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Alle Artikel · 09.10.2024 09:44

Cannes: Der Stadtteil Ranguin unter Druck – Drogenhandel und Gewalt eskalieren

Im Stadtteil Ranguin in Cannes-La Bocca hat sich die Lage in den letzten Wochen dramatisch zugespitzt. Am Dienstag, dem 8. Oktober, führten die Behörden gleich zwei großangelegte Polizeieinsätze durch, um gegen die zunehmende Kriminalität...

Im Stadtteil Ranguin in Cannes-La Bocca hat sich die Lage in den letzten Wochen dramatisch zugespitzt. Am Dienstag, dem 8. Oktober, führten die Behörden gleich zwei großangelegte Polizeieinsätze durch, um gegen die zunehmende Kriminalität und den florierenden Drogenhandel vorzugehen. Während die Polizei am Morgen mit Unterstützung des Spezialeinsatzkommandos RAID agierte, folgte am Nachmittag eine weitere Operation namens "Place nette". Der Stadtteil scheint auf einem gefährlichen Pfad zu sein, der immer mehr an die Zustände in berüchtigten Vierteln von Marseille erinnert.

Morgendlicher Schlag gegen den Drogenhandel

Bereits früh am Morgen – genau um 6 Uhr, dem legalen Beginn solcher Einsätze – schwärmten 75 Polizeikräfte in Ranguin aus. Ihr Ziel: zwei wichtige Drogenumschlagplätze. Die Polizei hatte im Vorfeld beobachtet, dass allein an diesen beiden Standorten bis zu 500 Transaktionen täglich abgewickelt wurden. Einer der Schwerpunkte lag in der Impasse Victor Hugo, wo vor allem Kokain verkauft wurde – mit bis zu 312 Deals am Tag. Der andere Punkt, in der Rue Chateaubriand, war auf Cannabis spezialisiert und verzeichnete etwa 200 Transaktionen täglich.

Der Einsatz führte zu vier Verhaftungen, darunter ein mutmaßlicher Leiter eines Drogenverkaufsstandes und zwei Aufseher. Zudem wurde bei der Durchsuchung einer sogenannten „Nourrice-Wohnung“ – einer Wohnung, in der Drogen gelagert werden – eine kleine Menge Kokain beschlagnahmt.

Die „Place nette“-Operation am Nachmittag

Doch die Polizei ruhte sich nicht auf den Erfolgen des Morgens aus. Wenige Stunden später, gegen 15 Uhr, rückten erneut 45 Beamte der Polizei, unterstützt von der mobilen Einheit CRS 81 aus Marseille, in den Stadtteil ein. Auch die örtliche Polizei von Cannes und weitere staatliche Einheiten waren im Einsatz. Ziel war es, nicht nur den Drogenhandel weiter zu bekämpfen, sondern auch Präsenz zu zeigen und das Sicherheitsgefühl der Bewohner zu stärken.

Diese Operation war von symbolischer Bedeutung: Es ging darum, die Dealer aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen und den Menschen in Ranguin zu zeigen, dass die Polizei die Kontrolle über die Straßen behalten möchte.

Bei der Aktion wurden 32 Personen überprüft, 15 Fahrzeuge und 4 Gebäude durchsucht. Das Ergebnis: Fünf weitere Festnahmen, davon drei im Zusammenhang mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zudem wurden sechs Fahrzeuge beschlagnahmt und sowohl Cannabispflanzen als auch Harz beschlagnahmt.

Ein Viertel am Rande des Abgrunds

Für die Anwohner von Ranguin sind diese Maßnahmen längst überfällig. Seit Jahren verschlechtert sich die Situation im Viertel. Drogenhändler dominieren das Straßenbild, bewaffnete Auseinandersetzungen häufen sich, und die Bewohner leben in ständiger Angst. Besonders beunruhigend ist die zunehmende Präsenz von „Choufs“, wie die sogenannten Drogenwächter genannt werden. Diese oft maskierten Jugendlichen beobachten und melden jede Bewegung der Polizei, was den Einsatzkräften ihre Arbeit zusätzlich erschwert. Ein Anwohner des Viertels beschreibt die Szenerie treffend: „Die Choufs stehen Tag und Nacht vor der Mediathek, Kinder trauen sich nicht mehr dorthin, um ihre Hausaufgaben zu machen.“

Besonders erschreckend: Vor wenigen Tagen wurde ein Mann, der es wagte, Dealer von seinem Fenster zu vertreiben, mit einer Schrotflinte angeschossen. Aus Angst vor Repressalien erstattete er keine Anzeige. Der Vorfall ist symptomatisch für die Atmosphäre der Angst, die sich im Viertel ausbreitet.

"Ranguin ist ein Drogen-Supermarkt"

Laïd Bouzetit, Vorsitzender des Syndikats zur Verteidigung von Cannes-La Bocca, beschreibt die dramatische Lage eindringlich: „Ranguin ist zu einem Supermarkt für Drogen geworden. Die Bewohner können nicht mehr!“ Seine Worte spiegeln die Frustration und Verzweiflung der Menschen wider, die das Gefühl haben, dass ihr Viertel unaufhaltsam den Kriminellen überlassen wird. Bouzetit warnt: „Wenn es so weitergeht, wird es wie in Marseille enden – und das wäre dann nicht mehr aufzuhalten.“

Ein schwieriger Kampf für die Polizei

Die örtliche Polizei sieht sich zunehmend überfordert. Trotz der intensiven Einsätze bleibt die Geografie des Viertels ein großes Hindernis. Ranguin ist durch eine enge, kreisförmige Straße zugänglich, was es den Choufs leicht macht, die Polizei frühzeitig zu warnen. „Die Drogenhändler haben die Gegend gut im Griff“, räumt ein Beamter ein. „Die Polizei hat in letzter Zeit ihre Präsenz erhöht, aber es bleibt eine Herausforderung, gegen diese Strukturen vorzugehen.“

Hoffnung auf Besserung?

Die beiden Polizeieinsätze vom 8. Oktober mögen kurzfristig ein Zeichen setzen, doch ob sie langfristig Wirkung zeigen, bleibt abzuwarten. Die Einwohner von Ranguin hoffen, dass der Druck auf die Dealer aufrechterhalten wird. Doch das Problem ist vielschichtig. Die Drogenkriminalität in Ranguin ist tief in der sozialen Struktur des Viertels verwurzelt – Armut, Ausgrenzung und fehlende Perspektiven spielen dabei eine große Rolle.

Polizeieinsätze können kurzfristige Erfolge bringen, doch ohne tiefgreifende soziale Maßnahmen wird es schwer, das Viertel nachhaltig zu stabilisieren. „Die Situation verschlimmert sich jedes Jahr“, sagt Bouzetit. Es scheint, als stünde Ranguin an einem Scheideweg – die kommenden Monate werden zeigen, ob sich der Stadtteil von der Gewaltspirale befreien kann oder ob er weiter ins Chaos abdriftet.

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