À la une · 25.08.2025 06:05
Bio in Zeiten der Dürre – Wie Landwirte im Finistère um ihre Existenz kämpfen
Die Sonne brennt erbarmungslos, der Boden ist staubtrocken, das Gras wächst kaum – und mittendrin stehen Landwirte, die eigentlich im Einklang mit der Natur arbeiten wollen. Doch im Finistère, dem westlichsten Zipfel der Bretagne,...
Die Sonne brennt erbarmungslos, der Boden ist staubtrocken, das Gras wächst kaum – und mittendrin stehen Landwirte, die eigentlich im Einklang mit der Natur arbeiten wollen. Doch im Finistère, dem westlichsten Zipfel der Bretagne, bringt der Sommer 2025 nicht nur Hitze, sondern auch eine Krise mit sich, die tiefer geht als der rissige Boden: Die Bio-Landwirtschaft steht dort buchstäblich auf dem Trockenen – klimatisch wie wirtschaftlich.
Wenn der Regen ausbleibt
Seit Wochen herrscht im Finistère „Alerte Sécheresse“ – die zweithöchste Warnstufe in Frankreichs Wasser-Notfallplan. Zwar fallen gelegentlich Regentropfen, doch sie reichen weder in Menge noch Verteilung. Besonders im Süden des Départements bleibt es besorgniserregend trocken. Die Folge: Weideflächen liefern im Schnitt 18 % weniger Ertrag als in den Jahren 2010 bis 2024. Viele Viehhalter müssen daher bereits jetzt ihre Wintervorräte an Heu und Stroh anbrechen – Monate zu früh.
Und auch Gemüsebauern haben kaum Grund zur Freude. Tomaten, Salat & Co. gedeihen schlechter, die Ernten schrumpfen, die Qualität leidet. Hitzeperioden, gepaart mit Wassermangel, lassen Zucchini schlaff und Karotten klein werden. Einige greifen notgedrungen zur Bewässerung – doch das ist teuer, aufwendig und nicht immer mit den Prinzipien der Bio-Landwirtschaft vereinbar.
Die Bio-Krise kommt von zwei Seiten
Als wäre die Dürre nicht schon schlimm genug, steckt die Biobranche selbst in einer schwierigen Phase. Schon 2023 wurden in der Bretagne fast 7 % weniger Flächen für Bio-Gemüse bewirtschaftet. Über 2.000 Hektar sind in die konventionelle Landwirtschaft zurückgewechselt. Der Grund? Sinkende Nachfrage – vor allem in Supermärkten und anderen Absatzkanälen.
Manche Bauern berichten, dass sie ihre Bio-Produkte inzwischen zu niedrigeren Preisen verkaufen müssen als konventionelle Ware. Eine absurde Situation, in der Umweltengagement und Qualität offenbar nicht mehr zählen – sondern nur der Preis an der Ladentheke.
Was also tun? Einige Bio-Bauern denken offen über einen Wechsel zurück zur konventionellen Landwirtschaft nach. Andere suchen neue Wege: Hofläden, Märkte, Abokisten – also mehr Nähe zur Kundschaft. Wieder andere setzen auf eine breitere Produktpalette, um wetterbedingte Ausfälle besser abzufangen.
Neue Wege, altes Land
Es tut sich was in den Feldern der Bretagne. Agroforstwirtschaft zum Beispiel – eine Kombination aus Bäumen, Feldern und Weiden – wird immer beliebter. Die Bäume spenden Schatten, schützen vor Wind und helfen dem Boden, Wasser besser zu speichern. Klingt ein wenig nach Zauberwald – ist aber handfeste Anpassung an den Klimawandel.
Zudem experimentieren viele mit trockenresistenteren Pflanzensorten, verändern ihre Aussaatzeiten oder mischen neue Kulturen ins Feld. Manche streuen inzwischen sogar bewusst Pflanzen ein, die den Boden beschatten und Erosion verhindern.
Und dann ist da noch die Solidarität. In dem Nachbardépartement Morbihan gab es einn Aufruf: Wer zu viel Fiehfutter hat, möge es mit denen teilen, die zu wenig haben. Außerdem gibt es Anträge auf Sondergenehmigungen zum Mähen von eigentlich stillgelegten Flächen – jeder Halm zählt.
Hoffnung unter heißem Himmel
Klar ist: Die Situation ist ernst. Und sie zeigt, wie verwundbar eine Landwirtschaft ist, die mit und nicht gegen die Natur arbeitet. Wer auf Chemie und Kunstdünger verzichtet, hat weniger Puffer, wenn das Wetter verrücktspielt. Und weniger Spielraum, wenn der Markt keine fairen Preise mehr zahlt.
Doch es wäre zu kurz gegriffen, die Bio-Landwirtschaft deshalb als gescheitert zu erklären. Im Gegenteil: Viele dieser Betriebe sind heute schon Vorreiter in Sachen Klimaanpassung. Was ihnen fehlt, ist nicht Innovationskraft – sondern Rückenwind. Von Politik, von Verbrauchern, von der Gesellschaft.
Bleibt die Frage: Wollen wir wirklich zuschauen, wie diejenigen aufgeben müssen, die sich um gesunde Böden, Artenvielfalt und gutes Essen bemühen? Oder nehmen wir diese Dürrezeiten als ein Weckruf – für ein neues Verständnis von Landwirtschaft, das mehr ist als Ertrag pro Hektar?
Die Bauern im Finistère jedenfalls machen weiter. Tag für Tag. Zwischen Hoffnung, Staub und dem Wunsch, nicht nur zu überleben – sondern die Zukunft der Landwirtschaft aktiv mitzugestalten.
Autor: C.H.