Das „blaue Gold der Provence“

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Lavendelfeld in Moustiers-Sainte-Marie, Foto RD LH

… steht vielleicht sogar bei dir auf der Fensterbank oder im Garten!

Der Lavendel kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wächst und gedeiht aber überall dort, wo er genügend Licht und Wärme bekommt. Man kennt viele verschiedene Sorten, die alle den charakteristischen, aromatischen Duft haben, sich aber farblich unterscheiden können. Von hellem Blau bis zu tiefem Violett reicht die Palette, und es gibt sogar Lavendel mit weißen oder rosa Blüten. Zur mediterranen Stimmung allerdings gehören die blauvioletten Blüten, nach denen man jede solche Farbe als „lavendel(farben)“ bezeichnet.

Der Name geht auf das lateinische „lavandula“ zurück, ein Wort, das von lavare = waschen abgeleitet ist. Schon die alten Römer*innen setzten die Blüten gern dem Waschwasser oder dem Bad zu.

Auch im victorianischen England (19. Jh.) setzten junge Frauen den Lavendelduft ein. Sie hatten grundsätzlich ihr Riechfläschchen, genannt „Vinaigrette“, dabei, das neben Essig (daher der Name) auch Lavendelöl enthielt. Der Duft sollte nicht nur unangenehme Gerüche vertreiben, sondern wurde auch bei drohenden Ohnmachten wegen zu eng geschnürter Mieder eingesetzt.

Apropos England: Dorther kommt der spezielle „englische Lavendel“, der allerdings nur im Süden gedeiht, wo es sonnenreich ist und die Sommer trocken sind.

Das ist wenig im Vergleich zu der Menge Lavendel, die auf den großen Feldern in Südfrankreich wächst. Im 18. Jahrhundert fing man in Grasse, damals ein Zentrum der Lederverarbeitung, an, das Leder zu parfümieren. Die Nachfrage nach Lavendel zur Herstellung von Parfüm stieg schnell an, wodurch sich für Kleinbauern und arme Leute eine wichtige Einnahmequelle aus dem Lavendelpflücken ergab. Sie verkauften die Blüten an die Parfümhersteller in Grasse. Der Lavendelbedarf stieg immer weiter an, und um 1920 mussten sogar Gastarbeiter aus dem Piemont beim Pflücken mithelfen.

Aber nicht nur der Duft von Lavendel wurde seit jeher geschätzt, sondern auch seine Eigenschaften als Heilpflanze. Dazu gibt es eine Geschichte, von der nicht klar ist, ob sie sich in Toulon oder in Marseille ereignet hat … Als 1630 die Pest herrschte, wurden viele Leute krank und starben. Alle hatten Angst vor Ansteckung. Umso erstaunter waren Wächter, als sie vier Männer erwischten, die trotz Ansteckungsgefahr Leichen ausplünderten. Die vier wären zum Tode verurteilt worden, konnten aber ihre Freilassung erwirken, indem sie das Geheimnis ihrer Immunität gegen die Pest preisgaben: das Rezept ihres „Vier-Diebe-Essigs“. Sie hatten Essig mit verschiedenen Kräutern, darunter Lavendel, gemischt und damit den Mund ausgespült und den Körper eingerieben.

Heute wird Lavendel mit seinen ätherischen Ölen immer noch hoch geschätzt. Er wird nach wie vor als Duftstoff in der Parfümherstellung eingesetzt und weiterhin in der Heilkunde verwendet. Sein Duft wirkt übrigens auch insektenabweisend, weshalb man gerne Lavendelsäckchen in Kleiderschränke legt, um Motten abzuwehren. Als Tee eingenommen wirkt er beruhigend und verhilft zu einem guten Schlaf.

Zum Schluss will ich dir ein bisschen Aberglauben zum Lavendel nicht vorenthalten: Er soll gute Hexen vor der Verfolgung durch den Teufel gerettet haben. Das Böse wurde durch Lavendelsträucher rund ums Haus ferngehalten. Und Lavendelblüten zwischen den Bettlaken sollen dafür sorgen, dass sich ein Paar nie streitet. Vielleicht möchtest du das ausprobieren? Wie sagt der alte Spruch: Hilft es nicht, so schadet’s nicht …

Deine Elisa


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