Aktuell · 23.07.2026 18:45
Barbara Butch erstattet nach Konzertabbruch Anzeige gegen La France insoumise
Nach der Unterbrechung eines Auftritts in Grenoble hat die DJ Barbara Butch mehrere rechtliche Schritte eingeleitet. Im Zentrum steht die Frage, ob politischer Protest gegen eine Künstlerin in eine strafbare Behinderung künstlerischer Freiheit umgeschlagen…
Grenoble – 23.07.2026: Die DJ Barbara Butch hat nach dem Abbruch ihres Konzerts beim Festival Cabaret Frappe in Grenoble mehrere Anzeigen erstattet. Nach Angaben ihrer Anwältin Audrey Msellati richten sich die Schritte unter anderem gegen La France insoumise (LFI). Zur Pruefung stehen insbesondere der Verdacht der öffentlichen Aufstachelung zu Hass und Gewalt, schwerer Gewalt, Behinderung der künstlerischen Freiheit, schweres Cybermobbing, Verleumdung und erschwerte öffentliche Beleidigung.
Der Auftritt am Samstag, dem 18. Juli, war nach rund zwanzig Minuten beendet worden. Die Stadt Grenoble teilte mit, sie habe die Veranstaltung wegen Drohungen gegen die Künstlerin sowie zum Schutz des Publikums, der Teams und aller Anwesenden ausgesetzt. Der Verband der kommunalen Kulturtraeger FNCC berichtete unter Berufung auf die Stadt zudem von Buhrufen, Beschimpfungen und Wuerfen von Gegenständen. Die Kommune will ihrerseits Anzeige gegen Unbekannt erstatten.
Die Staatsanwaltschaft Grenoble leitete am Dienstag, dem 21. Juli, ein Ermittlungsverfahren wegen des Delikts der gemeinschaftlichen Behinderung von Freiheiten ein. Dieses Verfahren betrifft den Ablauf der Störung und ist von den nun angekündigten beziehungsweise eingereichten Beschwerden der Künstlerin und ihrer Gesellschaft Butch Events zu unterscheiden. Ob sich die strafrechtlichen Vorwuerfe erhärten, wird erst die Untersuchung klären; die Anzeigen stellen keinen Schuldspruch dar.
Der Konflikt hat eine politische Vorgeschichte. Lokale LFI-Vertreter und propalaestinensische Aktivisten hatten zum Boykott des Auftritts aufgerufen. Sie begründeten dies unter anderem mit früheren Positionierungen von Barbara Butch zu Israel und mit ihrer Unterstützung eines Gesetzesvorschlags gegen neue Formen des Antisemitismus. Der Vorschlag, der als Yadan-Gesetz bekannt wurde, war politisch umstritten und wurde inzwischen zurückgezogen.
Aus dem Umfeld von La France insoumise wird hervorgehoben, die politischen Entscheidungen einer Künstlerin dürften kritisiert werden. Die Partei verweist zugleich darauf, Barbara Butch 2024 unterstützt zu haben, als sie nach ihrem Auftritt bei der Eroeffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris Ziel massiver digitaler Anfeindungen geworden war. Eine allgemeine Stellungnahme der nationalen LFI-Führung zu den neuen Anzeigen lag am Donnerstag zunächst nicht vor.
Der Fall berührt damit zwei getrennte, aber politisch eng verbundene Fragen: das Recht auf Boykott und politische Kritik einerseits sowie die Grenzen von Einschuechterung und Verhinderung eines öffentlichen Kulturereignisses andererseits. Für Grenoble, dessen Stadtverwaltung das Festival mittraegt, ist die Auseinandersetzung auch institutionell bedeutsam: Der Schutz der Kunstfreiheit und die Gewaehrleistung sicherer Veranstaltungen gehören zu den Kernpflichten der öffentlichen Hand.
Barbara Butch wurde über die queere Musikszene hinaus durch ihre Mitwirkung an der olympischen Eroeffnungsfeier vom 26. Juli 2024 bekannt. Damals erstattete sie Anzeige wegen Morddrohungen, antisemitischer, homophober, sexistischer und gewichtsbezogener Beleidigungen im Internet. Die jetzige Affaere verlagert die Debatte von digitalem Hass auf die Frage, welche Formen politischer Mobilisierung bei Kulturveranstaltungen rechtlich und demokratisch zulaessig sind.
Quellen
- AFP
- Stadt Grenoble
- Staatsanwaltschaft Grenoble laut Euronews und Le Dauphine Libere
- FNCC – Federation Nationale des Collectivites territoriales pour la Culture
- Le Dauphine Libere
(Dieser Text ist wesentlich KI-generiert.)