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À la une · 19.09.2025 08:01

Centre Pompidou – was mit den Kunstwerken während der Schließung passiert

Ein stillgelegtes Herz im Pariser Kulturleben. Ab September 2025 wird das Centre Pompidou für ganze fünf Jahre seine Türen schließen. Grund ist eine Generalüberholung, die so umfassend ist wie die Baustelle groß: Asbest muss...

Ein stillgelegtes Herz im Pariser Kulturleben. Ab September 2025 wird das Centre Pompidou für ganze fünf Jahre seine Türen schließen. Grund ist eine Generalüberholung, die so umfassend ist wie die Baustelle groß: Asbest muss entfernt, die Technik erneuert, die Sicherheit verbessert, die Energieeffizienz erhöht und die Fassade saniert werden. Kurzum – Beaubourg, dieser ikonische Kulturbaukasten im Herzen von Paris, braucht eine Generalreparatur, um fit für die Zukunft zu bleiben.

Doch was geschieht in der Zwischenzeit mit den rund 140.000 Kunstwerken der Sammlung? Sie verschwinden nicht einfach in einem dunklen Depot. Vielmehr beginnt für sie eine Art zweites Leben, das sowohl logistisch als auch kulturell höchst spannend ist.


Massy: die neue Schatzkammer

Der wichtigste Teil der Kollektion zieht nach Massy in der Essonne. Dort entsteht das Centre Pompidou Francilien, das im Herbst 2026 eröffnen soll. Nicht nur als riesiges Depot, sondern als „Kunstfabrik“ mit Werkstätten für Restaurierung, Ateliers, Vermittlungsräume und Ausstellungssäle. Ein moderner Tempel für die unsichtbare Arbeit hinter der Kunst.

Für viele Werke bedeutet das: Schutz vor Staub, Temperaturschwankungen und der täglichen Belastung durch Besucherströme. Doch auch, dass sie für einige Jahre nicht frei zugänglich sein werden.


Kunst auf Wanderschaft

Aber: Nicht alle Werke verschwinden ins Lager. Das Centre Pompidou will seine Sammlung bewegen, zeigen, teilen.

Geplant sind Kooperationen mit anderen Institutionen: Das Centre Pompidou-Metz bleibt ein starker Satellit, ebenso Partner wie das Grand Palais oder die Monnaie de Paris. Hinzu kommen regionale Exkursionen: Lyon, Lille, Toulon oder das Val-de-Loire sollen Gastgeber bedeutender Ausstellungen werden.

Und auch international reist die Sammlung: Leihgaben nach Europa, vielleicht nach Asien oder Amerika – Beaubourg bleibt ein globaler Player, selbst wenn sein Pariser Mutterschiff geschlossen ist.


Das Programm „Constellation“

Ganz verschwinden wird das Pompidou aus Paris nicht. Unter dem Titel „Constellation“ soll es zwischen 2025 und 2030 weiterleuchten – nur eben dezentral. Mit Partnerprojekten, Satelliten-Ausstellungen, künstlerischen Interventionen. Eine zerstreute, aber lebendige Kulturarbeit, die den Namen „Pompidou“ im Gespräch halten soll.

Und wer denkt, das neue Lager in Massy sei nur ein dunkler Tresor, irrt: Dort werden Workshops, Vermittlungsformate und Schausammlungen entstehen. Der Ort soll zum zweiten Puls des Centre Pompidou werden.


Zwischen Chance und Risiko

Doch so vielversprechend das klingt – es gibt Fallstricke.

Die Marke Pompidou verwässert: Wer das Centre Pompidou kennt, verbindet damit nicht nur Kunst, sondern den spektakulären Bau, die Rolltreppenröhre mit Blick auf die Pariser Dächer, das Gefühl, im Herzen einer Kunstmaschine zu stehen. Wird diese Identität fünf Jahre Pause überstehen?

Die Werke reisen – und riskieren: Auch bei bester Verpackung und strengsten Sicherheitsvorkehrungen bleibt jeder Transport ein Wagnis. Bilder, Skulpturen, empfindliche Materialien – sie alle sind nicht für ständiges Umherziehen geschaffen.

Ungleicher Zugang: Wer in Paris lebt, verliert für Jahre den direkten Zugang zur Sammlung. Wer mobil ist, profitiert von den Satelliten. Wer nicht reisen kann, geht womöglich leer aus.


Eine notwendige Pause

So schmerzhaft es ist – die Schließung war unausweichlich. Das Gebäude aus den 1970er Jahren ist von innen gealtert, marode, stellenweise gefährlich. Ohne tiefgreifende Sanierung hätte das Centre Pompidou sein Fundament verloren.

Die Kunstwerke selbst dürften von der Pause profitieren: bessere Lagerbedingungen, gezielte Restaurierungen, mehr wissenschaftliche Aufarbeitung. Und vielleicht auch: neue Begegnungen mit Menschen, die sonst nie nach Paris gereist wären.


Blick ins Jahr 2030

Wenn die Tore des Pompidou im Jahr 2030 wieder öffnen, wird die Spannung groß sein. Welche Werke kehren zurück auf die Hauptbühne? Wie sieht die neue Szenografie aus? Wird der Besuch moderner, interaktiver, barrierefreier – oder bleibt die radikale Klarheit des Originals?

Ebenso spannend: Hat die „Reisezeit“ in den Regionen und im Ausland neues Publikum gewonnen? Oder wird Paris sein kulturelles Herzstück mühsam neu zusammensetzen müssen?

Eine Frage bleibt: Wird das Pompidou danach wieder der alte Ort sein – oder entsteht etwas ganz Neues?


Fazit

Die Jahre 2025 bis 2030 werden für das Centre Pompidou keine stille Wartezeit, sondern eine Phase des Übergangs. Die Sammlung lagert, reist, erfindet sich neu. Zwischen Risiko und Chance, zwischen Depot und Bühne, zwischen Paris, Massy und der Welt.

Vielleicht zeigt sich gerade in der Schließung, wie lebendig eine Institution wirklich ist. Denn eine Ikone, die fünf Jahre unsichtbar bleibt und trotzdem präsent – das ist die wahre Kunst.

Autor: C.H.

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