Tausende Polizist:innen und Gendarmen im Einsatz – dazu gepanzerte Fahrzeuge vom Typ „Centaure“ und zehn Wasserwerfer.

Ein Aufwand, wie man ihn zuletzt bei den „Gelbwesten“-Protesten 2019 gesehen hat.

Die Botschaft: Der Staat will die Kontrolle behalten – koste es, was es wolle.

Und die Frage bleibt: Was bringt das alles?

Die Gewerkschaften sprechen von einem Weckruf an die Regierung. Von einem Land, das nicht mehr stillhält, wenn an seinen sozialen Fundamenten gesägt wird.

Die Regierung gibt sich betont gelassen. Die Opposition wittert Morgenluft. Und das Land?

Das fragt sich einmal mehr: Wer hört hier eigentlich noch wem zu?

Autor: Andreas M. B.

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