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Aktuell · 02.07.2026 12:46

Cour de révision hebt Urteil gegen Dany Leprince auf – neuer Prozess angeordnet

Die Cour de révision in Paris hat am 02.07.2026 die lebenslange Verurteilung von Dany Leprince im Fall des Vierfachmords von 1994 aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet. Ausschlaggebend waren neue, bislang nicht berücksichtigte Elemente,…

Paris – 02.07.2026: Die Cour de révision et de réexamen der strafrechtlichen Verurteilungen hat am Donnerstag die Verurteilung von Dany Leprince aufgehoben und die Neuverhandlung des Falls angeordnet. Die Entscheidung ist außerordentlich selten und markiert einen juristischen Wendepunkt in einem der bekanntesten Kriminalfälle der 1990er Jahre in Frankreich. Nach Angaben des Gerichts lagen neue, zuvor nicht gewürdigte Elemente vor, die zwei tragende Beweise der damaligen Anklage maßgeblich in Frage stellen.

Die Rechtslage sieht vor, dass eine Verurteilung aufgehoben werden kann, wenn neue Tatsachen bekannt werden, die geeignet sind, die Schuldfrage zu erschüttern. Eine entsprechende Kommission hatte im Vorfeld das Vorliegen solcher Elemente bejaht. Mit der nun erfolgten Aufhebung ist der Weg für einen erneuten Prozess frei, in dem eine andere Kammer die Beweise vollständig neu prüft. Eine Feststellung der Unschuld ist damit nicht verbunden; die Entscheidung sichert vielmehr, dass zentrale Indizien und Gutachten unter aktuellen Maßstäben nochmals bewertet werden.

Im Saal zeigte sich die Tragweite der Entscheidung auch menschlich. Leprince, mittlerweile im Rentenalter, reagierte laut anwesenden Medienberichten ergriffen und wurde von Angehörigen gestützt. Seine Verteidiger hatten seit Jahren auf eine Wiederaufnahme hingearbeitet und 2021 eine neue Revisionsanfrage eingereicht, nachdem Ermittlungsansätze und forensische Bewertungen Zweifel an Teilen der damaligen Beweisführung genährt hatten. Die Staatsanwaltschaft hatte die Prüfung erwartet und kündigte an, den weiteren Ablauf konstruktiv zu begleiten.

Der Fall geht auf eine Bluttat in der Sarthe im Jahr 1994 zurück und hatte landesweit Aufsehen erregt. Leprince war 1997 wegen vierfachen Mordes schuldig gesprochen worden und verbrachte viele Jahre in Haft; zwischenzeitliche Lockerungen änderten an der Rechtskraft des Urteils nichts. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Zeugenaussagen sowie einzelne forensische Schlussfolgerungen kritisch neu betrachtet. Diese Entwicklung, verbunden mit technischen Fortschritten und erneuter Aktenanalyse, hat nun die Schwelle zur Revision überschritten.

Als Nächstes muss das zuständige Gericht Termin, Umfang und Modalitäten der neuen Hauptverhandlung festlegen. Dabei sind Verfahrensfragen zu klären, etwa die Ladung von Zeugen, die Einholung aktueller Gutachten und der Umgang mit früheren Beweisstücken. Justizbehörden verweisen darauf, dass das Revisionssystem zwei Ziele verbindet: Rechtssicherheit zu gewährleisten und zugleich die Korrektur möglicher Fehler zu ermöglichen. Der Fall Leprince dürfte die Debatte über Qualitätssicherung in Strafverfahren, den Umgang mit Altverfahren und die Rolle moderner Forensik in Frankreich erneut befeuern.

Quellen

  • Franceinfo
  • TF1 Info
  • Le Monde
  • AFP

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