Abonnenten · 14.09.2025 13:35
Departement Landes: Handy am Steuer könnte ab November den Führerschein kosten
Ein kurzer Blick aufs Handy, eine WhatsApp-Nachricht, ein schneller Griff zum Telefon – und schon ist die Aufmerksamkeit weg von der Straße. Was oft wie eine harmlose Nebensache wirkt, ist einer der größten Risikofaktoren...
Ein kurzer Blick aufs Handy, eine WhatsApp-Nachricht, ein schneller Griff zum Telefon – und schon ist die Aufmerksamkeit weg von der Straße. Was oft wie eine harmlose Nebensache wirkt, ist einer der größten Risikofaktoren im Straßenverkehr. Genau dagegen zieht das Département Landes im Südwesten Frankreichs nun die Reißleine.
Ein Sommer mit tragischen Zahlen
Zehn Verkehrstote allein zwischen Juni und August 2025. Mehr als 3.000 Verstöße gegen das Handyverbot seit Jahresbeginn. Die Polizei in den Landes hat alle Hände voll zu tun – und die Bilanz ist erschütternd.
Präfekt Gilles Clavreul spricht deshalb von einem notwendigen „choc de conscience“, einem Schockmoment, der die Menschen wachrütteln soll. Denn so normal das Telefonieren oder Tippen am Steuer für viele geworden ist – so tödlich sind die Folgen.
Erst Verwarnung, dann harte Kante
Ganz ohne Übergang geht es aber nicht. Zunächst, im Oktober, soll es eine Art Schonfrist geben: Wer erwischt wird, erhält noch eine pädagogische Verwarnung. Die bekannten Strafen – 135 Euro Bußgeld und drei Punkte in Flensburgs französischem Pendant – bleiben bestehen.
Ab November allerdings wird es ernst. Dann droht die sofortige Entziehung des Führerscheins, administrativ verhängt, für bis zu sechs Monate. Ein radikaler Schritt, der Frankreichs Verkehrspolitik neue Schärfe verleiht.
Zwischen Zustimmung und Protest
Klar, viele begrüßen das Vorgehen. „Endlich passiert was“, sagen Befürworter, die genug haben von Autofahrern mit gesenktem Blick aufs Display. Doch es regt sich auch Widerstand. Besonders in ländlichen Regionen, wo Bus und Bahn keine wirkliche Alternative sind, wirkt ein monatelanger Führerscheinentzug wie eine soziale Strafe.
Der Verkehrsrechtsanwalt Jean-Baptiste Josca hält den Ansatz daher für überzogen. Seine These: Mehr Prävention, bessere Aufklärung und gezieltere Kontrollen hätten denselben Effekt – ohne Menschen in ländlichen Gebieten praktisch die Mobilität zu entziehen.
Signalwirkung über die Landes hinaus
Die Landes sind zunächst ein Testgebiet. Aber was, wenn die Bilanz positiv ausfällt? Dann könnte dieses Modell Schule machen – zunächst in anderen Départements, womöglich später landesweit. Denn das Problem ist keineswegs regional: Frankreichweit greifen Millionen Autofahrer regelmäßig zum Handy, trotz aller Appelle, trotz Unfallstatistiken, trotz Bußgeldern.
Die Maßnahme in den Lande ist daher auch ein politisches Statement: Sicherheit vor Bequemlichkeit, Strenge statt Appelle.
Zwischen Alltag und Risiko
Wer schon einmal auf einer Landstraße gesehen hat, wie ein Auto unruhig nach links und rechts pendelt, weiß: Ablenkung am Steuer ist nicht abstrakt. Sie ist sichtbar, gefährlich, allgegenwärtig.
Die Diskussion um Strafen und Prävention stellt sich also immer auch als eine Frage: Wie viel Risiko sind wir bereit, im Alltag zu akzeptieren – für eine SMS, für einen kurzen Blick aufs Display?
Ein Experiment mit offenem Ausgang
Noch ist offen, ob die neue Härte tatsächlich die Zahl der Unfälle reduziert oder ob sie vor allem für Schlagzeilen sorgt. Sicher ist: Der Schritt der Präfektur des Departements Landes hat eine Debatte angestoßen, die längst überfällig war. Denn Ablenkung im Straßenverkehr ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Killer.
Ob andere Regionen nachziehen, wird sich zeigen. Doch schon jetzt ist klar: Die Landes setzen ein Ausrufezeichen in der französischen Verkehrspolitik.
Von C. Hatty