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Alle Artikel · 06.11.2025 07:40

Abschied von einem Industriellen Wahrzeichen

In Villefranche‑sur‑Saône im Département Rhône geht ein Kapitel Industriegeschichte zu Ende. Der Konzern Danone plant, seinen traditionsreichen Blédina‑Standort im Juli 2027 zu schließen – ein Werk, das seit 1881 besteht und auf Cerealien für...

In Villefranche‑sur‑Saône im Département Rhône geht ein Kapitel Industriegeschichte zu Ende. Der Konzern Danone plant, seinen traditionsreichen Blédina‑Standort im Juli 2027 zu schließen – ein Werk, das seit 1881 besteht und auf Cerealien für Kleinkinder spezialisiert ist. Die Marken Blédine und Phosphatine sind in ganz Frankreich bekannt. Nun droht dem Ort der Verlust eines symbolträchtigen Arbeitgebers.

Warum jetzt?

Mehrere Gründe führen zur geplanten Stilllegung:

Die Produktionsmenge des Standorts ist seit 2007 um die Hälfte gesunken. Der Markt für Säuglings- und Kleinkindernahrung in Europa schrumpft, unter anderem wegen sinkender Geburtenraten. Danone hat in den letzten zehn Jahren rund 134 Millionen Euro investiert, doch die erwartete Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere im Exportgeschäft – blieb aus.

Das Unternehmen spricht von einem notwendigen Schritt, um sich global besser aufzustellen. Doch vor Ort klingt das wie eine Kapitulation.

Ein Werk mit Heimatgefühl

Blédina ist für viele in Villefranche-sur-Saône mehr als ein Hersteller von Babybrei – es ist Teil des kollektiven Gedächtnisses. Die dampfende Gerste, der süßliche Duft, der über die Dächer zieht, der Stolz der Belegschaft – das alles wird bald fehlen.

„Diese Blédine‑Wolken gehören zu unserer Kindheit“, sagte ein Stadtrat, der selbst als Schüler am Werkstor vorbeiradelte. Nun spricht der Bürgermeister von einer tiefen Zäsur, die das wirtschaftliche wie soziale Gleichgewicht der Stadt ins Wanken bringt.

117 Menschen und viele offene Fragen

Aktuell beschäftigt das Werk rund 117 Personen. Danone verspricht interne Umsetzungen, Umschulungen, Unterstützung – doch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trauen dem Braten nicht.

Ein Mitarbeiter bringt es auf den Punkt: „Man opfert uns für Zahlen, die offenbar nicht mehr glänzen.“

Inzwischen beobachtet auch das Ministerium für Industrie den Fall mit besonderer Aufmerksamkeit. Es geht nicht nur um einen Betrieb, sondern um ein regionales Ökosystem. Zulieferer, Transportfirmen, lokale Dienstleister – der Dominoeffekt ist schwer abzuschätzen.

Was steckt dahinter?

Die Schließung ist kein Einzelfall – sie ist ein Symbol.

Sie steht für das abrutschende Fundament alter Industrien. Für Märkte, die nicht mehr wachsen. Für globale Renditeziele, die mit lokaler Verankerung oft schwer vereinbar sind.

Und sie zeigt: Selbst große Investitionen garantieren keinen Bestandsschutz mehr. Wenn ein Standort trotz Millionenaufwand nicht liefert, wird er zur Rechengröße – selbst nach fast eineinhalb Jahrhunderten.

Was nun?

Die Zeit bis Juli 2027 kann ein Fenster sein – für kreative Lösungen, neue Ansiedlungen, vielleicht sogar einen Neuanfang. Aber es braucht Mut und Tempo.

Ein paar Fragen stehen dabei im Raum:

Was passiert mit den betroffenen Beschäftigten?
Welche neuen Akteure könnten den Standort übernehmen oder transformieren?
Wie gelingt es, aus dem Ende einer Ära den Anfang einer neuen zu machen?

Eine Industrie ist mehr als ihre Bilanzen – sie ist auch Erinnerung, Stolz, Sinnstifterin.

Was bleibt?

Die geplante Schließung des Blédina-Werks ist mehr als eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Sie ist ein Weckruf. Für die Region, für Frankreich, für eine Industriepolitik, die zwischen Tradition und Transformation balancieren muss.

Und sie zeigt: Strukturwandel ist kein abstraktes Konzept, sondern Realität. Jeden Tag, in jeder Stadt.

Autor: Daniel Ivers

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