Aktuell · 30.06.2026 11:26
Clément Cogitore prägt den Süden: Aix, Arles, Mucem – ein Sommer zwischen Oper, Installation und Ausstellung
Der Künstler und Regisseur Clément Cogitore steht im Zentrum mehrerer Projekte im Süden Frankreichs: Er eröffnet die Saison beim Festival d’art lyrique d’Aix-en-Provence, zeigt eine Installation in Arles und ist mit einer Ausstellung im…
Aix-en-Provence – 30.06.2026: Der Sommer an der französischen Mittelmeerküste formiert sich in diesem Jahr um eine Künstlerpersönlichkeit, die zwischen Film, Performance und Bildender Kunst pendelt. Clément Cogitore, längst etabliert, eröffnet in Aix-en-Provence das Festival d’art lyrique und überträgt das erzählerische Denken seiner Filme auf die Opernbühne. Der Festivalzyklus startet am 02.07., die Inszenierung ist als Dialog von Bildraum und Stimmen angelegt und verknüpft Gegenwart mit Erinnerung. Die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Leonardo García-Alarcón setzt auf klangliche Dichte, die den visuellen Zugriff von Cogitores Regie spiegelt.
Cogitores Praxis kreist seit Jahren um die Montage von Zeit und Erinnerung. Seine Bildwelten greifen auf Amateurarchive, militärische Aufnahmen und mythische Narrative zurück und montieren sie zu neuen Lesarten des Kollektiven. In Aix bedeutet das, Musiktheater als Erfahrungsraum zu denken, in dem Projektionen, Licht und Bewegung den Blick leiten, ohne das Primat der Stimme zu unterlaufen. Die Oper wird so zum Ort, an dem Geschichte nicht illustriert, sondern als gegenwärtiges Echo erfahrbar wird.
Parallel zeigt Cogitore in Arles eine Installation. Die Stadt ist mit den Rencontres d’Arles ein europäischer Schwerpunkt der Fotografie; die Platzierung seines Projekts fügt sich in diese Tradition der Bildbefragung. Ausgangspunkt ist das audiovisuelle Archiv als wandelbarer Speicher gesellschaftlicher Erfahrungen. Die Arbeit lädt dazu ein, Bilder nicht als feste Dokumente zu lesen, sondern als Material, das im kollektiven Gedächtnis weiterarbeitet und Bedeutungen verschiebt. In der sommerlichen Dichte der Rencontres trifft die Installation auf ein Publikum, das für formale Experimente offen ist.
Dritter Pol ist Marseille: Im Mucem ist die Ausstellung "Ferdinandea, l’île éphémère" zu sehen. Sie nimmt die kurze, spektakuläre Erscheinung einer vulkanischen Insel im 19. Jahrhundert zum Ausgang, um zu zeigen, wie Naturereignisse zu politischen und symbolischen Projektionen werden. Filmsequenzen, 16-mm-Material, Fotografien und Dokumente werden so kuratiert, dass sie nicht nur informieren, sondern die Mechanik der Bildwerdung freilegen: Wie entsteht ein Mythos? Welche Rolle spielen Museen in dieser Übersetzung von Ereignis in Erzählung?
Der Dreiklang Aix–Arles–Marseille markiert mehr als eine regionale Verdichtung. Er zeigt, wie Cogitore zwischen Publikumsformaten wechselt, ohne seine ästhetischen Fragen zu verlieren: Oper als kollektives Ereignis, Installation als offener Handlungsraum, Ausstellung als reflexiver Speicher. Wer in den kommenden Wochen in den Süden reist, findet Arbeiten, die politische und historische Stoffe leise, aber präzise adressieren – über die Intensität der Bilder, nicht über Thesen. So entsteht ein Sommer, der die Region kartiert, indem er ihre Geschichten neu belichtet.
Quellen
- Franceinfo
- Mucem
- Festival d'Aix-en-Provence / Festivalprogramm