Aktuell · 15.07.2026 05:03
Christopher Nolan setzt mit “Die Odyssee” auf die Wucht des alten Mythos
Christopher Nolans dreizehnter Spielfilm startet am 15. Juli in Frankreich. "Die Odyssee" verwandelt Homers Heimkehrerzählung mit Matt Damon und einem großen Ensemble in ein knapp dreistündiges IMAX-Ereignis.
Paris – 15.07.2026: Christopher Nolan schickt einen der ältesten Stoffe der Weltliteratur zurück auf die größtmögliche Leinwand. "Die Odyssee", seine Verfilmung des homerischen Epos, kommt an diesem Mittwoch in die französischen Kinos. Es ist der dreizehnte Spielfilm des britisch-amerikanischen Regisseurs und, gemessen an Schauplätzen, Technik und Laufzeit, sein bislang ausgreifendstes Unternehmen.
Im Zentrum steht Odysseus, der König von Ithaka, der nach dem Trojanischen Krieg zehn Jahre lang um die Heimkehr ringt. Homer erzählt von einem Mann zwischen Sehnsucht und Selbstbehauptung, von Meeresstürmen, Götterlaunen und der Geduld einer wartenden Familie. Nolan will diese antike Welt nicht als museale Kulisse behandeln, sondern als körperliche Erfahrung: Salz, Fels, Dunkelheit und das unerquicklich weite Meer sollen spürbar werden.
Matt Damon spielt Odysseus. An seiner Seite versammelt Nolan ein Ensemble, das beinahe wie das Programm eines kleinen Festivals klingt: Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong'o, Zendaya und Charlize Theron gehören dazu. Die Starbesetzung ist bei Nolan inzwischen weniger Schmuck als Arbeitsmethode. Seine Figuren erhalten Gesichter, die dem Publikum vertraut sind, und müssen sich dann doch in einer Welt behaupten, in der kein Ruhm vor dem nächsten Ungeheuer schützt.
Gedreht wurde an Originalschauplätzen in sechs Ländern, darunter in Griechenland, Island, Marokko und Italien. Für die Seereisen nutzte die Produktion ein reales Schiff, das für die mykenische Epoche umgestaltet wurde. Auch die Höhle des Zyklopen und die Landschaft des Hades sollten nicht bloß am Computer entstehen. Nolan bleibt damit seiner Vorliebe für handfeste Bildräume treu, selbst wenn die Götter nun deutlich mehr Mitspracherecht haben als bei "Oppenheimer".
Besonders konsequent ist die technische Entscheidung: "Die Odyssee" wurde vollständig auf IMAX-Film aufgenommen, also auf großformatigem analogem Material. Das Verfahren liefert eine außergewöhnlich hohe Bildauflösung und ist für seine unmittelbare, fast greifbare Tiefe bekannt. Die Laufzeit beträgt 172 Minuten. Nolan verlangt seinem Publikum damit Geduld ab, doch gerade Homers Erzählung weiß, dass Umwege keine bloßen Verzögerungen sind, sondern der Stoff, aus dem Geschichten werden.
Der Regisseur hat nach eigenen Angaben verschiedene Übersetzungen und Bearbeitungen des Epos studiert, bevor er das Drehbuch schrieb. Diese Sorgfalt ist entscheidend, denn Homers "Odyssee" ist kein starres Monument. Seit fast drei Jahrtausenden wird sie neu gelesen, nacherzählt und widersprochen. Ihr Held ist klug, manchmal grausam, oft erschöpft; seine Heimkehr ist kein Triumphzug, sondern ein moralischer Test.
Für Frankreich fällt der Kinostart auf den 15. Juli, zwei Tage vor dem amerikanischen Start am 17. Juli. Nach den historischen und atomaren Erschütterungen von "Oppenheimer" sucht Nolan nun die Urform des Abenteuers auf. Seine "Odyssee" verspricht Spektakel, gewiss. Interessanter ist jedoch die leisere Frage darunter: Was bleibt von einem Menschen, wenn der Weg nach Hause länger wird als jedes Versprechen?
Quellen
- Franceinfo
- Associated Press
- Universal Pictures
- L'Officiel des spectacles