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Alle Artikel · 23.04.2025 07:31

Chikungunya auf La Réunion: Ein tödliches Virus und der verzweifelte Kampf um Schutz

La Réunion erlebt gerade einen Gesundheitsnotstand – und das in einer Härte, die an die schlimmen Tage der Epidemie von 2005-2006 erinnert. Sieben Menschenleben hat das Chikungunya-Virus in diesem Jahr bereits gefordert, zuletzt ein...

La Réunion erlebt gerade einen Gesundheitsnotstand – und das in einer Härte, die an die schlimmen Tage der Epidemie von 2005-2006 erinnert. Sieben Menschenleben hat das Chikungunya-Virus in diesem Jahr bereits gefordert, zuletzt ein tragisches Opfer: ein erst ein Monat altes Baby. Eine virale Bedrohung, die sich für die tropische Insel zur bitteren Realität entwickelt – und deren Schatten auf alle fällt, die dort leben.

Ein Baby stirbt – und die Insel hält den Atem an

Der Tod des Säuglings am 20. April im Krankenhaus von Saint-Pierre hat die ganze Insel erschüttert. Eine Hirnentzündung, ausgelöst durch Chikungunya, wurde dem kleinen Körper zum Verhängnis – eine besonders grausame Komplikation, die vor allem Neugeborene und ältere Menschen trifft. Dass das Virus nicht nur Gelenkschmerzen verursacht, sondern auch schwere neurologische Schäden anrichten kann, wird oft unterschätzt.

Doch genau das macht diese Epidemie so heimtückisch.

Zahlen, die Angst machen

Etwa 100.000 Infektionen könnten sich auf La Réunion bereits ereignet haben – auch wenn bislang nur rund 35.000 Fälle per PCR-Test bestätigt sind. Diese Dunkelziffer lässt aufhorchen: Fast jeder neunte Einwohner dürfte infiziert sein. Ein Szenario, das Erinnerungen weckt an den Ausbruch vor knapp 20 Jahren, als über 260.000 Fälle registriert wurden.

Vor allem die Schwächsten leiden. Ein Viertel aller Krankenhauseinweisungen betrifft Babys unter sechs Monaten – sie sind die Verletzlichsten in diesem Kampf gegen das Virus.

Behörden unter Druck

Anfang April reagierten die Behörden mit der Aktivierung des Plan Blanc – einer Notfallstrategie, die es ermöglicht, Ressourcen in den Krankenhäusern zu bündeln. Doch während Ärzte und Pflegekräfte am Limit arbeiten, ist auch die Politik gefordert. Emmanuel Macron, bei einem Besuch auf La Réunion, kündigte den Kauf von 60.000 weiteren Dosen des Impfstoffs Ixchiq an. Ein Hoffnungsschimmer? Vielleicht.

Aber das Vertrauen ist brüchig: Gerade einmal 3.000 Menschen wurden bislang geimpft. Die Kampagne läuft schleppend – Unsicherheiten, zögerliche Aufklärung und eine gewisse Impfmüdigkeit bremsen den Fortschritt. Besonders die Risikogruppen – ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen – sollen priorisiert werden. Und doch scheint das Misstrauen tief zu sitzen.

Schutz für die Ungeborenen

Macron betonte bei seinem Besuch auch den Schutz von schwangeren Frauen – ein Thema, das auf La Réunion hochsensibel ist. Denn eine Ansteckung während der Schwangerschaft kann auf das ungeborene Kind übergehen und fatale Folgen haben. Doch genau hier fehlt es noch immer an Aufklärung und Schutzmaßnahmen – auch das Vertrauen in staatliche Kampagnen ist angeschlagen.

Was nun? Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Situation ist ernst – auch wenn sie derzeit noch nicht das Ausmaß von 2005-2006 erreicht hat. Doch die schnelle Verbreitung des Virus, die Belastung der Krankenhäuser und die Verunsicherung der Bevölkerung bilden eine gefährliche Mischung. Es braucht mehr als Impfdosen. Es braucht eine offensive Informationspolitik, sichtbare Schutzmaßnahmen und vor allem: eine Inselgemeinschaft, die gemeinsam handelt.

Der Tod des kleinen Kindes ist eine Mahnung, die nicht ignoriert werden darf. Chikungunya ist kein harmloser Virus – es ist ein Killer, der zuschlägt, wenn man ihn unterschätzt. Und gerade jetzt, wo sich die Zahl der Infizierten weiter steigert, ist der Moment, zu handeln. Damit nicht noch mehr Leben verloren gehen.

Denn jede Verzögerung ist ein Risiko – und La Réunion kann es sich nicht leisten, dieses Spiel zu verlieren.

Von Catherine H.

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