MITTWOCH, 24. JUNI 2026 Anmelden / Beitreten Mitgliedskonto
Zurück

Alle Artikel · 01.09.2024 08:59

Burnout bei französischen Bürgermeistern: Eine alarmierende Realität

Die Bürgermeister ländlicher Gemeinden in Frankreich stehen am Rande der Erschöpfung, ja eines Burnouts. Das ist das erschreckende Ergebnis einer kürzlich durchgeführten Studie, die am 30. August im Auftrag des Verbands der ländlichen Bürgermeister...

Die Bürgermeister ländlicher Gemeinden in Frankreich stehen am Rande der Erschöpfung, ja eines Burnouts. Das ist das erschreckende Ergebnis einer kürzlich durchgeführten Studie, die am 30. August im Auftrag des Verbands der ländlichen Bürgermeister Frankreichs veröffentlicht wurde. Laut dieser Erhebung befinden sich 31,4 % der Bürgermeister in einem „Anfangsstadium der Erschöpfung“. Noch besorgniserregender ist, dass 3,48 % bereits an einer „schweren Erschöpfung“ leiden. Die Zahlen sprechen für sich, und die Situation ist alles andere als rosig.

Weibliche Amtsinhaberinnen sind besonders betroffen

Besonders auffällig ist, dass Frauen in politischen Ämtern überproportional von diesen Erschöpfungszuständen betroffen sind. Die Studie zeigt, dass 35 % der Bürgermeisterinnen in ihrer Rolle Erschöpfung verspüren, im Vergleich zu 29 % der männlichen Bürgermeister. Diese Differenz, so klein sie auch erscheinen mag, deutet auf eine besondere Verwundbarkeit von Frauen in diesen anspruchsvollen Positionen hin. Noch alarmierender ist die Tatsache, dass 3,63 % der weiblichen Amtsinhaberinnen stark betroffen sind, verglichen mit 3,36 % der männlichen Kollegen.

Ursachen des Burnouts: Enttäuschung, Müdigkeit und Schlafmangel

Der Burnout der kommunalen Amtsträger lässt sich, wie die Studie nahelegt, teilweise durch Gefühle der Enttäuschung, der Müdigkeit und der Ohnmacht erklären – sowie durch Schlafmangel. Diese emotionalen Belastungen seien „in der Regel die Folge eines hohen persönlichen Engagements“, stellen die Forscher fest. Bürgermeister seien demnach „gleichzeitig sehr engagiert und stark eingeschränkt“ in ihrer Arbeit. Besonders mögliche Isolation scheint das Risiko der Erschöpfung zu verstärken.

Bürokratische Hürden als Hauptstressor

Um die Belastung der kommunalen Amtsinhaber besser zu verstehen, haben die Forscher einen sogenannten „Stressometer“ entwickelt. Hierbei wurden die Bürgermeister gebeten, verschiedene Stressfaktoren zu benennen und deren Intensität auf einer Skala von 1 bis 5 zu bewerten. Das Ergebnis: Der größte Stressfaktor ist die „Komplexität und Schwierigkeit der Verwaltungsvorgänge“. Die Bürgermeister müssen sich mit einer Vielzahl von Themen wie Stadtplanung, Bildung und Sicherheit auseinandersetzen, von denen jedes spezifische Verwaltungsverfahren, Förderanträge und Ausschreibungen erfordert. Dies verstärkt den ohnehin schon vorhandenen Stress durch „Arbeitsbelastung und Zeitmangel“ zusätzlich.

Glück trotz allem: Was die Zufriedenheit fördert

Interessanterweise zeigt der „Satisfactometer“, ein weiteres Instrument der Studie, dass viele Bürgermeister trotz allem zufrieden mit ihrem Amt sind. Ganze 69,3 % der Befragten gaben an, mit ihrer Rolle als Bürgermeister zufrieden zu sein – ein Ergebnis, das selbst die Forscher überraschte. Die größten Quellen der Zufriedenheit sind laut der Studie das familiäre und freundschaftliche Umfeld sowie die erfolgreiche Umsetzung von Projekten. Auch Feiern und Zeremonien, bei denen die Bürgermeister im Mittelpunkt stehen, sowie ein gutes Verhältnis zum Gemeinderat und den Mitarbeitern tragen erheblich zur Zufriedenheit bei.

Prävention als Schutz der Demokratie

Der Verband der ländlichen Bürgermeister und die Organisation Amarok, die die Studie durchgeführt hat, planen, auf Basis der Ergebnisse ein System zur Früherkennung von Burnout-Risiken bei Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen zu entwickeln. Außerdem soll ein Unterstützungsprogramm für betroffene Amtsträger eingerichtet werden. Denn – so die Studie – „indem man die Bürgermeister schützt, schützt man die Republik selbst“.

Diese Untersuchung wurde von zwei Forschern der Organisation Amarok durchgeführt, die sich normalerweise mit der psychischen Gesundheit von Geschäftsführern kleiner und mittlerer Unternehmen beschäftigen. Die Datenbasis besteht aus 300.600 erfassten Daten von 1.120 Bürgermeistern (von Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern), die zwischen dem 22. Februar und dem 13. März 2024 erhoben wurden, sowie von 900 weiteren französischen Bürgermeistern zwischen dem 7. Juni und dem 11. Juli.

Nachrichten per E-Mail erhalten

Mit dem kostenlosen Mitgliedskonto von France Premium legen Sie fest, welche Hinweise Sie per E-Mail bekommen möchten: sofort bei wichtigen Meldungen oder als ruhige Tageszusammenfassung.

  • News und Tageszeitung nach Ihren Interessen
  • Wetter- und Verkehrshinweise für gewählte Regionen
  • Fußball-Liveereignisse zu ausgewählten Teams
  • Rezepte, Kultur, Veranstaltungen und Premium-Hinweise
Newsletter bestellen

Die Anmeldung ist kostenlos. Sie können Ihre Auswahl jederzeit im Mitgliedskonto ändern oder abbestellen.