Alle Artikel · 01.10.2024 07:13
Der letzte Atemzug eines Symbols: Das drohende Ende des französischen Akkordeonherstellers Maugein
Frankreich steht kurz davor, einen seiner traditionsreichsten Musikinstrumentenhersteller zu verlieren. Die Manufacture Maugein, der älteste Akkordeonproduzent des Landes, wurde am 27. September vom Handelsgericht in Brive (Corrèze) in die Insolvenz geschickt. 1919 in Tulle...
Frankreich steht kurz davor, einen seiner traditionsreichsten Musikinstrumentenhersteller zu verlieren. Die Manufacture Maugein, der älteste Akkordeonproduzent des Landes, wurde am 27. September vom Handelsgericht in Brive (Corrèze) in die Insolvenz geschickt. 1919 in Tulle von Jean Maugein, einem ehemaligen Klavierstimmer, gegründet, hat die Firma einst eine wahre Erfolgsgeschichte geschrieben. Maugein-Akkordeons sind weltweit bekannt und wurden von namhaften Künstlern wie Indochine, Renaud und Bourvil gespielt.
Doch in den letzten Jahren hat das Unternehmen an Schwung verloren. Die Auftragsbücher leerten sich – die Konkurrenz aus China war einfach zu stark. Trotz kreativer Versuche, neue Wege zu gehen, etwa durch die Produktion von Mundharmonikas und elektronischen Akkordeons, blieb der wirtschaftliche Erfolg aus.
Ein Traditionsunternehmen am Abgrund
Einige politische Stimmen, darunter der frühere Präsident François Hollande, halten die Hoffnung am Leben. Es gibt Gespräche über mögliche Investoren, die das Unternehmen retten könnten. Aber realistisch betrachtet scheint es unwahrscheinlich, dass die Firma in ihrer jetzigen Form überlebt. Heute sind es nur noch 10 Mitarbeiter, die in der Manufaktur arbeiten – ein scharfer Kontrast zu den 150 Beschäftigten, die dort in den 1930er Jahren tätig waren.
René Lachèze, der Geschäftsführer von Maugein, beschreibt die Situation nüchtern: „Wir können die Leute nicht beschäftigen, wenn es nichts zu tun gibt. Es gibt keine Akkordeons mehr zu fertigen, wir produzieren keine mehr.“ Eine traurige Erkenntnis, wenn man bedenkt, dass das Akkordeon einen so festen Platz im kulturellen Erbe Frankreichs einnimmt. Viele verbinden es fest mit dem Land, obwohl das Instrument ursprünglich 1829 in Wien erfunden wurde.
Mehr als nur ein Instrument
Das Akkordeon ist ein polyphones Instrument, das auf der ganzen Welt seine Spuren hinterlassen hat. Es ist sowohl in der populären als auch in der klassischen Musik tief verwurzelt. Von den traditionellen Bals musette in Frankreich bis hin zur Folklore in Kanada, von Django Reinhardt bis Cheb Khaled – das Akkordeon hat sich in den verschiedensten Musikstilen etabliert. Selbst Komponisten wie Tschaikowsky und Prokofjew haben das Akkordeon in ihre Werke integriert.
Wie die berühmte Akkordeonistin Yvette Horner es treffend sagte: „Man kann mit dem Akkordeon alles spielen.“ Und obwohl die Zukunft des letzten großen französischen Herstellers ungewiss ist, wird das Instrument sicher weiter klingen – auf Hochzeiten, Festen und in der Straßenmusik. Denn schließlich, warum sollten wir aufhören zu tanzen?