À la une · 13.10.2025 08:09
Sommer zum Nachschlag – Die Côte d’Azur im Herbst erleben
Während der Norden Frankreichs die Heizung hochdreht und sich langsam an den Duft von Regen und Kastanien gewöhnt, lebt die Côte d’Azur in einem goldenen Zwischenzustand weiter. Der Sommer? Offiziell vorbei. Doch wer im...
Während der Norden Frankreichs die Heizung hochdreht und sich langsam an den Duft von Regen und Kastanien gewöhnt, lebt die Côte d’Azur in einem goldenen Zwischenzustand weiter. Der Sommer? Offiziell vorbei. Doch wer im Oktober die Riviera besucht, wird das kaum glauben.
Denn das Wasser schmiegt sich immer noch mit rund 20 Grad an die Küste, die Sonne lässt sich nicht vertreiben – und der Herbst? Der bleibt vorerst außen vor.
Das Mittelmeer: Noch immer einladend wie im Juli
Wer hätte gedacht, dass man mitten im Herbst noch barfuß durch den Sand laufen und ins Meer springen kann, ohne sich wie ein Eisbadender zu fühlen? Aber genau das passiert hier.
Am Massif de l’Estérel bis nach Menton ist das Mittelmeer noch erstaunlich warm. Auch in Saint-Tropez planschen einige Touristen bis Sonnenuntergang durch die Wellen, während am Ufer ein Glas Rosé und ein gutes Buch warten. Selbst Paddleboarder sind noch unterwegs, als wäre die Saison nie zu Ende gegangen.
Man fragt sich: Ist das hier wirklich schon Mitte Oktober?
Lichtspiele, sanfte Luft – und endlich Platz
Was der Sommer an Energie und Trubel bringt, verwandelt sich im Herbst in etwas ganz anderes: Stille. Entspannung. Weite.
Die Sonne steht tiefer, färbt Himmel und Wasser in Rosa und Gold. Die Hitze weicht einer angenehmen Wärme, in der man weder schwitzt noch friert. Sogar nachts bleibt es mild, und die Übergangsjacke darf meist im Koffer bleiben.
In Menton und entlang der Riviera spazieren Menschen langsam, fast bedächtig. Die Kamera in der einen Hand, ein Croissant in der anderen. Keine überfüllten Gassen, keine Warteschlangen vor Museen oder Eisdielen, kein Gedränge am Strand – einfach nur Raum zum Atmen.
Es fühlt sich an wie ein persönlicher Termin mit dem Mittelmeer – ohne Publikum.
Was tun in dieser stillen Jahreszeit?
Der Herbst an der Côte d’Azur verlangt nicht nach Hektik. Er belohnt jene, die sich treiben lassen. Und doch: Es gibt einiges zu entdecken.
Küstenwanderungen mit Wow-Effekt
Die Wege entlang der felsigen Küste – besonders bei Roquebrune oder zwischen Cap Ferrat und Villefranche-sur-Mer – wirken wie geschaffen für diese Jahreszeit. Die Sonne glitzert auf dem Wasser, eine leichte Brise weht – man bleibt immer wieder stehen, schaut, lächelt.
Herbstfarben im Hinterland
Nur wenige Kilometer landeinwärts wechselt die Riviera das Gewand. Die Hügel färben sich rot, ocker, gold. Ob in den Ausläufern des Estérel oder im hügeligen Hinterland von Grasse – Wanderschuhe an, Handy aus, Augen auf.
Kultur ganz ohne Stress
Museen, Gärten, historische Villen – jetzt endlich ohne Gedränge. In Nizza zum Beispiel lassen sich Kunstwerke von Matisse oder Chagall mit Ruhe betrachten, die in der Hochsaison schlicht nicht möglich ist.
Das Meer genießen – anders
Klar, eine Stunde durchschwimmen ist vielleicht nicht mehr drin. Aber ein Sprung ins Wasser, ein paar Züge am Morgen oder ein Sonnenbad mit den Füßen im Sand – das geht immer noch. Und wie.
Altstadtflair ohne Souvenirstress
Nice, Antibes, Menton oder Villefranche: Die Gassen gehören endlich wieder den Einheimischen. Cafés sind leerer, Gespräche echter. Hier und da ein Händler, der seine gerösteten Maronen anbietet. Zeit für einen Espresso? Immer.
Kleine Inseln, große Ruhe
Eine der schönsten Entdeckungen dieser Saison: die vorgelagerten Inseln wie Porquerolles oder Île Sainte-Marguerite. In der Hochsaison? Ein überlaufener Hotspot. Im Herbst? Fast schon meditativ.
Wanderpfade führen durch duftende Pinienwälder, das Meer schimmert türkis, und irgendwo zirpt noch eine Grille. Picknickdecke ausbreiten, ein bisschen Käse, ein Schluck Rosé – und die Zeit vergessen.
Und was ist mit dem Klima?
Tja – hier kommt der Haken. Denn dieser verlängerte Sommer hat nicht nur Vorteile.
Die Tatsache, dass das Mittelmeer noch Mitte Oktober so warm ist, ist kein Zufall. Das Mittelmeer erwärmt sich – schneller, als es vielen lieb ist. Nächte sind ungewöhnlich mild, Meereslebewesen stehen unter Stress, und extreme Wetterschwankungen nehmen zu.
Was heute wie ein Geschenk wirkt, ist möglicherweise ein Vorzeichen. Ein Hinweis darauf, dass sich etwas verschiebt – still, aber spürbar.
Muss das den Genuss trüben? Nein, aber es darf zum Nachdenken anregen.
Herbstglück zwischen Strand und Stein
Was bleibt am Ende dieses stillen Riviera-Abenteuers?
Ein Gefühl der Entschleunigung. Der Genuss von Wärme, Licht und Leichtigkeit – nur ohne Trubel. Ein bisschen wie der Sommer, aber mit mehr Raum für sich selbst.
Und wenn du einmal im warmen Meer geschwommen bist, während in München die ersten Blätter durch die Straßen wehen, wirst du wissen, was dieser „Nachschlag zum Sommer“ wirklich bedeutet.
Klingt gut? Dann nichts wie los – solange der Oktober noch golden ist.
Ein Reisebericht von V.O.Yager