Aktuell · 05.07.2026 15:05
Ägypten: Versiegelte Gräber und Spuren einer byzantinischen Stadt an Nordküste entdeckt
Archäologen berichten von 18 griechisch-römischen Grabanlagen bei Marina el‑Alamein, einem intakten Granitsarkophag und Siedlungsresten, die auf die antike Hafenstadt Leukaspis hindeuten.
Kairo – 05.07.2026: Ägyptische Archäologen haben an der Nordküste nahe Marina el‑Alamein sowie im westlichen Rand des Nildeltas eine Serie außergewöhnlich gut erhaltener Fundstellen freigelegt. Das Tourismus- und Altertümerministerium bestätigte die Entdeckungen und veröffentlichte erste Befundangaben, die von internationalen Agenturen aufgegriffen wurden. Die Arbeiten laufen im Rahmen nationaler Missionen, unterstützt von Fachleuten für Dokumentation und Konservierung.
In unmittelbarer Küstennähe stießen die Teams auf 18 griechisch-römische Grabkomplexe, elf davon in den Fels gehauen, sieben als oberirdische Kalksteingräber ausgeführt. Mehrere Ruhestätten waren weiterhin mit ihren ursprünglichen Steinplatten verschlossen – ein seltener Glücksfall, der auf unangetastete Grabkontexte seit rund zwei Jahrtausenden schließen lässt. Als besonders bemerkenswert gilt ein etwa 2,5 Meter langer Granitsarkophag mit intaktem Deckel. In seinem Umfeld fanden die Forschenden Skelettreste, Keramik, Lampen sowie Fragmente eines Stuck‑Sphinxbildnisses. Hinzu kommen Münzen und rund 200 Ostraka mit griechischen und koptischen Inschriften, die Hinweise auf Alltagsabläufe, lokale Verwaltung oder Handel liefern könnten.
Parallel dazu dokumentierte eine weitere Mission im westlichen Wüstenbereich die Überreste einer planmäßig angelegten Siedlung spätrömisch‑byzantinischer Prägung. Sichtbar sind Grundrisse von Wohn- und Funktionsbauten sowie Spuren einer geordneten Straßenführung. Fachleute sehen in der Kombination aus Küstengräbern und Stadtstrukturen starke Indizien für die antike Hafenstadt Leukaspis, die antike Autoren wie Strabon erwähnen. Der Ort galt in der Spätantike als Umschlagpunkt zwischen Mittelmeer und dem Hinterland des Nils und könnte in mehreren Phasen – hellenistisch, römisch, byzantinisch – genutzt worden sein.
Für die weitere Auswertung stehen nun anthropologische Analysen, die Datierung organischer Rückstände und eine systematische epigraphische Bearbeitung der Ostraka an. Die ägyptischen Teams betonen, dass die Öffnung versiegelter Räume konservatorisch heikel ist und schrittweise unter Laborbedingungen erfolgen soll, um Textilien, organische Beigaben oder Pigmentreste zu sichern. Ergebnisse zu Identitäten, Bestattungsriten und Mobilität im nördlichen Delta werden erst nach dieser Phase erwartet.
Die Funde erweitern das Bild der antiken Nordküste, die bereits durch versunkene Stätten wie Thônis‑Hérakleion internationale Aufmerksamkeit erhielt. Im Unterschied zu Unterwasserfunden liefern die nun freigelegten Küsten- und Wüstenareale vergleichbare, trocken konservierte Materialien – eine wichtige Ergänzung für die Rekonstruktion von Handelsnetzwerken, städtischer Planung und religiösen Praktiken am Übergang von der römischen zur byzantinischen Zeit. Das Ministerium kündigte an, über den Fortgang der Arbeiten und konservatorische Maßnahmen fortlaufend zu informieren.
Quellen
- Franceinfo (RSS)
- Associated Press
- The Guardian
- Ägyptisches Ministerium für Tourismus und Altertümer