Aktuell · 27.06.2026 04:49
Bericht kritisiert Mängel in der Kontrolle privater Hochschulen in Frankreich
Eine gemeinsame Untersuchung der Generalinspektionen IGAS und IGESR offenbart erhebliche Qualitätsdefizite und unzureichende Regulierung bei privaten, gewinnorientierten Hochschulen in Frankreich.
Paris – 27.06.2026: Eine umfassende Untersuchung der Generalinspektion für soziale Angelegenheiten (IGAS) und der Generalinspektion für Bildung, Sport und Forschung (IGESR) hat große Schwächen in der Qualitätssicherung und Kontrolle privater, gewinnorientierter Hochschulen in Frankreich aufgedeckt. Der am 26. Juni 2026 veröffentlichte Bericht zeigt, dass dieser Sektor in den letzten Jahren stark gewachsen ist und mittlerweile rund 400.000 Studierende umfasst. Ein Viertel der Einnahmen privater Hochschulen stammt aus öffentlichen Mitteln, was die Bedeutung der staatlichen Aufsicht unterstreicht.
Die Analyse konzentrierte sich auf zwei große Bildungskonzerne, Galileo Global Education und Collège de Paris, sowie vier weitere Einzelinstitutionen, darunter HETIC, ESG Lyon, Ascencia Business School und Exchange College. Kritisiert werden unter anderem eine stark schwankende pädagogische Qualität, unklare und irreführende Kommunikationsstrategien zu Abschlüssen sowie mangelnde Transparenz bei der Anerkennung durch öffentliche Institutionen. Solche Defizite gefährden die Studienverläufe und erhöhen das Risiko von vorzeitigen Schließungen dieser Einrichtungen.
Um dem entgegenzuwirken, verabschiedete der Senat am 1. Juni 2026 ein neues Gesetz, das die Regulierung des privaten Hochschulwesens in Frankreich neu ordnet. Es sieht zwei Anerkennungsstufen vor: eine allgemeine Anerkennung, die für alle privaten Hochschulen gilt, sowie eine zusätzliche Anerkennung von allgemeinem Interesse für gemeinnützige Einrichtungen, die eng mit dem öffentlichen Sektor kooperieren. Ziel ist es, sowohl die Qualität der Bildung zu sichern als auch das Vertrauen der Studierenden und der Öffentlichkeit zu stärken.
Trotz gesetzlicher Vorgaben ist die praktische Umsetzung der Kontrollen herausfordernd. Bis Mai 2026 wurden von 1.500 geplanten Prüfungen 1.135 abgeschlossen, dabei wurden 442 Verwarnungen ausgesprochen und sechs Fälle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Dies verdeutlicht den hohen Überwachungsbedarf und die Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der neuen Regeln in diesem dynamischen Bildungsmarkt.
Die französische Regierung betont, dass eine regelmäßige und sorgfältige Kontrolle für die Qualitätssicherung unverzichtbar ist. Außerdem wird großer Wert auf die Erhöhung der Transparenz gelegt, um Studierende besser über Studieninhalte und Abschlüsse informieren zu können und irreführenden Werbemaßnahmen entgegenzuwirken. Langfristig soll so das Renommee privater Hochschulen verbessert und die Studienbedingungen sicherer gestaltet werden.
Der Bericht macht deutlich, dass noch umfangreiche Anstrengungen erforderlich sind, um den privaten Hochschulsektor in Frankreich umfassend zu regulieren. Die bisherigen Gesetzesinitiativen bilden eine wichtige Grundlage, deren Erfolg jedoch von einer konsequenten Umsetzung und kontinuierlichen Überprüfung abhängt. Nur so lässt sich garantieren, dass die Rechte der Studierenden geschützt und qualitätsvolle Bildungsangebote sichergestellt werden.
Quellen
- Enseignement supérieur privé lucratif : 32 propositions pour réguler le secteur
- Projet de loi sur la régulation de l’enseignement supérieur privé : garantir la qualité des formations et protéger les étudiants
- Bilan des contrôles dans l’enseignement privé : le ministre de l’Education en service minimum