Aktuell · 06.07.2026 08:44
Berufungsurteil am 7. Juli: Le Pens Eignung für 2027 steht auf dem Spiel
Das Pariser Berufungsgericht verkündet am 7. Juli sein Urteil in der Affäre um EU‑Parlamentsassistenten. Eine bestätigte Unwählbarkeit könnte Marine Le Pens Präsidentschaftsambitionen für 2027 beenden.
Paris – 06.07.2026: Das Pariser Berufungsgericht will am 7. Juli 2026 sein Urteil in der Affäre um die Beschäftigung europäischer Parlamentsassistenten durch den Rassemblement national (RN) verkünden. Im Mittelpunkt steht die politische Zukunft von Marine Le Pen. In erster Instanz war sie am 31.03.2025 wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel schuldig gesprochen und zu Freiheitsstrafe, Geldstrafe und fünf Jahren Unwählbarkeit verurteilt worden. Diese Sanktionen, sollte das Berufungsgericht sie bestätigen und für sofort vollstreckbar erklären, würden ihre Teilnahme an der Präsidentschaftswahl 2027 praktisch ausschließen.
Konkret wirft die Anklage Le Pen und weiteren RN-Verantwortlichen vor, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Europaabgeordneten mit Aufgaben im nationalen Parteiapparat betraut zu haben, obwohl deren Gehälter aus Mitteln des Europäischen Parlaments stammten. Die Verteidigung bestritt in der Berufung nicht jede parteinahe Tätigkeit, argumentierte aber, diese sei mit dem Mandat vereinbar gewesen oder habe jedenfalls kein vorsätzliches Fehlverhalten begründet. Die Staatsanwaltschaft forderte hingegen die Bestätigung empfindlicher Strafen und verwies auf systematische Überschneidungen zwischen Partei- und Parlamentsarbeit.
Politisch hätte eine bestätigte Unwählbarkeit unmittelbare Folgen. Der RN müsste seine Führungs- und Kampagnenplanung neu ordnen, etwa mit einer kommissarischen Spitze oder einer vorgezogenen Kür möglicher Präsidentschaftsbewerber. Beobachter verweisen darauf, dass ein anschließendes Kassationsverfahren vor der Cour de cassation zwar möglich ist, aber keine neue Tatsachenprüfung bringt und zeitlich eng mit dem Wahlkalender kollidieren könnte. Selbst bei einer späteren Aufhebung bliebe die Frage, ob bis dahin Fristen und Unterstützermechanik eingehalten werden können.
Das Verfahren berührt über den Einzelfall hinaus das Verhältnis von Parteiorganisation und Mandatsausübung auf europäischer Ebene. Das Europäische Parlament hatte bereits seit Jahren strengere Kontrollmechanismen eingeführt, nachdem mehrere Fraktionen wegen ähnlicher Praktiken in den Fokus geraten waren. In Frankreich wiederum wird das Urteil auch als Testfall dafür gesehen, wie Justizentscheidungen in laufende politische Dynamiken hineinwirken – vom Kandidatenangebot über Koalitionsarithmetik bis zur Mobilisierung der jeweiligen Lager.
Für Le Pen, die seit mehreren Wahlzyklen zweistellige Ergebnisse erzielt und den RN zur stärksten Kraft in zahlreichen Wahlgängen gemacht hat, steht damit mehr als eine persönliche Perspektive auf dem Spiel. Das Urteil könnte entscheiden, ob der RN seinen Kurs mit ihr an der Spitze fortsetzt oder vor der Präsidentschaftswahl 2027 eine Neuaufstellung erzwingen muss. Parteien und Unterstützerkreise bereiten für den 7. Juli Stellungnahmen vor; je nach Tenor des Spruchs dürfte die Reaktion des Lagers sowie der politischen Gegner noch am selben Tag folgen.
Quellen
- Euronews
- Le Monde
- RTL
- Boursorama/Reuters
- LCP
- Le Parisien