Aktuell · 06.07.2026 10:46
Avignon 2026: Carolina Bianchi vollendet Trilogie mit intimem, radikalem “Uma Luz Cordial”
Die brasilianische Autorin und Regisseurin Carolina Bianchi zeigt im Festival d’Avignon den Abschluss ihrer Reihe „Cadela Força“. „Uma Luz Cordial“ untersucht den Schaffensakt mit reduzierten Mitteln und kompromissloser Körperlichkeit.
Avignon – 06.07.2026: Carolina Bianchi hat beim Festival d’Avignon den dritten und abschließenden Teil ihrer Trilogie „Cadela Força“ präsentiert. „Uma Luz Cordial“ läuft laut Festivalunterlagen vom 4. bis 7. Juli im Opéra Grand Avignon. Die Produktion ist für Erwachsene ausgewiesen und enthält Szenen, die als intensiv und potenziell belastend wahrgenommen werden können; technische Hinweise nennen Stroboskoplicht und Nebel.
Inhaltlich richtet Bianchi den Blick auf den Akt des Schreibens und die Entstehung künstlerischer Formen. Das Festival beschreibt eine bewusste Verwischung der Grenzen zwischen Theater und Literatur. Körperlichkeit und Sexualität werden als Teil des ästhetischen Prozesses verhandelt – nicht mit dem Ziel bloßer Provokation, sondern um die „Brutalität“ der Schöpfung sichtbar zu machen und ihre Widersprüche offenzulegen. Im Vergleich zu den vorigen Kapiteln, in denen Gewalt und historische Machtfragen dominierten, fällt der Ton intimer aus, ohne an formaler Strenge zu verlieren.
Berichte in französischen Kulturmedien verorten die Produktion als persönlicher und zugleich fordernd: Télérama betont die Konzentration auf den Prozesscharakter, während Le Dauphiné die Offenheit des Arbeitsverlaufs hervorhebt, die auch lange, dichte Passagen zulässt. Bianchi arbeitet erneut mit dem Ensemble Cara de Cavalo; Proben- und Produktionspartner in Frankreich sind unter anderem La FabricA und das Festival d’Avignon. Offizielle Programmdokumente führen die Spielorte und Zeiten, ergänzend verweisen Theateranbieter auf begrenzte Platzkapazitäten.
Die Reaktionen vor Ort fallen gespalten aus. Befürworter loben die Konsequenz der formalen Suche, die poetische Körperarbeit und die genaue Setzung der Bilder. Kritisch angemerkt werden Sequenzen, die einzelne Zuschauerinnen und Zuschauer emotional überfordern könnten. Die Veranstalter weisen auf die erwachsene Ausrichtung und die technischen Effekte hin, um Erwartungen und Sicherheit zu adressieren. Zusatzvorstellungen sind derzeit nicht bestätigt; Restkarten waren laut Vorverkaufsseiten nur punktuell verfügbar.
Mit „Uma Luz Cordial“ knüpft Bianchi an ihre wachsende Präsenz auf europäischen Bühnen an, wo ihre Arbeiten in den vergangenen Jahren wiederholt eingeladen wurden. Der Abschluss der Trilogie schärft ihren Ruf, Fragen nach künstlerischer Verantwortung, Grenzüberschreitung und der Rolle von Sexualität im zeitgenössischen Theater nicht auszuweichen, sondern sie auf der Bühne erfahrbar zu machen. Für die diesjährige Avignon-Ausgabe markiert die Produktion einen der programmatischen Gegenpole: reduziert in den Mitteln, entschlossen in der Haltung und als Diskussionsanstoß über Form, Inhalt und die Zumutungen des kreativen Prozesses angelegt.
Quellen
- Festival d'Avignon (Programm)
- Télérama
- Le Dauphiné
- Offi (Officiel des spectacles)
- JDS – Billetterie
- franceinfo