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Alle Artikel · 23.03.2025 08:28

Brocéliande – Im Zauberwald der Bretagne

Wer die Bretagne bereist und nur Küste und Crêpes erwartet, dem flüstert Brocéliande zu: „Es gibt noch mehr zu entdecken.“ Zwischen geheimnisvollen Lichtungen, uralten Bäumen und Nebelschleiern, die wie aus einer anderen Welt wirken,...

Wer die Bretagne bereist und nur Küste und Crêpes erwartet, dem flüstert Brocéliande zu: „Es gibt noch mehr zu entdecken.“ Zwischen geheimnisvollen Lichtungen, uralten Bäumen und Nebelschleiern, die wie aus einer anderen Welt wirken, liegt ein Ort, der tief verwurzelt ist in Legenden – und gleichzeitig quicklebendig.

Die Rede ist von dem legendären „Forêt de Brocéliande“, auch bekannt als Wald von Paimpont. Auf etwa 11.000 Hektar erstreckt sich dieses waldreiche Gebiet über die Départements Ille-et-Vilaine und Morbihan. Eine grüne Welt, die nicht nur Wanderfreunde, sondern auch Märchensucher und Hobby-Ritter magisch anzieht.


Zwischen Eiche, Farn und Fantasie

Schon der erste Schritt in diese Waldwelt fühlt sich anders an. Man hört das Knacken von Zweigen, das Plätschern entfernter Quellen – und manchmal, mit etwas Fantasie, das Flüstern alter Geschichten.

Denn Brocéliande ist nicht einfach ein Wald. Es ist der Wald. Der aus den Artuslegenden. Der, in dem der Zauberer Merlin einst lebte. Der, in dem die geheimnisvolle Fee Viviane ihn verzauberte. Die berühmte „Dame vom See“ soll genau hier ihr kristallklares Reich gehabt haben. Und auch Morgane, die rebellische Halbschwester König Artus', treibt in diesen Erzählungen ihr Unwesen – genauer gesagt im sagenumwobenen „Tal ohne Wiederkehr“, wo sie untreue Ritter für immer gefangen hielt.

Kein Wunder, dass sich jährlich Tausende auf Spurensuche begeben. Einige hoffen vielleicht, ein Stück Magie mit nach Hause zu nehmen – andere suchen einfach die Ruhe zwischen Moos und Mythen.


Natur pur – und das im besten Sinne

Aber genug der Legenden. Oder vielleicht... nie genug?

Denn auch ganz ohne Zauberei zeigt Brocéliande seine beeindruckende Vielfalt. Die Landschaft ist abwechslungsreich: dichte Eichen- und Buchenwälder, dazwischen Kiefernhaine, Heideflächen, kleine Moore und glitzernde Teiche. Diese Vielfalt macht den Wald nicht nur optisch spannend – sie ist auch Heimat vieler Tiere.

Hier streifen Rehe durch das Unterholz, Wildschweine durchwühlen den Boden auf der Suche nach Futter, und über allem kreist majestätisch der Bussard. Vogelbeobachter? Kommt auf eure Kosten!

Übrigens: Wer genau hinschaut, entdeckt auch Frösche, Salamander und Libellen – besonders an den vielen kleinen Wasserstellen, die sich wie versteckte Oasen durchs Gelände ziehen.


Ein Wald, der Geschichten erzählt

Jetzt aber los – rein ins Abenteuer!

Mehrere gut ausgeschilderte Wanderwege führen durch Brocéliande. Sie sind in verschiedenen Schwierigkeitsgraden angelegt, von gemütlich bis sportlich. Ein Highlight auf diesen Wegen ist das „Château de Comper“. Von außen eine historische Schönheit, beherbergt das Schloss im Inneren das „Zentrum der Artus-Phantasie“ – eine Ausstellung, die sich den Legenden des Mittelalters widmet. Viel Magie, viele Geschichten, viel Staunen.

Ein Stück weiter wartet der „Goldene Baum“ – ein Kunstwerk aus Blattgold, das nach einem verheerenden Waldbrand 1990 aufgestellt wurde. Ein Symbol für die Erneuerung. Und irgendwie auch ein leuchtender Ankerpunkt im dichten Grün.

