Aktuell · 03.07.2026 11:47
Bad Bunny im Musée Grévin: Eine Wachsfigur als Kulturerzählung
Zeitgleich zu seinen Frankreich-Auftritten hat das Musée Grévin in Paris eine Wachsfigur von Bad Bunny präsentiert. Die Inszenierung versteht sich als Hommage an Porto Rico und als Zeichen globaler Popkultur in der Hauptstadt.
Paris – 03.07.2026: Das Musée Grévin hat am 1. Juli eine Wachsfigur von Bad Bunny enthüllt – und damit einen der international erfolgreichsten Popkünstler der vergangenen Jahre in seine Galerie der Gegenwart aufgenommen. Hinter dem bürgerlichen Namen Benito Antonio Martínez Ocasio wurde der puerto-ricanische Sänger weltweit mit Reggaeton, Trap und genreübergreifenden Kollaborationen bekannt. Die zeitliche Nähe zur laufenden Frankreich-Tournee sorgt dafür, dass der Museumsauftritt auch über die Kulturseiten hinaus Resonanz findet.
Nach Angaben des Hauses entstand die Figur in den Ateliers des Grévin auf Basis umfangreicher Fotostrecken. Bildhauer Claus Velte und das Team arbeiteten ohne persönliche Vermessung des Künstlers. Solche Rekonstruktionen verlangen genaue Studien von Hauttönen, Gesichtspartien und Haltung, damit Ausdruck und Wiedererkennbarkeit stimmen. Das Grévin verweist darauf, dass diese Vorgehensweise Teil seines methodischen Repertoires ist – eine Mischung aus dokumentarischer Präzision und künstlerischer Interpretation, wie sie die Wachsfigurentradition seit dem 19. Jahrhundert prägt.
Kuratorisch setzt das Museum auf eine dichte Anspielungsebene: Farben und Accessoires verweisen auf Porto Rico und auf Themen, die Bad Bunny in seiner Musik wiederkehrend adressiert – Identität, Herkunft und ein selbstbewusstes Spiel mit Popcodes. Die Figur soll damit nicht nur ein Fanmagnet sein, sondern kulturelle Bezüge sichtbar machen. In Paris, wo das Grévin als Bühne für Berühmtheit, Medienbilder und Mythen fungiert, markiert die Aufnahme eines lateinamerikanischen Superstars zudem eine weitere Öffnung hin zu einer globalen Popöffentlichkeit.
Begleitet wird die Präsentation von hoher medialer Präsenz des Künstlers. Anstehende Shows in großen französischen Arenen erhöhen die Sichtbarkeit; zugleich positioniert das Museum seine Sammlung als Spiegel aktueller Popularität. Dass ein Popstar während einer Tournee museal entsteht, unterstreicht, wie stark sich Unterhaltungsindustrie und Erinnerungskultur verzahnen: Ikonen werden nicht nur gefeiert, sie werden zugleich archiviert.
Kontroversen bleiben Teil des Formats. Kritikerinnen und Kritiker verweisen auf die Nähe zum Kommerz und fragen, ob Wachskabinette historische Einordnung zugunsten von Prominenz verkürzen. Das Grévin hält dem traditionell entgegen, dass seine Räume Momentaufnahmen eines kulturellen Gedächtnisses versammeln – als Schauplatz für Referenzen, Debatten und wandelbare Relevanzen. Die neue Figur von Bad Bunny fügt dieser Linie ein Kapitel hinzu: Sie verankert einen puerto-ricanischen Künstler im Paris der Boulevards und legt die Verbindung von Herkunft, Stil und globaler Popkultur offen.
Quellen
- Musée Grévin (offiziell)
- Le Parisien
- Time Out Paris
- La Voix du Nord
- AFP/Boursorama