Alle Artikel · 24.04.2025 06:27
Chikungunya auf La Réunion: Eine Epidemie, die nicht locker lässt
La Réunion steht Kopf – und das liegt nicht am Wind, der über die Vulkaninsel fegt. Seit Monaten breitet sich dort das Chikungunya-Virus unaufhaltsam aus. Über 39.000 bestätigte Fälle seit Jahresbeginn, neun Todesopfer, weitere...
La Réunion steht Kopf – und das liegt nicht am Wind, der über die Vulkaninsel fegt. Seit Monaten breitet sich dort das Chikungunya-Virus unaufhaltsam aus. Über 39.000 bestätigte Fälle seit Jahresbeginn, neun Todesopfer, weitere Verdachtsfälle in Untersuchung. Das ist nicht einfach nur eine Zahlenreihe – es ist ein Alarmsignal, das die ganze Insel betrifft.
Und das Virus? Das kommt auf leisen Sohlen. Übertragen von der Tigermücke, schleicht es sich ein – mit Fieber, Gelenkschmerzen, die einem das Aufstehen verleiden, Kopfschmerzen. Für die meisten geht das vorbei. Aber für manche wird es gefährlich.
Gerade die Alten und die ganz Kleinen erwischt es schwer.
Wer am meisten leidet
Schauen wir genauer hin: Unter den 47 schweren Fällen, die bisher registriert wurden, waren 27 ältere Menschen über 65 Jahre und 17 winzige Säuglinge unter drei Monaten. Menschen, deren Körper mit der Krankheit weniger gut fertig wird, die anfälliger sind für das, was andere vielleicht als lästigen Infekt abtun.
Von den insgesamt 261 Krankenhausaufenthalten, die länger als 24 Stunden dauerten, entfiel fast die Hälfte auf Senioren, während etwa ein Viertel die Jüngsten betraf – Kinder unter sechs Monaten.
Da wird es greifbar: Diese Epidemie ist mehr als eine abstrakte Gefahr. Sie trifft die Verletzlichsten – die, die Schutz am dringendsten brauchen.
Ein Hoffnungsschimmer – der aber noch schwach leuchtet
Seit Anfang April gibt es einen Impfstoff: Ixchiq, der erste seiner Art in Europa gegen Chikungunya. 40.000 Dosen wurden auf die Insel gebracht – vielversprechend, oder? Nun ja, bislang haben sich nur rund 3.000 Menschen impfen lassen. Das ist, gelinde gesagt, ein mühsamer Start.
Warum zögern so viele? Vielleicht liegt es an der Unsicherheit, an der Neuheit des Impfstoffs, vielleicht auch an logistischen Hürden. Jedenfalls bleibt das Tempo der Kampagne – noch – hinter den Erwartungen zurück.
Sogar während des Besuchs von Präsident Macron war das ein Thema. Gérard Cotellon, der Chef der Regionalen Gesundheitsagentur, sprach offen von den Startschwierigkeiten. Da hilft kein Drumherumreden.
Das Déjà-vu von 2005
Manche erinnern sich noch gut an die Epidemie von 2005 bis 2006. Damals traf es 260.000 Menschen, über 200 starben. Auch diesmal fühlt es sich an wie ein böser Traum, der wiederkehrt – nur hoffentlich mit einem anderen Ausgang.
Das Virus ist nicht neu, aber seine Bedrohung bleibt aktuell. Besonders für Inseln wie La Réunion, wo das Klima den Tigermücken paradiesische Bedingungen bietet.
Mücken, winzig klein, aber mit enormer Wirkung.
Und jetzt?
Der Appell ist klar: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Die Menschen auf La Réunion werden gebeten, Mückenschutz zu tragen, lange Kleidung, stehendes Wasser zu meiden – wo immer Tigermücken ihre Eier ablegen könnten. Und natürlich: sich impfen zu lassen, vor allem, wenn sie zu den Risikogruppen gehören.
Aber seien wir ehrlich: Maßnahmen alleine reichen nicht, wenn nicht alle mitziehen. Es braucht das gemeinsame Handeln, den kollektiven Willen, das Virus in die Schranken zu weisen.
Wie heißt es so schön? Viele kleine Leute, die in vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.
Ein Gemeinschaftsprojekt
Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos. Mit Mut, Vernunft und dem Wissen, dass jeder Einzelne zählt, lässt sich auch diese Epidemie bekämpfen. Die Insel hat es schon einmal geschafft – sie kann es wieder schaffen.
Autor: Andreas M. B.