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Aktuell · 10.07.2026 15:28

Avignon 2026: “Pépée, eine Geschichte ohne Fall” – Josépha Sini erzählt von ihrer Mutter

Im Off von Avignon zeigt die belgische Schauspielerin Josépha Sini einen wachen, zärtlich-komischen Monolog über die Nähe zu ihrer Mutter – präzise beobachtet, straff inszeniert und getragen von großer Bühnenpräsenz.

Avignon – 10.07.2026: Im dichten Treiben des Festival Off von Avignon präsentiert die belgische Schauspielerin Josépha Sini ihr Ein-Personen-Stück "Pépée, une histoire sans chute" – einen gemeinsam mit Laurène Hurst entwickelten Text, den sie mit scharfem Blick, trockenem Witz und kontrollierter Zärtlichkeit auf die Bühne bringt. Auf der kleinen Spielfläche entsteht aus der Mutterfigur eine ganze Welt: Anwältin und Autorität, Schatten und Komplizin zugleich, stets nah und doch unnahbar.

Sini, 2022 Absolventin des Conservatoire Royal de Liège, zerlegt in ihrem Monolog familiäre Codes ohne Weichzeichner. Die Sprache ist knapp, pointiert, gelegentlich rau, und doch bricht hinter der Ironie immer wieder Wärme hervor. Das Stück ist kein Abrechnungsdrama, sondern eine tastende Annäherung: Episoden aus Kindheit, Küche und Kanzlei werden zu einer Erkundung der Rollen, die Eltern und Kinder einander zuschreiben – und der kleinen Rituale, mit denen man diese Rollen bestätigt oder bricht.

Die Stärke des Abends liegt in der Präzision der Spielerin. Sini setzt Pausen, schneidet Bilder an und lässt sie wieder entgleiten, ohne in Pathos zu verfallen. "Pépée" erscheint als leuchtende Gegenspielerin und bleibt doch Mensch, gezeichnet durch Nuancen statt Thesen. Szenen des Gerichtsalltags prallen auf Alltagsminiaturen, das Banale reibt sich am Erhabenen, und immer wieder kippt Ernst in Komik. Lachen und Stille wechseln einander ab – ein verlässliches Zeichen dafür, dass das Erzählte einen gemeinsamen Erfahrungshorizont trifft.

Regie und Textarbeit mit Laurène Hurst sorgen für klare Linien. Das Bühnenbild ist bewusst schmal gehalten, Lichtwechsel sind fein nuanciert; so rückt die Sprache in den Mittelpunkt. Diese Ökonomie der Mittel passt zum Off-Kontext, in dem das Festival vom 4. bis 25. Juli zahlreiche Produktionen bündelt, die oft mit wenig Ausstattung, dafür mit umso größerer Präsenz arbeiten. "Pépée" reiht sich dort als stille Entdeckung ein: ein Abend, der seinen Witz nicht gegen Tiefe eintauscht, sondern beides auf engem Raum zusammenführt.

Wer den Saal verlässt, trägt weniger eine Pointe als einen Nachhall mit sich: eine persönliche Geschichte, die allgemeine Fragen berührt – nach Zugehörigkeit, nach dem Erbe elterlicher Erwartungen und nach der eigenen Stimme im Chor familiärer Überlieferungen. Sini schreibt ihre Figur nicht endgültig fest; sie hält sie in Bewegung. Gerade daraus bezieht der Monolog seine Kraft: aus der Weigerung, die letzte Erklärung zu liefern, und aus der Sorgfalt, mit der er Nähe aushält. "Pépée" bleibt im Gedächtnis, weil es die Komplexität des Intimen ernst nimmt – leichtfüßig, aber ohne Ausflucht.

Quellen

  • Franceinfo (Artikelurheber, RSS-Anzeige)
  • Festival Off Avignon (Programmseite)
  • Scènes du Sud (Festival-Listing)

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