Aktuell · 17.07.2026 18:15
Braunalgen-Ernte in Lanildut bricht ein – Branche fürchtet Folgen der Meereserwärmung
Die Seegras- und Algenfischer von Lanildut im Finistere melden eine außergewöhnlich schwache Saison. Der Rückgang der Braunalgen bedroht nach Angaben von Fischern und Verarbeitern Arbeitsplätze sowie eine wichtige regionale Lieferkette.
Lanildut – 17.07.2026: Die Algenfischer im bretonischen Hafen Lanildut melden für die laufende Saison einen drastischen Rückgang ihrer Ernte. Nach ihren Angaben kehren mehrere Schiffe nur noch mit halb gefüllten Laderäumen zurück. Die Betriebe sehen ihre wirtschaftliche Grundlage gefährdet und führen die Entwicklung vor allem auf die Erwärmung des Meeres zurück. Auch eine langjährige intensive Nutzung der Bestände wird als möglicher Belastungsfaktor genannt.
Lanildut im Departement Finistere gilt als wichtigster Hafen für die Ernte von Braunalgen in Europa. Von Mai bis September bringen dort gewöhnlich rund 15 Spezialschiffe zwischen 40.000 und 55.000 Tonnen der Art Laminaria digitata an Land. Die an Felsen wachsende Alge wird mit einem mechanischen Haken geerntet. In diesem Jahr berichten die Fischer jedoch von deutlich kleineren Fanggebieten und ungewöhnlich geringen Mengen.
Im Mittelpunkt steht Laminaria digitata, die an der bretonischen Küste auch Tali genannt wird. Sie gedeiht in kühlem Wasser und bildet unter der Oberfläche ausgedehnte Bestände. Fischer berichten, dass sich in mehreren bisherigen Erntezonen zunehmend andere Algenarten ausbreiten. Besonders die sogenannte Bulben-Laminaria nehme Raum ein und verdränge den wirtschaftlich wichtigen Tali. Einen wissenschaftlich abgesicherten Einzelfallnachweis für die konkrete Ursache des diesjährigen Einbruchs gibt es bislang nicht.
Die Sorge der Branche fällt in eine Phase außergewöhnlicher Hitze. Fachleute der Naturreserve in der Bucht von Saint-Brieuc weisen darauf hin, dass marine Hitzewellen an der bretonischen Küste Ökosysteme stark belasten können. Steigende Wassertemperaturen beeinträchtigen Wachstum und Fortpflanzung von Organismen, die an kalte Gewässer angepasst sind. Die Reserve beschreibt eine langfristige Erwärmung des Meeres in ihrem Gebiet von etwa 0,1 Grad Celsius pro Jahr.
Für die regionale Wirtschaft reichen die möglichen Folgen weit über die Fischerei hinaus. Nach Angaben aus der Branche sind etwa 30 Algenfischer sowie rund 160 Beschäftigte in zwei Verarbeitungswerken im Finistere von der Ressource abhängig. Die Braunalgen werden unter anderem zur Gewinnung von Alginat verarbeitet. Dieser Stoff wird wegen seiner gelierenden und verdickenden Eigenschaften in Lebensmitteln, Kosmetik und pharmazeutischen Produkten eingesetzt.
JRS Marine Products in Landerneau gehört zu den Verarbeitern, die auf die regionalen Lieferungen angewiesen sind. Bei anhaltend knapper Ernte müssten Betriebe stärker auf getrocknete Algen aus Chile oder Peru zurückgreifen. Diese Importe sind nach Branchenangaben teurer und können die lokale Wertschöpfung nicht ersetzen. Die Entwicklung trifft damit eine Lieferkette, die eng mit den Küstenorten im Nordwesten der Bretagne verbunden ist.
Die aktuellen Warnungen stützen sich zudem auf ältere Forschung zur Klimaanfälligkeit der Art. Eine 2013 veröffentlichte Studie hatte lokale Rückgänge von Laminaria digitata an französischen, britischen und dänischen Küsten infolge steigender Temperaturen prognostiziert. Große Braunalgenbestände sind nicht nur Rohstofflieferanten: Sie bieten auch Fischen und Krebstieren Schutz und Lebensraum. Die diesjährige Erntekrise in Lanildut verschärft deshalb sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Sorgen.
Quellen
- Franceinfo
- AFP via Agri Mutuel
- Naturreserve der Bucht von Saint-Brieuc