Aktuell · 13.07.2026 06:30
Alzheimer-Patienten bei Hitze besonders gefährdet: Trinken muss aktiv begleitet werden
Bei großer Hitze sind Menschen mit Alzheimer besonders gefährdet. Gedächtnis- und Wahrnehmungsstörungen können dazu führen, dass sie Durst, Überhitzung oder Beschwerden nicht rechtzeitig erkennen und keine Hilfe anfordern.
Paris – 13.07.2026: Menschen mit Alzheimer gehören während anhaltender Hitze zu den besonders gefährdeten Gruppen. Die Erkrankung kann es erschweren, Durst wahrzunehmen, die eigene körperliche Verfassung richtig einzuschätzen oder selbstständig ausreichend zu trinken. Angehörige, Pflegekräfte und Nachbarn sollten deshalb nicht darauf warten, dass Betroffene nach Wasser fragen, sondern Getränke regelmäßig anbieten und die Aufnahme begleiten.
Die Gefahr entsteht nicht allein durch hohe Temperaturen. Bei einer Demenz können Orientierung, Erinnerungsvermögen und die Fähigkeit zur Planung eingeschränkt sein. Betroffene vergessen möglicherweise, eine Flasche zu holen, schließen Fenster nicht rechtzeitig oder ziehen zu warme Kleidung nicht aus. Auch Warnzeichen wie Schwäche, Kopfschmerzen oder zunehmende Verwirrtheit werden unter Umständen nicht benannt oder falsch eingeordnet.
Gesundheitsbehörden zählen ältere, pflegebedürftige und chronisch kranke Menschen zu den Gruppen mit erhöhtem Risiko. Besonders kritisch ist die Kombination aus eingeschränkter Selbstständigkeit, sozialer Isolation und regelmäßiger Medikamenteneinnahme. Arzneimittel sollten jedoch niemals eigenmächtig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden. Bei Unsicherheiten zu einer Behandlung ist ärztlicher oder pharmazeutischer Rat erforderlich.
Für die Betreuung im Alltag empfiehlt sich ein fester Rhythmus: kleine Mengen Wasser, ungesüßten Tee oder andere geeignete Getränke mehrmals über den Tag verteilt anbieten. Die Flüssigkeitsaufnahme sollte sichtbar und möglichst dokumentierbar sein, etwa durch bereitgestellte Gläser oder eine einfache Liste. Suppen, Obst oder Joghurt können zusätzlich zur Flüssigkeitsversorgung beitragen, ersetzen aber nicht immer das regelmäßige Trinken.
Ebenso wichtig ist eine möglichst kühle Umgebung. Räume sollten in den frühen Morgenstunden gelüftet und später vor direkter Sonne geschützt werden. Leichte Kleidung, feuchte Tücher auf der Haut und Aufenthalte in kühleren Räumen können entlasten. Körperliche Anstrengung sollte während der heißesten Stunden des Tages vermieden werden. Alleinlebende Menschen mit Demenz brauchen dabei besonders verlässliche Kontaktpersonen.
Alarmzeichen sind unter anderem ungewöhnliche Müdigkeit, starke Schwäche, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, trockene Haut, Verhaltensänderungen oder eine deutliche Verschlechterung der Verwirrtheit. Bei Bewusstseinsstörungen, Atemproblemen, Krampfanfällen oder Verdacht auf einen Hitzschlag muss unverzüglich der Notruf 15 oder 112 gewählt werden. Bis Hilfe eintrifft, sollte die Person an einen kühleren Ort gebracht und vorsichtig gekühlt werden.
Kommunen führen für gefährdete, zu Hause lebende Menschen teils freiwillige Register, über die bei extremen Temperaturen Kontakt aufgenommen werden kann. Angehörige können sich bei ihrer Gemeinde nach diesem Angebot erkundigen. Entscheidend bleibt im Alltag die aktive Begleitung: Bei Alzheimer darf Schutz vor Hitze nicht von der Eigeninitiative der erkrankten Person abhängen.
Quellen
- Franceinfo
- Assurance Maladie
- Santé publique France
- Ministerium für Gesundheit, Familien, Autonomie und Menschen mit Behinderungen