Nicht verpassen: die Fontaine de Barenton! Diese unscheinbare Quelle soll magische Eigenschaften besitzen – hier, so heißt es, beschworen Druiden einst Regen. Wer sein Ohr an die Quelle legt, hört vielleicht sogar ein Wispern...


Von kleinen Dörfern und großer Geschichte

Rund um die Waldgrenzen von Brocéliande verstecken sich Dörfer, die wie aus der Zeit gefallen wirken. Paimpont zum Beispiel – ein charmantes Örtchen direkt am See. Mit einer alten Abtei, kleinen Galerien und einem Marktplatz, auf dem es nach frischem Baguette und Apfelwein duftet.

Dann Tréhorenteuc. Winzig, aber mit großer Wirkung. Die kleine Kirche hier zeigt einzigartige Glasfenster, auf denen christliche Motive mit Artus-Legenden verschmelzen – ein Kuriosum und gleichzeitig ein Zeichen dafür, wie sehr Mythos und Realität in dieser Gegend verwoben sind.

Und Josselin? Dort thront ein prächtiges Schloss über dem Fluss Oust. Wer auf Burgen steht, ist hier richtig. Innen gibt’s ein Museum, außen einen Garten zum Verweilen. Und drumherum? Kopfsteinpflastergassen, Fachwerkhäuser und viel bretonische Lebensart.


Ein Fest für die Sinne – auch kulinarisch

Nach all den Wanderungen knurrt irgendwann der Magen. Gut so! Denn die Region hält einige Schmankerln bereit.

Crêpes sind natürlich Pflicht – mit salziger Butter und karamellisierten Äpfeln am besten. Wer’s deftiger mag, greift zu einer Galette mit Speck und Ei. Dazu ein Glas Cidre, leicht prickelnd und aus der Region.

Die Märkte der Dörfer bieten Ziegenkäse, Honig, Kräutersalze – viele der Produkte stammen direkt von kleinen Höfen aus der Umgebung. Wer lieber sitzt als sucht, dem seien die vielen kleinen Restaurants empfohlen, in denen Oma noch den Kochlöffel schwingt – bildlich gesprochen natürlich.


Jahreszeiten voller Stimmung

Und wann lohnt sich die Reise?

Im Frühling duftet es nach frischen Blüten, Vögel zwitschern um die Wette, und die Farben sind fast zu intensiv, um wahr zu sein. Der Sommer bringt Schatten und Lichtspiele – perfekt für lange Spaziergänge oder eine Picknickpause am See.

Im Herbst? Da wird die ganze Szenerie zur Farbpalette: Rostrot, Goldgelb, Kupfer. Es raschelt unter den Füßen, und plötzlich fühlt sich alles wie ein Fantasy-Filmset an. Und ja, der Winter – oft neblig, still, ein bisschen melancholisch – hat seinen ganz eigenen Reiz. Man kommt zur Ruhe, findet vielleicht sogar ein bisschen zu sich selbst.


Und sonst noch? Ein paar Tipps aus dem Rucksack

  • Vorbereitung: Unbedingt Kartenmaterial einpacken oder sich vorab im Tourismusbüro mit Infos versorgen. Die Wege sind gut markiert, aber manche Abzweigungen führen tief in die Märchenwelt.
  • Schuhe: Ohne festes Schuhwerk geht nichts. Selbst bei trockenem Wetter gibt’s feuchte Stellen – der Wald lebt eben.
  • Lokale Angebote: Nutzt die geführten Touren! Manche Guides erzählen so lebendig, dass man fast vergisst, dass das alles „nur“ Legenden sind...
  • Natur schützen: Klar, sollte selbstverständlich sein – aber bitte keine Abkürzungen durchs Unterholz nehmen oder Müll liegen lassen. Die Magie lebt auch vom Respekt.

Warum Brocéliande? Weil es mehr ist als ein Ort

Es ist ein Gefühl. Ein Flüstern aus alten Zeiten. Ein Ort, an dem sich Natur und Erzählung, Stille und Staunen begegnen. Ob man nun an Zauber glaubt oder nicht – man verlässt diesen Wald anders, als man ihn betreten hat.

Ein Reisebericht von V.O.Yager

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