Covid-19: Ein Frankreich mit zwei Gesichtern

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Wenn man sich eine Karte von Frankreich vorstellt, auf der die Inzidenzrate (Anzahl der positiven Personen pro 100.000 Einwohner), die Anzahl der Personen, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden und die Anzahl der Personen, die auf der Intensivstation liegen, zu sehen sind, dann sieht man ein Land, das entlang einer Linie, die von der Normandie bis zur Region Provence-Alpes-Côte d’Azur verläuft, in zwei Hälften geschnitten ist.

Im Westen sind Departements von der Epidemie relativ verschont geblieben, und es gibt sogar einige Gegenden, vor allem in der Bretagne, in denen das Coronavirus fast nicht mehr zirkuliert. Im Osten hingegen zirkuliert das Virus so stark, dass eine mögliche Überlastung der Krankenhäuser zu befürchten ist, wie es auch im vergangenen Frühjahr im Osten Frankreichs der Fall war. Mit anderen Worten, für das Gesundheitspersonal des östlichen Teils des Landes, sind die Aussichten beunruhigend.

Umso mehr, als der wissenschaftliche Rat in seiner letzten Stellungnahme vom 22. Dezember – die aber erst am vergangenen Dienstag veröffentlicht wurde – nicht gerade beruhigend wirkte. “Nach einer Periode des Rückgangs der Epidemie kommt das Jahresende in einem Kontext starker epidemiologischer Unsicherheit und der Möglichkeit eines unkontrollierten Wiederaufflammens der Epidemie im Januar 2021”, schrieb der Rat direkt vor Weihnachten und befürchtete, dass die Festtage “eine Zunahme der Ansteckungen” verursachen würden. Vor der Silvesternacht hatten laut einer Odoxa-Umfrage 25 % der Franzosen die Absicht, das neue Jahr mit Freunden zu feiern, was etwa 13 Millionen Menschen entspricht. Seit dem 1. Januar hat die Exekutive daher ein besonders aufmerksames Auge auf die epidemiologischen Zahlen geworfen.

Um dem Wiederaufflammen der Epidemie am Jahresende zu begegnen, hatte der wissenschaftliche Rat drei Optionen vorgeschlagen: einen strikten Lockdown ab dem 28. Dezember – der von der Regierung abgelehnt wurde – oder eine weitere Verschärfung der restriktiven Maßnahmen – Olivier Véran kündigte daraufhin am 29. Dezember eine von 18 bis 6 Uhr statt von 20 bis 6 Uhr verlängerte Ausgangssperre in einer Reihe von Departements Ostfrankreichs ab dem 2. Januar an.

Zulange abgewartet?
Vorerst bleibt die Regierung bei der weicheren Option der verlängerten Ausgangssperre. Zum großen Unmut einiger Bürgermeister im Osten und Südosten des Landes. Am Mittwoch drückten gewählte Vertreter, darunter der LR-Präsident der Region Grand Est, Jean Rottner, ihr Bedauern über die “abwartende” Haltung der Regierung angesichts des Wiederauflebens von Covid-19 aus. “Ich verstehe, dass die Regierung eher in einer abwartenden Position ist und versucht zu sehen, wie sich die Epidemie entwickelt, aber ich hätte mir gewünscht, dass wir in der Lage wären, diese Ferienzeit zu nutzen, in der die Aktivität sowieso schon etwas heruntergefahren ist”, um “eine Art Shutdown” einzurichten, sagte Jean Rottner.

“Wir hatten auf eine Beschleunigung der verfügbaren Impfungen und bessere Grenzkontrollen gehofft. Uns wird eine Vorverlegung der Ausgangssperre um 18 Uhr vorgeschlagen, mit einer variablen Geografie, deren sanitäre Effizienz nicht feststeht”, beklagte Jean Leonetti, Bürgermeister von Antibes. Mehrere Abgeordnete haben strenge regionale Lockdowns gefordert, die die Regierung aber im Moment nicht in Betracht zieht.


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