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Bassirou Diomaye Faye, Präsident des Senegal, besuchte Frankreich im Rahmen des Weltforums für Souveränität und Impfinnovation. Am Donnerstag traf er Emmanuel Macron bei einem Mittagessen im Élysée-Palast. Themen wie Handelsabkommen, der CFA-Franc und die französische Militärpräsenz standen auf der Tagesordnung.

Ein neuer Weg für den Senegal

Bassirou Diomaye Faye setzt sich für die wirtschaftliche Souveränität seines Landes und die Überarbeitung der Partnerschaften mit der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich ein. Der Präsident des Senegal kam am Mittwoch, dem 19. Juni, in Frankreich an, um am Weltforum für Souveränität und Impfinnovation teilzunehmen. Dieses Event, organisiert von der französischen Regierung in Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union und der Impf-Allianz Gavi, zielt darauf ab, die Finanzierung der Impfstoffproduktion auf dem afrikanischen Kontinent zu beschleunigen.

Nach dem Forum traf Faye zum ersten Mal seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron bei einem Mittagessen im Élysée. Dieses Treffen birgt viele Herausforderungen für beide Staatschefs, besonders nach Fayes Wahl vor drei Monaten, die er mit einem souveränistischen Wahlprogramm gewann.

Ein diplomatischer und protokollarischer Wandel

Bassirou Diomaye Faye, der mit 44 Jahren der jüngste Präsident des Senegal wurde, gewann die Wahl am 24. März gegen den Amtsinhaber Amadou Ba. Als panafrikanistischer Linkspolitiker versprach er einen radikalen Wandel in der Regierungsführung, sowohl wirtschaftlich als auch diplomatisch und protokollarisch.

„Diese erste Reise unterscheidet sich stark von denen seiner Vorgänger“, betont der Afrika-Experte Antoine Glaser. „Sie findet im Rahmen eines internationalen Forums statt und nicht als offizieller bilateraler Besuch.“

Vor seiner Reise nach Paris absolvierte Faye einen wahren Marathon regionaler Besuche in Nachbarländern wie Mauretanien, Gambia, Guinea-Bissau und weiteren. Dies spiegelt einen signifikanten diplomatischen Wandel wider, wie der senegalesische Politikwissenschaftler Maurice Soudieck Dione erklärt.

„Die neue Regierung hat das Außenministerium in ‚Ministerium für afrikanische Integration und Auswärtige Angelegenheiten‘ umbenannt. Diese Umbenennung ist nicht trivial und zeigt die Prioritäten der neuen Regierung. Zuerst kommen die Interessen des Senegal, dann die Beziehungen zu den Nachbarländern, Afrika im Allgemeinen und schließlich der Rest der Welt“, analysiert Dione.

Handelsabkommen, CFA-Franc und Militärpräsenz

Dieses diplomatische Umdenken, das Faye gegenüber ausländischen Partnern, insbesondere Frankreich, anstrebt, ist sicherlich Thema der Gespräche mit Macron. „Nach dem Forum werden die beiden Präsidenten über globale Herausforderungen und die verschiedenen Aspekte der bilateralen Partnerschaft sprechen“, hieß es in einer Mitteilung des Élysée.

Zu den wirtschaftlichen Themen zählen die Schulden, die mehrere senegalesische Behörden bei französischen Unternehmen haben. Ein Streitpunkt ist der Konflikt zwischen dem französischen Baukonzern Eiffage und den senegalesischen Behörden bezüglich der Dakar-Diamniadio-Linie des Regionalexpresszuges (TER).

Ein weiteres heißes Eisen ist der CFA-Franc. Diese Währung, ein Erbe der Kolonialzeit, wird immer noch von 14 afrikanischen Ländern genutzt und ist an den Euro gekoppelt. Das Regierungsprogramm von Fayes Partei Pastef sah ursprünglich die Einführung einer nationalen Währung vor. Diese Position hat sich zwar etwas geändert, wurde aber nicht völlig aufgegeben. Der derzeitige Premierminister Ousmane Sonko sprach sich für Diskussionen zu diesem Thema aus.

Frankreichs Militärpräsenz im Senegal

Auch die Präsenz französischer Truppen im Senegal sorgt für Unmut bei den neuen Behörden. Sie sehen diese als unvereinbar mit der Souveränität des Landes an. Rund 350 französische Soldaten sind in Dakar stationiert und bilden dort regionale Truppen aus. Frankreich hat bereits angekündigt, seine Truppen in der Region weiter zu reduzieren, nachdem es aus Mali, Burkina Faso und Niger gedrängt wurde.

Politische Spannungen und das Erbe der Vergangenheit

Abschließend könnte das Treffen zwischen Macron und Faye dazu beitragen, Spannungen im Zusammenhang mit der politischen Krise im Senegal zu entschärfen, die vor Fayes Amtsantritt herrschte. Der langwierige Rechtsstreit zwischen Ousmane Sonko und der ehemaligen senegalesischen Regierung führte zu mehreren Unruhen, die zahlreiche Todesopfer und Verhaftungen zur Folge hatten.

Am 16. Mai hatte Sonko während eines Treffens in Dakar mit Jean-Luc Mélenchon, dem Führer der französischen Linken, Macron scharf kritisiert. Er warf ihm vor, seinen senegalesischen Amtskollegen trotz einer Zeit der Repression „begrüßt und beglückwünscht“ zu haben.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Treffen zwischen Bassirou Diomaye Faye und Emmanuel Macron tatsächlich einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen dem Senegal und Frankreich markiert – oder ob es nur ein weiteres Kapitel in der langen schwierigen Geschichte der beiden Länder bleibt.


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