Abonnenten · 11.09.2025 06:26
Airbnb entdeckt die Hotels neu – und mischt den Reisemarkt auf
Airbnb will mehr sein als nur die erste Adresse für Ferienwohnungen. Mit einer konsequenten Expansion in den Hotelmarkt schlägt das Unternehmen ein neues Kapitel seiner Geschichte auf. Boutique-Hotels, Bed & Breakfasts, unabhängige Gasthäuser –...
Airbnb will mehr sein als nur die erste Adresse für Ferienwohnungen. Mit einer konsequenten Expansion in den Hotelmarkt schlägt das Unternehmen ein neues Kapitel seiner Geschichte auf. Boutique-Hotels, Bed & Breakfasts, unabhängige Gasthäuser – all das soll künftig unter dem Dach von Airbnb Platz finden. Und zwar ohne die Seele der Plattform, die lange für das „Zuhause auf Zeit“-Gefühl stand, zu verlieren.
Von der WG-Couch zum Hotelzimmer
Der Wandel kommt nicht aus dem Nichts. Schon 2019 hatte Airbnb mit der Übernahme der Buchungsplattform HotelTonight einen Fuß in die Hoteltür gesetzt. Doch damals war das eher ein zaghafter Probelauf. Heute, im Jahr 2025, kündigt CEO Brian Chesky an: Jetzt wird die Hotelstrategie zur Chefsache – aggressiver, größer, globaler.
Im Fokus stehen lizenzierte, unabhängige Hotels und Pensionen, die regulatorisch auf sicheren Füßen stehen. Das macht sie für Airbnb nicht nur attraktiv, sondern auch notwendig. Denn in vielen Metropolen stoßen Kurzzeitvermietungen auf immer strengere Auflagen.
Warum Hotels plötzlich so wichtig sind
Die Beweggründe liegen auf der Hand. Erstens: In Zeiten, in denen Ferienwohnungen in touristischen Hotspots strengen Regeln unterliegen, sind Hotels eine sichere Bank. Zweitens: Hotels helfen, saisonale Engpässe aufzufangen – wer schon einmal verzweifelt nach einer Unterkunft für die Hochsaison gesucht hat, weiß, wie groß das Problem sein kann. Drittens: Mit Hotels erreicht Airbnb neue Kundenschichten, die vielleicht keine Lust auf fremde Wohnzimmer, dafür aber auf charmante Boutique-Zimmer haben.
Kurz gesagt: Hotels sind für Airbnb nicht nur Ergänzung, sondern strategisches Werkzeug.
Ein Seitenhieb auf Booking und Expedia
Klar ist auch: Wer in den Hotelmarkt geht, spielt direkt auf dem Spielfeld von Booking.com, Expedia & Co. Genau hier wittert Airbnb seine Chance. Während klassische Online-Reisebüros bis zu 20 % Provision verlangen, bleibt Airbnb meist bei rund 15 %. Für kleine, unabhängige Hotels klingt das nach einem verlockenden Deal – weniger Geld an den Mittler, mehr in der eigenen Kasse.
Noch dazu hat Airbnb seine Gebührenstruktur angepasst. Statt gemischter Kostenmodelle zahlen nun oft die Gastgeber die komplette Plattformgebühr, ähnlich wie es bei Booking üblich ist. Das macht den Übergang für Hoteliers einfacher und vertrauter.
Frankreich – das Herzstück der Strategie
Ein besonderer Blick fällt auf Frankreich, den zweitgrößten Markt von Airbnb weltweit. Städte wie Paris haben Airbnb mit harten Regulierungen immer wieder ausgebremst. Hotels dagegen sind hier ein regulierter, akzeptierter Teil des Marktes. Für Airbnb bedeutet das: mehr Wachstum ohne juristische Stolperfallen.
Und auch die französischen Hoteliers könnten profitieren. Denn Airbnb bringt Reichweite, internationale Sichtbarkeit und ein junges, reisefreudiges Publikum – allen voran US-Touristen mit gut gefülltem Geldbeutel. Ein Match, das für beide Seiten spannend klingt.
Doch birgt der Wandel auch Risiken?
Natürlich. Wer sich von Ferienwohnungen in Richtung Hotels bewegt, verändert sein Markenbild. Airbnb lebt bis heute vom Gefühl, in einer fremden Stadt „wie ein Local“ zu wohnen. Doch was passiert, wenn die Plattform plötzlich immer mehr zum klassischen Buchungsportal wird?
Die Kunst wird darin liegen, beide Welten zusammenzuführen: das persönliche, authentische Reisegefühl einer Privatunterkunft mit der Professionalität und Verlässlichkeit eines Hotels. Gelingt das nicht, droht Airbnb, seine Einzigartigkeit einzubüßen.
Eine neue Ära des Reisens
Was sich abzeichnet, ist mehr als nur ein strategischer Schachzug. Es ist ein Stück Zukunft des Reisens. Die Grenzen zwischen Ferienwohnungen und Hotels verschwimmen, und die Plattformen, die flexibel genug sind, beides anzubieten, werden das Rennen machen. Für Reisende bedeutet das: mehr Auswahl, mehr Flexibilität, mehr Freiheit.
Am Ende bleibt die Frage: Wird Airbnb es schaffen, die Balance zwischen Innovation, Kundenerwartung und Regulierung zu halten?
Fest steht: Der Markt bewegt sich – und Airbnb hat gerade den nächsten Stein ins Rollen gebracht.
Autor: Daniel Ivers